Neuer Ratgeber zum Vorruhestand

März 24th, 2011 by Andre | No Comments | Filed in Altersvorsorge, Rente

Den Wunsch, vorzeitig in den Ruhestand zu gehen, hegen viele Bundesbürger und setzen ihn auch in die Tat um. Allerdings wird es immer schwerer, ein paar Jahre vor dem eigentlichen Renteneintritt den Job an den Nagel zu hängen. Das liegt insbesondere an den Abstrichen, die in Kauf genommen werden müssen und mit Blick auf die mögliche Rente mit 67 eine nicht unerhebliche Einschränkung darstellen. Die Altersvorsorgeberaterin der Verbraucherzentrale Osnabrück, Nicole Lamping, rät daher eindringlich: „Wer empfindliche finanzielle Einbußen in einer solchen Lage vermeiden will, sollte seine Finanzplanung so früh wie möglich abstimmen.“

Dabei helfen unter anderem die Verbraucherzentralen in einem gebührenpflichtigen Gespräch zur privaten Altersvorsorge. Wer sich vorab über die finanziellen und rechtlichen Aspekte des Vorruhestandes informieren möchte, für den halten die Verbraucherschützer zudem einen neuen Ratgeber bereit. Das Buch mit dem Titel „Vorzeitig in Rente“ kostet 9,90 Euro und ist sowohl bei den Verbraucherzentralen vor Ort als auch online erhältlich. Auf 192 Seiten werden alle relevanten Fakten zur Rente und zur privaten Altersvorsorge aufgegriffen und anschaulich erläutert.

Die Autoren erklären unter anderem die gesetzlichen und sozialrechtlichen Voraussetzungen für den vorzeitigen Ruhestand, wie die Rentenhöhe und die drohende Versorgungslücke berechnet werden und wie diese Lücke effizient geschlossen werden kann. „Der Ratgeber erläutert die aktuelle Gesetzeslage und die wichtigsten Regelung und er zeigt auf, mit welchen Anlagestrategien Sie die finanzielle Versorgung im Alter absichern können“, so die Zusammenfassung der Verbraucherzentralen. Für das bessere Verständnis der doch eher komplizierten Materie wartet der Ratgeber mit Beispielen, Checklisten, einer Vielzahl von Tabellen und Tipps auf.

Abrunden lässt sich dieses Wissen übrigens kostenlos. Die Initiative „Altersvorsorge macht Schule“ bietet in Kooperation mit den Volkshochschulen bundesweit 90-minütige Einsteigerkurse. Der Intensivkursus über zwölf Unterrichtsstunden kostet 20 Euro und ist das Geld allemal wert.

0,99 Prozent mehr Rente

März 16th, 2011 by Andre | No Comments | Filed in Politik, Rente, Statistik

Die 20,2 Millionen Ruheständler in der Bundesrepublik dürfen sich ab dem 1. Juli über ein Prozent mehr Rente freuen. Ganz genau sind es 0,99 Prozent. Bei einer Rente von aktuell 800 Euro wären das 7,92 Euro mehr im Portemonnaie und bei 1.500 Euro 14,85 Euro. Große Sprünge sind damit sicherlich nicht möglich – aber immerhin. Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) wertet die Entwicklung durchaus positiv: „Ich freue mich, dass trotz des Ausgleichs für die Rentengarantie in diesem Sommer ein spürbares Plus für die Rentnerinnen und Rentner möglich ist.“

Doch wie kommt der Wert von 0,99 Prozent zustande? Anlass, dass überhaupt eine Rentenerhöhung vorgenommen werden kann, ist der positive Trend bei den Löhnen. Im vergangenen Jahr, das Experten als „Boomjahr“ bezeichnen, stiegen die Gehälter im Osten um rund 2,55 Prozent und im Westen der Republik um 3,1 Prozent. Wären die Renten an die Löhne gekoppelt, wie inzwischen von immer mehr Seiten gefordert wird, müsste nicht großartig gerechnet werden. Nach aktueller Gesetzeslage gibt es allerdings einige Faktoren, die bei der Rentenanpassung berücksichtigt werden müssen.

Von den 2,55 respektive 3,1 Prozent werden der Nachhaltigkeitsfaktor (0,46 Prozent) und der Riester-Faktor (0,64 Prozent) abgezogen. Danach bliebe rechnerisch ein Plus von 1,41 im Osten und 1,99 Prozent im Westen. Davon gehen noch einmal 50 Prozent als Ausgleich für die Rentengarantie ab. Dank dieser Schutzklausel waren die Altersbezüge in den Jahren 2008 und 2009 trotz Krise nicht gekürzt worden. Dadurch entstand ein Überhang, der jetzt abgebaut werden muss. Unter dem Strich steht damit ein Plus von 0,99 Prozent. Für Ostdeutschland hätte der Wert eigentlich 0,71 Prozent betragen müssen, so das Ministerium. Da die Renten in den neuen Bundesländern aber im gleichen Maße steigen müssen wie in den alten Ländern, gilt bundeseinheitlich eine Rentenerhöhung um 0,99 Prozent.

Frauen nehmen die private Vorsorge oft zu spät in Angriff

März 10th, 2011 by Andre | No Comments | Filed in Altersvorsorge

Der Rentenanspruch von Frauen liegt bei durchschnittlich 540 Euro und ist damit nur halb so hoch wie bei Männern. Das liegt zum einen an den „unterbrochenen Erwerbsbiografien“, bedingt durch die Erziehung der Kinder oder die Pflege von Angehörigen. Zum anderen verdienen Frauen in der Regel weniger als Männer. Diese Faktoren müssen bei der Gestaltung der privaten Altersvorsorge berücksichtigt werden, ebenso die längere Lebenserwartung. Andrea Weidauer, Zielgruppen Managerin bei der Allianz, rät daher in einem Interview mit der Welt: „Frauen müssen aktiv werden und sich um ihre Finanzen kümmern.“

Entscheidend sei, so die Expertin, eine ganzheitliche, auf die Lebenssituation und die Lebensplanung bezogene Beratung, ohne sich auf einzelne Produkte zu versteifen. Lösungen von der Stange, die häufig bei Standardberatungen geboten würden, verfehlten meistens das Ziel und gingen am Bedarf von Frauen vorbei. Des Weiteren empfiehlt Andrea Weidauer, die Verträge regelmäßig zu prüfen. „Das Leben tritt selten auf der Stelle“, betont sie. Deshalb seien gegebenenfalls Anpassungen nötig, zum Beispiel bei einer Hochzeit oder der Geburt des ersten Kindes. Als sinnvoll bezeichnet die Vorsorge-Expertin daher Lösungen, die Frauen genügend Flexibilität bieten – ob durch Beitragsfreistellungen bei Rentenpolicen oder eine Erhöhung der Leistung bei Berufsunfähigkeitsversicherungen.

Im Rahmen der privaten Vorsorge sieht Andrea Weidauer vor allem vier typische Fehler: Frauen warteten zu lange, ehe sie das Heft selbst in die Hand nehmen und sich um die Altersvorsorge kümmern. Dadurch verspielten sie den Zinseszinseffekt und verbauten sich die Chance auf günstigere Beiträge, wenn sie sich gegen Berufsunfähigkeit absichern wollen. Zudem scheuten Frauen Aktien und Fonds, obwohl Wertpapiere gerade langfristig betrachtet höhere Renditen versprechen. Auch die Tatsache, dass in Familien nur selten eine Risikolebensversicherung für die Frau abgeschlossen werde und nach der Geburt des Kindes die Vorsorgeverträge häufig stillgelegt würden, stuft die Zielgruppen-Managerin als Fehlentscheidungen ein. Besser sei es, darauf zu achten, dass beide Elternteile gleichermaßen abgesichert sind.

Rente wieder dynamisch an Löhne koppeln

März 3rd, 2011 by Andre | No Comments | Filed in Politik, Rente, Statistik

„Wer ein Leben lang gearbeitet hat, muss im Alter mehr als die Grundsicherung haben“, sagte jüngst der Vorsitzende der Linkspartei, Klaus Ernst, im Gespräch mit dem „Tagesspiegel“. Anlass war die Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linken zum Thema Rente und Inflation. Demnach werden die Standardrenten (unter Berücksichtigung der höheren Krankenkassenbeiträge) bis 2013 lediglich um 1,8 Prozentpunkte steigen. Für den gleichen Zeitraum gehen Prognosen von einem Preisanstieg um etwa fünf Prozent aus. Heißt: Rentnerinnen und Rentner werden den Kaufkraftverlust besonders deutlich zu spüren bekommen.

Hans-Joachim Fuchtel, Parlamentarischer Staatssekretär im Sozialministerium, nennt als Gründe für das eher magere Rentenplus die Lohnentwicklung und den „Abbau des Ausgleichsbedarfs“. Insbesondere Punkt zwei stößt den Sozialverbänden und den Linken bitter auf. Die Schutzklausel, die in den Jahren 2005, 2006 und 2010 zur Anwendung kam, sorgte zwar dafür, dass die Renten nicht gekürzt wurden. Unter dem Strich hätte ein Minus von 3,81 Prozent gestanden. Rentner beziehen aktuell also mehr als ihnen eigentlich zusteht. Der positive Effekt kehrt sich aber wieder um. Rentenanpassungen nach oben werden schlichtweg halbiert, weil nach geltendem Recht ein Ausgleich geschaffen werden muss. Erforderlich sei dieser Schritt aus „Gründen der Generationengerechtigkeit“, so Fuchtel.

Als Folge dieser Taktik befürchten die Linken, dass künftig „immer mehr Rentner auf Hartz-IV-Niveau abstürzen“. Ihre Forderung lautet daher, neue Anpassungsregeln für die Rente zu schaffen. Der Rentenbezug müsse wieder an die Löhne gekoppelt werden. Damit läuft die Partei beim Sozialverband VdK offene Türen ein. Auch hier spricht man sich für eine Rückkehr zur dynamischen Rente und den Verzicht auf Kürzungsfaktoren aus. Darüber hinaus soll der sogenannte Riester-Faktor wieder abgeschafft werden. „Wir wollen, dass die Rentnerinnen und Rentner an der Wohlstandsentwicklung teilhaben, und das tun sie immer weniger“, betonte VdK-Präsidentin Ulrike Mascher gegenüber dem „Tagesspiegel“.

Garantiezins für Lebensversicherungen sinkt

Februar 24th, 2011 by Andre | No Comments | Filed in Altersvorsorge, News

Jetzt ist es amtlich: Die Garantieverzinsung von Lebensversicherungen wird zum 1. Januar 2012 von aktuell 2,25 auf 1,75 Prozent gesenkt. Damit erfolgt der schon lange angekündigte Schritt zwar erst ein halbes Jahr später als ursprünglich geplant. Das ändert jedoch nichts an der Tatsache, dass kapitalbildende Lebensversicherungen spürbar an Attraktivität verlieren werden. Daher stellt sich die Frage: Lohnen sich die Policen überhaupt noch als Baustein für die private Altersvorsorge?

Aus Sicht des Bundes der Versicherten (BdV) waren Lebensversicherungen noch nie wirklich ideal, um ein Vermögen aufzubauen. Thorsten Rudnik bezeichnet sie vielmehr als „unrentabel und intransparent“ und betont: „Eine klassische Lebensversicherung lohnt sich schon jetzt nicht mehr“. Er befürchtet, dass die Branche in den kommenden Wochen und Monaten vermehrt die Werbetrommel rühren wird, um noch vor Jahresende möglichst viele Neuverträge unter Dach und Fach zu bringen. Verbraucher sollten sich allerdings nicht unter Druck setzen lassen und genau überlegen, ob ein Vertrag für sie überhaupt infrage kommt.

Denn bezogen auf die Rendite gibt die Lebensversicherung kein besonders gutes Bild ab – sagt zumindest der BdV. Er beziffert den Gewinn mit knapp einem Prozentpunkt. Entscheidend sei die Sparquote. Sie beziffert den Anteil des Beitrags, der tatsächlich angelegt wird. Gute Verträge kommen auf einen Wert von etwa 90 Prozent. Auf der anderen Seite gebe es aber viele Policen, deren Sparquote mit 70 Prozent vergleichsweise schlecht ist. Von 100 Euro Beitrag, die ein Kunde monatlich investiert, blieben unter Berücksichtigung aller Kosten nur 70 Euro für die Vorsorge. Verzinst würde dementsprechend auch nur dieser Betrag. Hinzu kommt eine nicht garantierte Überschusszahlung. „Da kann sich jeder selbst ausrechnen, was dabei herauskommt“, stellt Thorsten Rudnik klar.

Wenn bereits eine Lebensversicherung vorhanden ist, sollten die Beiträge auch weiterhin gezahlt werden. Denn eine Kündigung gehe mit hohen Kosten und meistens auch Verlusten einher. Von neuen Verträgen rät der Bund der Versicherten, wie bereits erwähnt, hingegen ab. Als Alternative raten die Experten zur staatlich geförderten Riester-Rente und der betrieblichen Altersvorsorge, um ein Polster für den Ruhestand zu schaffen.

Deutsche sind Vorsorgemuffel

Februar 17th, 2011 by Andre | No Comments | Filed in Altersvorsorge, News, Statistik

Im EU-Vergleich sind die Bundesbürger eher Vorsorgemuffel. Mit 3.900 Euro, die jährlich in die private Altersvorsorge investiert werden, landen sie auf dem vorletzten Platz. Nur der Ruhestands-Sparstrumpf der Franzosen ist noch dünner. In ihm landen Jahr für Jahr gerade einmal 2.100 Euro. Den Spitzenplatz nimmt die Schweiz mit 7.900 Euro ein. Das sind die Ergebnisse des Axa Ruhestand-Barometers. Für die Studie hat die Gesellschaft für Konsum-, Markt- und Absatzforschung (GfK) 13.123 Personen in 13 Ländern befragt.

„Die Deutschen gelten gemeinhin als fleißige Sparer. Geht es jedoch um langfristige Vorsorge fürs Alter, füttern sie ihr Sparschwein mit eher mäßigem Eifer“, erklärt der Versicherungskonzern in einer Pressemitteilung. Nur 46 Prozent legen regelmäßig ein paar Euro auf die hohe Kante. 20 Prozent sorgen gar nicht vor. Dabei ließe sich die drohende Rentenlücke, so die Axa, bei einem frühzeitigen Einstieg und dank des Zinseszinseffektes schon mit überschaubaren Beträgen verringern.

Interessant ist der Blick auf die Motivationsfaktoren, warum und wann die Altersvorsorge in Angriff genommen wird. In Deutschland scheint der Nachwuchs für die Initialzündung zu sorgen. Kinder sind für 39 Prozent der Erwerbstätigen der Hauptgrund, sich finanziell für das Alter abzusichern. In der Gruppe der 25- bis 34-Jährigen steigt die Quote sogar auf 50 Prozent. Ähnlich verhält es sich auch in Frankreich und Spanien. Der „runde Geburtstag“, der in Japan 58 Prozent der Menschen veranlasst, mit der Vorsorge zu beginnen, ist in der Bundesrepublik hingegen völlig ohne Belang.

Durchaus positiv bewerten lässt sich die Tatsache, dass 62 Prozent der Deutschen ungefähr wissen, mit welcher gesetzlichen Rente sie später rechnen können. Diesbezüglich sind die Bundesbürger Spitzenreiter. Dass trotz des Wissens um die Lücke nicht früh genug oder zu wenig gespart wird, ist daher völlig unverständlich. „Im Jahr 2007 hatten bereits 72 Prozent mit Anfang 30 vorgesorgt, heute sind es nur noch 46 Prozent“, sagt die Axa. Das heißt, dass sich über 50 Prozent der jüngeren Erwerbstätigen noch gar nicht mit dem Thema Vorsorge befasst haben. Die Versicherung spricht hier von einer deutlichen „Diskrepanz zwischen Wissen und Wollen“.

Vorzeitigen Renteneintritt früh planen

Februar 10th, 2011 by Andre | No Comments | Filed in Altersvorsorge, Rente

Vorzeitig in Rente zu gehen und den Ruhestand schon mit 60 oder 62 Jahren genießen zu können – davon träumen viele. Damit das Vorhaben nicht zum Albtraum gerät, empfiehlt Barbara Rück von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen, sich rechtzeitig mit dem Thema zu befassen und die nötigen Maßnahmen zu ergreifen. „Am besten ist es, sich schon ab einem Alter von 50 Jahren damit zu beschäftigen. Mit 60 Jahren kann es dafür schon zu spät sein“, so der Tipp der Expertin.

Der erste Schritt sei immer, sich mit der Deutschen Rentenversicherung in Verbindung zu setzen und über die wichtigsten Fakten informieren zu lassen. Das ist zum einen der Termin für den frühestmöglichen Renteneintritt. Punkt zwei sind die Abschläge, mit denen gerechnet werden muss, wenn der Ausstieg aus dem Erwerbsleben ein paar Jahre früher erfolgen soll. Aufbauend auf diesen Zahlen kann dann geplant und gerechnet werden. Entscheidend ist der Einkommensbedarf. Dabei gelte, erklärt Barbara Rück: „Nicht immer braucht man als Rentner weniger Geld.“ Denn auch teure Hobbys oder Reisen müssten berücksichtigt werden.

Auf der anderen Seite reduzieren sich die Ausgaben im Rentenalter, weil die Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsplatz sowie die Beiträge zur Berufsunfähigkeitsversicherung entfallen. Das heißt: Es müssen alle Faktoren in die Rechnung einfließen, um einigermaßen zuverlässige Werte zu erhalten. Die Lücke, die sich dann zwischen der gesetzlichen Rente, möglichen privaten Renten und dem Bedarf ergibt, gilt es zu schließen. Die Regel, „je früher man damit beginnt, desto besser ist“, greift auch hier. Welche Anlageform infrage kommt, richtet sich nach der individuellen Risikobereitschaft. Auch im Alter ideal, so die Verbraucherschützer: geförderte Produkte, wie zum Beispiel die Riester-Rente.

Streit um Zuverdienst von Rentnern

Februar 2nd, 2011 by Andre | No Comments | Filed in News, Politik, Rente

Beim Thema Rente geraten sich Regierung, Opposition und Gewerkschaften regelmäßig in die Haare. Auch der Vorschlag von CDU und FDP, die Zuverdienstgrenze für Rentnerinnen und Rentner, die vorzeitig in den Ruhestand gehen, anzuheben, stößt nicht gerade auf Gegenliebe. Dabei handelt es sich um einen Schritt, der von vielen Experten bereits seit Jahren gefordert wird.

In Focus Money erklärt der Münchener Rentenberater Harald Teschner: „Bislang dürfen Rentner unter 65 Jahren nur 400 Euro pro Monat verdienen, ohne dass ihre Altersrente gekürzt wird.“ Sollte das Zubrot höher ausfallen, wird die gesetzliche Rente entsprechend gekürzt oder ganz gestrichen. Das Problem: Die Rentenversicherungsträger melden sich nicht sofort, wenn der Rotstift angesetzt wird, sondern teils erst Jahre später. Die Rückforderungen fallen dann häufig so hoch aus, dass sie von vielen Rentnern gar nicht gezahlt werden können.

Hier möchte Schwarz-Gelb ansetzen. Die Idee ist relativ einfach: Der Verdienst inklusive Rente soll sich am letzten Bruttogehalt orientieren. Zahlte der Arbeitgeber früher 2000 Euro brutto und stehen 700 Euro Rente zu Buche, dürfen monatlich 1.300 Euro hinzuverdient werden, sofern der Renteneintritt vor dem 65. Lebensjahr erfolgt. „Die Regelung ermöglicht älteren Menschen, schrittweise aus dem Berufsleben auszusteigen“, so der stellvertretende FDP-Fraktionschef Heinrich Kolb. Zudem würden auf diese Weise die Rentenansprüche für die Zukunft aufgebessert.

Für die SPD kommt diese Regelung einer „staatlich subventionierten Lohndrückerei“ gleich und sei ganz und gar nicht zukunftsweisend. Ähnlich argumentiert der Deutsche Gewerkschaftsbund. Annelie Buntenbach spricht von „purem Zynismus“. Mit dem Hinzuverdienst sollen lediglich die Abschläge ausgeglichen werden, die durch die Rente mit 67 zu befürchten sind. Bis dahin vergeht allerdings noch viel Zeit. Rentenexperten mahnen daher, sich nicht auf die zukünftige Entwicklung zu konzentrieren, sondern die Probleme der Rentner von heute anzugehen – und dazu gehört unter anderem die Zuverdienstgrenze, die viele zum Stillsitzen verdamme.

Dänen steht Rente mit 74 bevor

Januar 27th, 2011 by Andre | No Comments | Filed in News, Politik, Rente

In der Bundesrepublik steht die Rente mit 67 an und hat schon jetzt mehr Kritiker als Befürworter. Noch drastischer sind die Schritte, die in Dänemark angekündigt wurden: Um das Überleben der Wirtschaft zu gewährleisten, soll das Renteneintrittsalter sukzessive auf 74 Jahre angehoben werden, basierend auf der Lebenserwartung und der Idee, im Schnitt nur noch etwa 15 Jahre im Ruhestand zu verbringen. Freudentaumel löste die Ankündigung Lars Løkke Rasmussen ganz sicher nicht aus. Die Opposition spricht von einem „brutalen Eingriff“.

Die Kritik bezieht sich aber in erster Linie auf die Abschaffung der Frühpension. Weniger Diskussionsbedarf gibt es bei der Anhebung des Rentenalters. Diesbezüglich sind sich die Parteien weitgehend einig. Während in Spanien, Frankreich und demnächst vermutlich auch in Großbritannien lautstark demonstriert wird und teils sogar Generalstreiks drohen, wird eine längere Lebensarbeitszeit in Dänemark durchaus akzeptiert – zumindest auf politischer Ebene. Denn die Probleme, die sich aus der demografischen Entwicklung ergeben, treten bereits jetzt zutage.

Das Land leitet unter Fachkräftemangel. Viele qualifizierte Arbeitnehmer gehen in Frühpension, die in Dänemark durchaus großzügig ausfällt und häufig schon mit dem 60. Lebensjahr in Anspruch genommen werden kann. „Völlig gesunde Menschen dafür zu bezahlen, dass sie aufhören zu arbeiten“, so Rasmussen, sei auf Dauer nicht machbar. Er wünscht sie die Rente mit 67 bereits zum Jahr 2022. Ab 2030 soll der Renteneintritt dann an die Lebenserwartung gekoppelt werden und auf bis zu 74 Jahre steigen.

Derlei Pläne liegen in Deutschland noch nicht auf dem Tisch. „Darüber jetzt zu diskutieren, ist unsinnig. Wir sollten zunächst die Rente mit 67 konsequent umsetzen“, zitiert die Süddeutsche Zeitung die Arbeitgeber. Der DGB nennt derlei Ideen „völlig absurd“ und wünscht sich stattdessen abgesicherte Übergänge zwischen Arbeitsleben und Rente. Auf Dauer, so Experten von der Bundesbank, werden aber auch die Deutschen nicht davor verschont bleiben, möglicherweise bis zum 69. Lebensjahr oder länger arbeiten zu müssen. Begründet wird die Prognose mit dem „kleinen Einmaleins des Rentenversicherungssystems“. Da es sich um ein unpopuläres Thema handelt, lässt die Politik erst einmal die Finger davon – die hat man sich schon bei der Rente mit 67 verbrannt.

Aufschwung füllt die Rentenkasse

Januar 20th, 2011 by Andre | No Comments | Filed in News, Politik, Rente, Statistik

„Die Rentenkasse schwimmt derzeit im Geld“, schreibt Focus Money Online. Noch lässt sich die Deutsche Rentenversicherung zwar nicht mit Dagobert Duck vergleichen. Doch die jetzt veröffentlichten Zahlen geben durchaus Anlass zur Hoffnung – sowohl den Beitragszahlern als auch den Rentnerinnen und Rentnern. Die positive Entwicklung könnte sich schon bald auch auf ihre Geldbeutel niederschlagen.

Binnen Jahresfrist waren die Einnahmen aus den Pflichtbeiträgen auf 163,7 Milliarden Euro gestiegen. Das entspricht einem Plus von 2,3 Prozentpunkten. Deutlich besser als erwartet hat sich auch die Finanzreserve entwickelt. Sie betrug zum Jahresende 18,5 Milliarden Euro. Verglichen mit dem Vorjahr sind das 2,4 Milliarden mehr. Umgerechnet deckt die eiserne Reserve der Rentenversicherung jetzt 1,1 Monatsausgaben. Dieser Wert war zuletzt 1993 erreicht worden. Kein Wunder, dass die Politik schon fleißig Pläne schmiedet.

Die Deutsche Rentenversicherung selbst hält sich noch ein wenig bedeckt, ob die Bezüge für die 20 Millionen Rentnerinnen und Rentner in diesem Jahr auch tatsächlich steigen. Es wird aber immer wahrscheinlicher, dass die Rente Mitte des Jahres um ein Prozent angehoben wird. Klarheit herrscht allerdings erst dann, wenn die exakten statistischen Daten vorliegen. Das wird im Frühjahr der Fall sein. Der Sozialexperte der Union, Peter Weiß, griff dem schon ein wenig vor und erklärte gegenüber der „Berliner Zeitung“, die Gefahr einer erneuten Nullrunde 2011 sei dank der guten Lohnentwicklung endgültig gebannt.

Gute Nachrichten gibt es auch für die Beitragszahler. Sie müssen sie jedoch etwas länger gedulden, ehe an der Beitragsschraube gedreht wird. Bislang sehen die Planungen vor, dass der Beitragssatz im Jahr 2014 von derzeit 19,9 auf 19,3 Prozent gesenkt wird. Hält der positive Trend bei der Einnahmeentwicklung an, stehen die Chancen sehr gut, dass die Anpassung der Rentenbeiträge bereits 2013 vorgenommen werden kann – im Wahljahr ideal für die Regierung. Die gesetzlichen Vorschriften erlauben eine Senkung der Arbeitgeber- und Arbeitnehmer-Beiträge, wenn die Finanzreserve 1,5 Monatsausgaben umfasst.