Kritik an der Riester-Rente klingt nicht ab

Juni 2nd, 2011 by Andre | No Comments | Filed in Altersvorsorge

14,6 Millionen Riester-Verträge wurden seit Einführung der staatlich geförderten Altersvorsorge abgeschlossen. Ob wirklich jeder versteht, was er da unterschrieben hat, ist allerdings eher zweifelhaft. Denn viele Riester-Renten sind schlichtweg zu teuer und kosten teilweise sogar mehr als der Staat an Zulagen zahlt – sagt das Magazin Ökotest nach einem großen Riester-Renten-Vergleich. Unter die Lupe genommen wurden dazu rund 150 Angebote für klassischen Rentenversicherungen und fondsgebundene Produkte.

Unter dem Strich steht kein besonders erfreuliches Fazit. Die meisten Policen fielen bei der Untersuchung von Ökotest durch. „Nur eine Handvoll davon kann man Verbrauchern überhaupt empfehlen“, so Jürgen Stellpflug von Ökotest. Dabei handele es sich um die „besseren unter den schlechten“ Verträgen. Grund für das vernichtende Urteil sind die für Sparer kaum nachvollziehbaren Kostenstrukturen. Undurchsichtig und horrend hoch, sagen die Tester. Als Beispiel führen sie einen 35-jährigen Familienvater mit zwei Kindern an. Bis zur Rente mit 67 spendiert der Staat rund 10.000 Euro an Zulagen. Bei der klassischen Riester-Rente eines großen Konzerns stehen den Zuschüssen 8.900 Euro Gebühren gegenüber. Hätte der Kunde eine fondsgebundene Riester-Rente abgeschlossen, müsste er im ungünstigsten Fall sogar mit Kosten in Höhe von 18.600 Euro rechnen.

Wie hoch die Gebühren bei den einzelnen Verträgen sind, ist für Verbraucher bei Abschluss der Police kaum zu erkennen. Erst mit der ersten Jahresabrechnung folgt das böse Erwachen. Die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg moniert daher: „Die Versicherer verschleiern die wahren Kosten – auch um Vergleiche mit der Konkurrenz zu vermeiden.“ Versicherungsmathematiker haben inzwischen 40 bis 50 Kostenarten ermittelt. Damit muss jetzt Schluss sein, fordern die Verbraucherschützer. Sie plädieren dafür, die Kosten zu deckeln, und bauen darauf, dass der Staat kostengünstige Produkte realisiert.

Das wird vorerst aber Wunschdenken bleiben. Vonseiten des Bundesfinanzministeriums hält man ein Produktinformationsblatt zur Riester-Rente für völlig ausreichend. Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV), der die Ökotest-Kritik für überzogen hält, spricht sich darüber hinaus für eine Gesamtkostenquote aus, um die Verträge vergleichbar zu machen. Bliebe nach wie vor das Problem, das kaum jemand weiß, wie hoch die private Rente aus einem Riester-Vertrag später sein wird.

Verbraucherschützer fordern eine grundlegende Reform der Riester-Rente

Mai 26th, 2011 by Andre | No Comments | Filed in Altersvorsorge, News

Provisionen für den Verkauf von Finanzprodukten sind dem Verbraucherzentrale Bundesverband ein Dorn im Auge, insbesondere bei der Riester-Rente. Deshalb hatte der VZBV schon vor zwei Jahren den Vorschlag unterbreitet, dass die Finanzagentur des Bundes als Anbieter der staatlich geförderten Altersvorsorge auftreten und günstigere Policen anbieten könnte. Seinerzeit blieb die Idee ohne Echo. Ob der erneute Vorstoß der Verbraucherschützer auf mehr Gegenliebe stößt, bleibt abzuwarten.

Gerd Billen, Chef des Verbraucherzentrale Bundesverbandes, hat jedenfalls sowohl Finanzminister Wolfgang Schäuble als auch Sozialministerin Ursula von der Leyen vorgeschlagen, über die Finanzagentur eine kostengünstige Riester-Rente einzuführen. Dabei beruft sich Billen auf aktuelle Zahlen und mahnt, dass gerade diejenigen, die auf die Förderung angewiesen seien, derzeit noch nicht erreicht würden. „In Deutschland haben 37 Millionen Bürger Anspruch auf Riester-Zulagen, doch nur 14,6 Millionen haben eine Förderung beantragt“, zitiert die Financial Times Deutschland den VZBV-Chef.

Ihm schwebt ein Modell vor, wie es in Schweden bereits praktiziert wird: Jeder Angestellte zahlt automatisch in einen staatlich gemanagten Fonds ein; oder nutzt eine privatwirtschaftliche Alternative, wenn er der Ansicht ist, das Geld sei an anderer Stelle besser investiert. Eine solche Lösung wünschen sich die Verbraucherschützer auch für die Bundesrepublik. Ihre Hoffnungen ruhen auf der Zusage der Regierung, die Riester-Rente zu überarbeiten. Gerd Billen sieht darin die Gelegenheit, „die Altersvorsorge grundsätzlich zu reformieren“. Mit ersten Ergebnissen rechnet der VZBV im Herbst.

Der eigentliche Wunsch lautet schlichtweg, das Produkt nicht länger durch hohe Kosten zu belasten. Da der Vertrieb vor allem auf eine „auskömmliche Provision“ achte, sei es unwahrscheinlich, dass sich „Angebote hoher Qualität“ durchsetzen. Aktuell zehrten die Kosten die Zulagen weitgehend auf. Das sei umso problematischer, da die Riester-Rente kein Sahnehäubchen darstelle, sondern „einen existenziell notwendigen Ausgleich sinkender gesetzlicher Rentenansprüche“. Das verpflichte den Staat, für effiziente Lösungen zu sorgen. Schließlich kalkuliert auch die Regierung mit den Leistungen der Riester-Rente. Sie geht von 130 Euro pro Monat aus, die jeder Rentner in zehn Jahren aus einer Riester-Police bezieht.

Die Wirtschaftsweisen fordern Rente mit 69

Mai 19th, 2011 by Andre | No Comments | Filed in News, Rente

Die Rente mit 67 steht noch im Raum und nach wie vor unter Beschuss, da gehen die Wirtschaftsweisen mit einer Forderung an die Öffentlichkeit, die nur auf wenig Gegenliebe stößt: die Rente mit 69.

Konkret spricht sich der Sachverständigenrat dafür aus, das Renteneintrittsalter wie geplant ab 2012 schrittweise bis 2029 auf 67 Jahre anzuheben. In zwei weiteren Stufen müsse die Lebensarbeitszeit im Jahr 2045 auf 68 und 2060 auf 69 Jahre steigen – auch für Beamte. Während Bundeskanzlerin die Anregung als „wertvolle und wichtige“ Grundlage bezeichnet, fordert Linken-Parteichef Klaus Ernst die Abschaffung des Rates.

Dass die Rente mit 67 vermutlich nicht ausreichen wird, um den demographischen Wandel und die damit verbundenen Schwierigkeiten aufzufangen, hat die EU bereits vor Monaten in einem ihrer Papiere fixiert. Eine längere Lebensarbeit sei zwingend nötig, weil auf Dauer immer weniger Beitragszahler für immer mehr Rentner aufkommen müssten. Das gefährde die Sozialkassen. Werde nicht zeitnah reagiert, so die Wirtschaftsweisen, drohe eine Staatsverschuldung von 270 Prozent. Aktuell liegt der Wert bei 80 Prozent. Zum Vergleich: Griechenland soll, so vorsichtige Prognosen, 2013 eine Schuldenstandquote von 160 Prozent haben.

Den Vorstoß der SPD, die Anhebung des Renteneintrittsalters auf 67 um drei Jahre zu verschieben und dann zu prüfen, ob die Voraussetzungen stimmen, lehnen die Wirtschaftsweisen grundlegend ab. Sie mahnen, dass man keine Zeit verlieren dürfe. Gleichwohl räumen sie Ausnahmeregelungen für körperlich hart arbeitende Beschäftigte ein, zum Beispiel Bauarbeiter und Krankenschwestern. Sollten sich die Ideen durchsetzen, wäre die Generation betroffen, die nach 1991 geboren wurde.

Das Echo auf die Rente mit 69 fällt noch heftiger aus als das auf die Rente mit 67. Elke Ferner, SPD-Fraktionsvize, nennt den Vorschlag „einfach absurd“ und bescheinigt den Wirtschaftsweisen „unglaubliche Fähigkeiten zu haben, wenn sie 2011 schon wissen, wie das Renteneintrittsalter im Jahr 2060 sein soll“. Auch Karl Schwiewerling von der CDU und Heinrich Kolb von der FDP halten die Prognosen für verfrüht. So weit reiche seine Glaskugel nicht, so Schiewerling. Der DGB ist weniger zurückhaltend. Der Chef der Region Frankfurt/Rhein-Main, Harald Fiedler, hält die Herren Wirtschaftsweisen für „verkalkt“ und fordert die Rückkehr zur Rente mit 65.

Rentenansprüche in gleichgeschlechtlichen Partnerschaften

Mai 12th, 2011 by Andre | No Comments | Filed in News, Rente

Der Europäische Gerichtshof (EuGH) hat am Dienstag entschieden: Schwule und Lesben, die in einer eingetragenen Partnerschaft leben, haben den gleichen Anspruch auf Rente wie Heterosexuelle, die verheiratet sind (Rechtssache C-147/081). Damit gaben die Luxemburger Richter einem ehemaligen Angestellten der Stadt Hamburg recht, dem eine günstigere Steuerklasse und damit eine um 302,11 Euro höhere Rente verweigert worden war. Diese Praxis bei der Rentenberechnung gleichgeschlechtlicher Lebenspartner wertete der EuGH als „Diskriminierung wegen der sexuellen Ausrichtung“.

Der Kläger war 40 Jahre lang als Verwaltungsangestellter bei der Stadt Hamburg tätig, schied 1990 aus gesundheitlichen Gründen aus dem Dienst aus und lebt seit 1969 ununterbrochen mit seinem Partner zusammen. Als sich 2001 auch in der Bundesrepublik die Möglichkeit ergab, eine eingetragene Partnerschaft einzugehen, wagten die beiden den Schritt. Das Anliegen, die Ruhestandbezüge aufgrund der geänderten Lebensumstände neu zu berechnen, lehnte die Hansestadt jedoch ab. Daraufhin landete der Fall vor Gericht. Jetzt ist es Aufgabe des Amtsgerichtes, das Urteil umzusetzen.

Die Richter begründen ihre Entscheidung damit, dass es „keinen ins Gewicht fallenden rechtlichen Unterschied“ mehr zwischen einer Ehe und einer eingetragenen Partnerschaft gebe. Beide Formen des Zusammenlebens würden sich immer mehr angleichen. Hinzu komme, dass es für Schwule und Lesben in der Bundesrepublik keinerlei Möglichkeit zur Hochzeit gebe. Diese Option besteht derzeit nur in den Niederlanden, Schweden, Spanien und Portugal.

Rentnerinnen und Rentner, die sich in der gleichen Situation befinden wie der Kläger aus Hamburg, sollten ihre Ansprüche prüfen lassen und sich dabei auf das Grundsatzurteil aus Luxemburg berufen, bei dem keine Berufung eingelegt werden kann. Für die Bundesländer heißt das jetzt: Sie müssen ihre Gleichstellungsgesetze nachbessern und dafür sorgen, dass Personen in gleichgeschlechtlichen, eingetragenen Partnerschaften die gleichen Rentenansprüche haben wie Verheiratete. Dass der Lesben- und Schwulenverband das Urteil aus Luxemburg begrüßt, dürfte also nicht verwundern.

Neuerungen bei der Riester-Rente

Mai 5th, 2011 by Andre | No Comments | Filed in Altersvorsorge, News, Politik

Die Riester-Rente hat in den vergangenen Wochen für einigen Wirbel und negative Schlagzeilen gesorgt. Der Grund war die Kontrolle der Zulagenberechtigung. Sie führte bei vielen Sparern dazu, dass ihnen die staatlichen Zuschüsse wieder gestrichen wurden. Der Vorwurf, das Regelwerk sei zu kompliziert und für Laien nicht verständlich genug, ließ nicht lange auf sich warten. Das hat auch die Politik hellhörig werden lassen. Die Reaktion folgte prompt in Form eines Gesetzesentwurfs. Ziel: Die Riester-Rente soll einfacher werden. Damit einhergehend sind unter Umständen höhere Eigenbeiträge nötig.

Ab 2012 sollen auch nicht berufstätige, kinderlose Ehepartner, die bislang keine eigenen Beiträge zahlen mussten und dennoch die volle Zulage erhielten, den Mindesteigenbeitrag von 60 Euro (fünf Euro pro Monat) in den Riester-Vertrag einzahlen. Damit wird vor allem einem Problem vorgegriffen: Häufig wurde nach der Geburt eines Kindes übersehen, dass die Frau drei Jahre rentenversichert und damit auch in puncto Riester-Rente beitragspflichtig ist. Wurden die neuen Familienverhältnisse bzw. Lebensumstände nicht gemeldet und dementsprechend kein Beitrag gezahlt, zog die Zentrale Zulagenstelle die bereits gezahlten Zuschüsse wieder ab. Dadurch ging mehr Geld verloren, als an Beiträgen verlangt worden wäre.

Familien, die davon betroffen sind, können jetzt aufatmen. Der Gesetzentwurf sieht zwar vor, den vollen Zulagenanspruch künftig nur noch zu gewähren, wenn eigene Beiträge überwiesen werden. Heißt: Der beitragsfreie Zulagenanspruch von Ehegatten entfällt. Dafür soll es jetzt auch möglich sein, den Mindesteigenbeitrag von 60 Euro pro Jahr nachträglich zu zahlen. Diese Option, nachträglich noch aktiv zu werden, bestand bislang nicht. Das hat viele Sparer verärgert. Die neue Lösung soll, so Finanzminister Wolfgang Schäuble und Arbeitsministerin Ursula von der Leyen, vor allem Familien helfen, „die das Richtig tun und mit der Riester-Rente zusätzlich für das Alter vorsorgen“.

Altersvorsorge ist für viele nach wie vor ein Buch mit sieben Siegeln

April 28th, 2011 by Andre | No Comments | Filed in Altersvorsorge, Rente, Statistik

Die Fondsgesellschaft Fidelity International hat den Bundesbürgern auf den Zahn gefühlt und nachgehakt, wie es um das Wissen zur gesetzlichen Rente, der betrieblichen und der privaten Altersvorsorge bestellt ist. Die Ergebnisse sind erschreckend und zeigen, so der Sprecher der Geschäftsführung, Christian Wrede: „Bisherige Altersvorsorge-Kampagnen haben die Deutschen offensichtlich nicht erreicht. Knapp 90 Prozent verlassen sich noch immer auf die gesetzliche Rente, die aufgrund des demografischen Wandels den Wohlstand von heute in der Zukunft aber nicht mehr sichern wird.“

Das größte Problem ist die falsche Einschätzung der künftigen Rentenhöhe. Die Mehrheit der Deutschen rechnet damit, im Ruhestand 60 Prozent des aktuellen Nettolohns ausgezahlt zu bekommen. 40 Prozent hoffen nach wie vor auf deutlich höhere Bezüge von 80 bis 100 Prozent. Damit sind sie weit von realistischen Zahlen entfernt. Bereits 2007 hatte der Fidelity-Real-Index (Renten- und Alterssicherungs-Index) ergeben, dass im Schnitt 56 Prozent des Einkommens als Rente gewährt werden. Damit ergibt sich eine Deckungslücke von 44 Prozent, die in nächster Zeit noch weiter wachsen wird.

Die Konsequenz müsste eigentlich sein, selbst aktiv zu werden und private Altersvorsorge zu betreiben. Diesbezüglich sind die Bundesbürger allerdings eher träge. Insbesondere die jüngere Generation weiß zwar sehr genau, dass sie mit einer Versorgungslücke zu rechnen hat. „Die Aufklärungsarbeit scheint hier erste Wirkung zu zeigen“, so Wrede. Die Zahl derer, die mit einer Riester-Rente oder anderen Produkten für das Alter sparen, stagniert allerdings. 31 Prozent der Umfrageteilnehmer – durchgeführt wurde die Studie vom Psephos Institut für Markt-, Politik- und Sozialforschung – sind ohne Fahrschein unterwegs und sorgen nicht bzw. noch nicht privat vor.

„Bei der betrieblichen Altersvorsorge klaffen Realität und Wahrnehmung noch weiter auseinander“, warnt Fidelity International. Viele (74 Prozent) gehen davon aus, dass die betriebliche Vorsorge einen der wichtigsten Bestandteile der Altersvorsorgestrategie darstellt. Tatsache ist, dass die Bezüge gerade einmal vier Prozent des Gesamteinkommens von Rentnerinnen und Rentner ausmachen. Wünschenswert wäre ein Anteil von 25 bis 30 Prozent, wie er in den Niederlanden erreicht wird. Das Fazit lautet entsprechend: „Die deutschen Erwerbstätigen wissen weder, wie hoch ihre Rente sein wird, noch kennen sie den seit Jahren empfohlenen Dreiklang der Altersvorsorge.“

Altersvorsorge: Riester-Renommee bröckelt

April 21st, 2011 by Andre | No Comments | Filed in Altersvorsorge

Kritik an der Riester-Rente wurde schon oft geäußert. Geschadet hat sie der staatlich geförderten Altersvorsorge nicht, bislang zumindest. Das beweisen die Zahlen. Über 14 Millionen Bundesbürger haben sich für das von Walter Riester entwickelte Modell entschieden und es zu einem der erfolgreichsten Produkte auf dem Vorsorgemarkt gemacht. Doch jetzt bröckelt die Fassade. Nachdem 1,5 Millionen Riester-Sparern die Zulagen wieder gestrichen werden, insgesamt fast eine halbe Milliarde Euro, hat das einstige Vorzeigeprodukte mit Imageproblemen zu kämpfen.

Das angeknackste Renommee wirkt sich inzwischen direkt auf die Bereitschaft der Deutschen aus, eine Riester-Rente abzuschließen. Eine Umfrage der Marktforschung Toluna ergab, dass nur noch acht Prozent die private Altersvorsorge nach Riester für „verlässlich“ halten. Wenn, dann wohl nur noch in Form des Wohn-Riesters. Denn über 30 Prozent bewerten die eigene Immobilie, sprich Wohneigentum, derzeit als beste Lösung, um fürs Alter vorzusorgen.

Das eigentliche Problem sehen Experten, wie Susanne Meunier von der Stiftung Warentest, im Regelwerk. „Die große Zahl an Rückbuchungen zeigt, dass viele Menschen das komplizierte System Riester nicht verstanden haben.“ Sie fordert, „das Dickicht zu lichten“. Gleichwohl müssten auch Sparer sich ein wenig mit dem Thema befassen und zumindest wissen, dass sie Änderungen der Lebensumstände – Hochzeit, höheres Gehalt, Zahl der Kinder – melden müssen. Denn genau hier liegt der Grund, weshalb jetzt so rigoros gestrichen wird. Die meisten Betroffenen haben den Vertrag einfach laufen lassen, ohne sich weiter darum zu kümmern.

In der Pflicht sehen Verbraucherschützer hier auch die Berater. Gegenüber dem „Tagesspiegel“ erklärte Niels Nauhauser: „Wer Abschluss- und Bestandsprovisionen für die gesamte Vertragsdauer einstreicht sollte Verbraucher auch nach Vertragsabschluss über alle Umstände der Förderung informieren.“ Vom Prinzip her halten er und seine Kollegen die Riester-Rente für eine durchweg gute Lösung, insbesondere mit Blick auf die Kapitalgarantie und die Zulagen. Für die ideale private Altersvorsorge müssen jedoch das richtige Produkt gewählt werden. Sie raten Kunden bis 35 Jahren zum Beispiel zu einem Fondssparplan.

Bundeskabinett billigt Rentenerhöhung

April 14th, 2011 by Andre | No Comments | Filed in News, Politik, Rente

Jetzt ist es amtlich: Die Rente steigt im Juli – wie bereits im März angekündigt – um 0,99 Prozent. Das Bundeskabinett hat die Anpassung und damit die Vorlage von Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) am Mittwoch gebilligt. Grundlage für die Rentenerhöhung ist die recht erfreuliche Entwicklung bei den Gehältern und Löhnen im vergangenen Jahr. Allerdings kommt den 20 Millionen Rentnerinnen und Rentnern diese Entwicklung nicht in voller Höhe zugute. Regulär hätten sie ein Rentenplus von 1,99 Prozent erwarten dürfen, wären da nicht die Überhänge aus der Rentengarantie, die jetzt ausgeglichen werden müssen.

Die Garantie hat die Ruheständler in der Vergangenheit vor Rentenkürzungen bewahrt. Durch diesen Sicherheitsanker liegen die Zahlungen aktuell 3,81 Prozent (Westen) bzw. 1,83 Prozent (Osten) höher, als sie mit Rentenminderung gewesen wären. Deshalb wird gekappt, insbesondere um die junge Generation der Beitragszahler nicht zu überlasten, so Ursula von der Leyen. Konkret sieht das so aus, dass die rechnerisch mögliche Rentenerhöhung einfach halbiert wird. Statt der 1,99 gibt es nur 0,99 Prozent. Laut Arbeitsministerium müssen die Rentnerinnen und Rentner auch in den kommenden Jahren damit rechnen, immer nur mit 50 Prozent am Aufschwung beteiligt zu werden, bis die Überhänge abgebaut sind.

Freudensprünge über die höhere Rente sind nicht zu erwarten, schon gar nicht mit Blick auf die Inflation. Die Anpassung bewegt sich auf einem Niveau deutlich unterhalb der aktuellen Teuerungsrate von 2,1 Prozent. Letztlich geht also weiterhin Kaufkraft verloren. „Mini-Rentenerhöhung“, nennt es der Deutsche Gewerkschaftsbund und mahnt, dass Rentner aufgrund der Inflation „am Ende ein deutliches Minus im Portemonnaie zu spüren bekommen“. Ähnlich argumentiert auch Adolf Bauer, Präsident des Sozialverbandes Deutschlands. Das Plus bei den Löhnen und Gehältern sei ideal gewesen, um den „fortwährenden Kaufkraftverlust der Rente endlich zu bremsen“.

Altersarmut wird künftig deutlich zunehmen

April 7th, 2011 by Andre | No Comments | Filed in Rente, Statistik

Dass die gesetzliche Rente nicht ausreichen wird, um auch im Ruhestand ein finanziell abgesichertes Leben führen zu können, dürfte den meisten Bundesbürgern inzwischen bekannt sein. Damit nicht genug: Trotz lückenloser Erwerbsstatistik droht immer mehr Verbrauchern Altersarmut. Aktuell sind laut Statistischem Bundesamt 2,4 Prozent der Rentnerinnen und Rentner auf Hilfe vom Sozialamt angewiesen. In ein paar Jahren werden es weit mehr sein.

Ein solch düsteres Szenario zeichnet unter anderem der ehemalige Chef der Wirtschaftsweisen, Bert Rürup. Gegenüber dem Handelsblatt erklärte er: „Künftig droht deutlich mehr Altersarmut. Die zentrale rentenpolitische Aufgabe dieser Legislaturperiode besteht darin, eine Antwort auf dieses wachsende Risiko zu finden.“

Von der Idee, dass mit der Rente der erreichte Lebensstandard gesichert wird, mussten sich die Deutschen schon vor Jahren verabschieden. Dieses Prinzip behält seine Gültigkeit nur, wenn die gesetzliche Rente mit Bemühungen um eine private und nach Möglichkeit auch um eine betriebliche Altersvorsorge ergänzt wird. Sonst wird es eng, zumal das Nettorentenniveau vor Steuern bis zum Jahr 2030 von jetzt 52 auf nur noch 43 Prozent sinken wird.

Reichte es früher 27 Jahre in die Rentenkasse einzuzahlen, um als Durchschnittsverdiener einen Rentenanspruch in Höhe der Grundsicherung zu erwerben, sind es demnächst schon 30 Jahre. Diese Hochrechnungen gelten allerdings nur, wenn durchgängig Beiträge gezahlt wurden und der Lohn entsprechend hoch war. Wer sein Leben lang immer nur ein vergleichsweise geringes Einkommen erzielt hat, kommt in Zukunft selbst mit 45 Jahren Arbeit nicht auf eine Rente auf Grundsicherungsniveau. Rein theoretisch hätte man dann nicht einmal arbeiten müssen, um den gleichen Anspruch zu haben.

Genau darin sehen viele Experten ein gravierendes Problem. Adolf Bauer vom Sozialverband Deutschland bringt es auf den Punkt: „Das erhöhte Risiko von Niedriglohnbeschäftigten und Langzeitarbeitslosen, trotz Beitragsleistung nicht ausreichend vor Altersarmut geschützt zu sein, gefährdet die verfassungsrechtliche Legitimation der gesetzlichen Rentenversicherung.“ Im schlimmsten Fall werde die Rente zur „verfassungswidrigen Abgabe ohne Gegenleistung“.

Studie zur Rente mit 67

März 31st, 2011 by Andre | No Comments | Filed in Rente, Statistik

„Gegenwärtig geht rund die Hälfte der Altersrentnerinnen und -rentner vorzeitig und mit Abschlägen in den Ruhestand“, lautet eines der Ergebnisse des vom Hans-Böckler-Institut geförderten „Altersübergangsreports”. Mit Blick auf die Rente mit 67, die vom kommenden Jahr an schrittweise eingeleitet und 2031 dann Realität sein wird, sehen die Autoren der Studie die gleichen Effekte wie bei bisherigen Reformen: Die Erwerbsbeteiligung Älterer werde zwar steigen. Letztlich müssten aber mehr Über-60-Jährige die Zeit bis zum Renteneintritt „mit prekären Jobs oder in Arbeitslosigkeit überbrücken“.

Die Experten, Professor Dr. Matthias Knuth und Dr. Martin Brussig vom Institut Arbeit und Qualifikation (IAQ) an der Universität Duisburg-Essen. sehen die Rente mit 67 weniger als Neuerung, sondern vielmehr als Fortsetzung der bisherigen Bemühungen. Erst wurde das Zugangsalter für eine abschlagsfreie Rente von 60 auf 65 erhöht, dann das Eintrittsalter zur Altersrente aufgrund von Arbeitslosigkeit von 60 auf 63 verschoben und künftig läuft die Altersrente nach Altersteilzeit aus.

Schon heute würden sich die meisten Erwerbstätigen auf ein längeres Arbeitsleben einstellen. Belegt werde dieser Trend durch die Zahlen der Bundesregierung: 2000 lag das durchschnittliche Alter bei Rentenbeginn bei 60 Jahren. 2008 waren es 65 Jahre. Diese Zahlen dürften allerdings nicht überbewertet werden. Denn, so die beiden Forscher: Viele gingen nicht direkt aus dem Erwerbsleben, sondern aus der Altersteilzeit heraus in Rente. Erst wenn die staatlich geförderte Altersteilzeit auslaufe, seien Rückschlüsse zum tatsächlichen Erwerbsaustritt möglich.

Unberücksichtigt bliebe bei den Berichten der Bundesregierung auch, wie es um die Qualität der Arbeit im Alter bestellt sei. Die körperliche und seelische Belastung, die über das gesamte Arbeitsleben hinweg deutlich reduziert werden müsse, um weitere Nachteile bei der Rente mit 67 zu vermeiden, sorge für gesundheitliche Probleme und bedinge eine fehlende Leistungsfähigkeit im Alter. Dadurch müssten viele ihren Beruf vorzeitig aufgeben und würden in „randständige Jobs“ oder in die Arbeitslosigkeit abgedrängt.

Diese Tatsache sei vielen Arbeitnehmern durchaus bewusst. 54 Prozent, die in einem körperlich anstrengenden Beruf tätig sind, fürchten um ihre Beschäftigungsfähigkeit und bezweifeln, bis zum Rentenalter durchzuhalten. Einen solch „problematischen Ausstieg aus dem Arbeitsleben“ vollzog 2007 jeder dritte Neurentner – entweder nach Langzeitarbeitslosigkeit oder einem Minijob.