Kritik an der Riester-Rente klingt nicht ab
Juni 2nd, 2011 by Andre | No Comments | Filed in Altersvorsorge14,6 Millionen Riester-Verträge wurden seit Einführung der staatlich geförderten Altersvorsorge abgeschlossen. Ob wirklich jeder versteht, was er da unterschrieben hat, ist allerdings eher zweifelhaft. Denn viele Riester-Renten sind schlichtweg zu teuer und kosten teilweise sogar mehr als der Staat an Zulagen zahlt – sagt das Magazin Ökotest nach einem großen Riester-Renten-Vergleich. Unter die Lupe genommen wurden dazu rund 150 Angebote für klassischen Rentenversicherungen und fondsgebundene Produkte.
Unter dem Strich steht kein besonders erfreuliches Fazit. Die meisten Policen fielen bei der Untersuchung von Ökotest durch. „Nur eine Handvoll davon kann man Verbrauchern überhaupt empfehlen“, so Jürgen Stellpflug von Ökotest. Dabei handele es sich um die „besseren unter den schlechten“ Verträgen. Grund für das vernichtende Urteil sind die für Sparer kaum nachvollziehbaren Kostenstrukturen. Undurchsichtig und horrend hoch, sagen die Tester. Als Beispiel führen sie einen 35-jährigen Familienvater mit zwei Kindern an. Bis zur Rente mit 67 spendiert der Staat rund 10.000 Euro an Zulagen. Bei der klassischen Riester-Rente eines großen Konzerns stehen den Zuschüssen 8.900 Euro Gebühren gegenüber. Hätte der Kunde eine fondsgebundene Riester-Rente abgeschlossen, müsste er im ungünstigsten Fall sogar mit Kosten in Höhe von 18.600 Euro rechnen.
Wie hoch die Gebühren bei den einzelnen Verträgen sind, ist für Verbraucher bei Abschluss der Police kaum zu erkennen. Erst mit der ersten Jahresabrechnung folgt das böse Erwachen. Die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg moniert daher: „Die Versicherer verschleiern die wahren Kosten – auch um Vergleiche mit der Konkurrenz zu vermeiden.“ Versicherungsmathematiker haben inzwischen 40 bis 50 Kostenarten ermittelt. Damit muss jetzt Schluss sein, fordern die Verbraucherschützer. Sie plädieren dafür, die Kosten zu deckeln, und bauen darauf, dass der Staat kostengünstige Produkte realisiert.
Das wird vorerst aber Wunschdenken bleiben. Vonseiten des Bundesfinanzministeriums hält man ein Produktinformationsblatt zur Riester-Rente für völlig ausreichend. Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV), der die Ökotest-Kritik für überzogen hält, spricht sich darüber hinaus für eine Gesamtkostenquote aus, um die Verträge vergleichbar zu machen. Bliebe nach wie vor das Problem, das kaum jemand weiß, wie hoch die private Rente aus einem Riester-Vertrag später sein wird.
