Ausbildungsplatzsuche wird auf die gesetzliche Rente angerechnet

Juni 17th, 2010 by Andre | No Comments | Filed in Altersvorsorge, Rente

Wer direkt von der Schule kommt, macht sich in der Regel noch keine Gedanken um die Rente. Sollte man aber, insbesondere, wenn man nach dem Schulabschluss noch keinen Ausbildungsplatz hat. Die Zeit, die in die Lehrstellensuche investiert wird, kann auf die spätere Rente angerechnet werden. Darauf weist aktuell die Deutsche Rentenversicherung hin.

Dazu müssen sich Schulabgänger im Alter von 17 bis 25 Jahren bei der Agentur für Arbeit als ausbildungssuchend melden. Selbst wenn sie keinen Anspruch auf Leistungen von der Arge haben, „kann die Zeit der Ausbildungsplatzsuche als sogenannte Anrechnungszeit in der Rentenversicherung berücksichtigt werden und spätere Rentenansprüche mit begründen“, heißt es in der Pressemitteilung. Statt den Kopf in den Sand zu stecken, gilt es also, aktiv zu werden und zumindest die Agentur für Arbeit zu informieren. Nähere Informationen dazu bietet die Deutsche Rentenversicherung auf ihrer Internetseite (www.deutsche-rentenversicherung.de) und telefonisch unter 0800-10004800.

Ist die Suche nach einem Arbeitsplatz oder einer Lehrstelle von Erfolg gekrönt, sollte man sich auch Gedanken um die private Altersvorsorge machen. Experten, ob nun vonseiten der Versicherungen oder der Verbraucherzentralen, empfehlen schon seit Jahren, so früh wie möglich ein paar Euro für das Rentenalter zu sparen. Als ideal gilt die Riester-Rente. Berufseinsteiger erhalten nicht nur jährlich 154 Euro als Zulage vom Staat, sondern zusätzlich einen einmaligen Bonus in Höhe von 200 Euro. Für die Riester-Rente spricht zudem, dass sie sich selbst mit einem vergleichsweise geringen Einkommen realisieren lässt. Später kann man sich dann um weitere Optionen für die private Altersvorsorge kümmern.

Die Rentenlücke wird immer größer

Juni 10th, 2010 by Andre | No Comments | Filed in Altersvorsorge, Rente, Statistik

Wer im Alter über die Runden kommen möchte, muss schon früh damit anfangen, ein paar Euro in die private Altersvorsorge zu investieren. Wie viel, darüber gibt es völlig unterschiedliche Ansichten. Das von der Deutschen Bank getragene „Deutsche Institut für Altersvorsorge“ (DIA) hat jetzt einen neuen Wert in die Diskussion eingebracht: 8,4 Prozent des Bruttoeinkommens sollen die Bundesbürger Monat für Monat in die Riester-Rente und andere Vorsorge-Optionen investieren.

Die Deutsche Rentenversicherung Bund hält die düstere Prognose des DIA für übertrieben und wundert sich eher über die Empfehlung. Als die Riester-Rente eingeführt wurde, sei noch von rund vier Prozent die Rede gewesen, inzwischen sollen es acht Prozent für Hauseigentümer und neun Prozent für Mieter sein. Die Rentenversicherung vermutet dahinter Zweifel an der eigenen Leistungsfähigkeit der privaten Versicherer.

Ein solcher Disput bringt herzlich wenig. Dass privat vorgesorgt werden muss, weil der Lebensstandard mit der gesetzlichen Rente auf Dauer nicht gehalten werden kann, wird schon seit Jahren propagiert. Sich jetzt gegenseitig die Zahlen um die Ohren zu hauen, sorgt höchstens für Verunsicherung – und die ist in diesen Zeiten wahrlich fehl am Platz.

Völlig von der Hand zu weisen, sind die Hinweise des DIA nicht. Die Studie besagt: „Ein 60- bis 64-jähriges Rentnerpaar verfügt heute im Schnitt über 1.700 Euro netto. 2030 werden es nur noch 1.400 Euro sein.“ Dabei sei die Inflation nicht mit eingerechnet. Die Ursachen, weshalb Rentnern auf Dauer weniger Geld zur Verfügung steht bzw. ihre Rente immer weniger wert ist, hat die Berliner Zeitung aufgelistet.

Einer der wichtigsten Faktoren ist der demographische Wandel, durch den die Zahl der Beitragszahler abnimmt. Dadurch sinkt auch das Rentenniveau von 45 auf unter 40 Prozent. Hinzu kommen Steuern und Abgaben, das höhere Renteneintrittsalter samt Abschlägen bei einem früheren Austritt, die Teuerung bei Waren und Dienstleistungen für Rentner und letztlich die Inflation.

Summa summarum führen diese Aspekte im schlimmsten Fall dazu, dass Rentner im Jahr 2030 knapp 500 Euro weniger im Geldbeutel haben. Um diese Lücke zu schließen, müssten aus Sicht der beiden Autoren der Studie, Reiner Braun und Ulrich Pfeiffer, zwischen fünf und acht Prozent des Bruttoeinkommens gespart werden. Selbst diese Zahlen schweben ein wenig im Raum. Denn sie setzen voraus, dass sowohl bei den Renten- als auch den Lebensversicherungen die Renditen auf dem heute üblichen Niveau verharren. Sicher ist daher nur eins: Ohne private Altersvorsorge geht es nicht mehr.

EU empfiehlt Rente mit 70

Juni 2nd, 2010 by Andre | No Comments | Filed in Politik, Rente

In einem Grünbuch – einer Vorlage für Richtlinien und Gesetze – empfiehlt die EU-Kommission, das Renteneintrittsalter regelmäßig anzuheben. Konkret lautet der Vorschlag, dass der Ruhestand nicht mehr als ein Drittel des Erwachsenenlebens ausmachen soll. Die Konsequenz daraus wäre die Rente mit 70 im Jahr 2060.

Bundesarbeitsminister Rainer Brüderle (FDP) lehnt diese Forderung nach einer Verlängerung der Lebensarbeitszeit ab und verweist auf die Pläne, in der Bundesrepublik die Rente mit 67 einzuführen. Er wertet die Empfehlung der EU-Kommission laut „Hamburger Abendblatt“ als „Aufforderung an die Länder, die diese Maßnahme noch nicht ergriffen haben“. Für den Sozialverband Deutschland ist der Vorstoß der EU ebenso wie die Rente mit 67 lediglich der Versuch, „die Altersbezüge durch die Hintertür zu kürzen“, sagt Verbandspräsident Adolf Bauer.

Zu den Befürwortern gehört Klaus Zimmermann. Der Präsident des Deutschen Institutes für Wirtschaftsforschung erachtet die von der EU empfohlene Rente mit 70 schon deshalb für gerechtfertigt, weil die Lebenszeit sich ständig erhöht. Hinzu komme, dass die Kosten auf Dauer so stark steigen würden, dass die sozialen Sicherungssysteme sie nicht mehr tragen könnten. Seiner Ansicht nach ist eine längere Lebensarbeitszeit „schlicht die bittere Wahrheit“ und betont: „Das wird viel früher kommen.“

Die Rente im großen Streichkonzert

Mai 27th, 2010 by Andre | No Comments | Filed in Politik

Der Rotstift kreist momentan wie das berühmte Damoklesschwert über sämtlichen politischen Ressorts. Erfreut darüber ist niemand. Doch angesichts von 60 Milliarden Euro, die in kommenden sechs Jahren eingespart werden sollen, dürften wohl einige Tabus gebrochen und tiefe Einschnitte vorgenommen werden. Im Vorfeld der Klausurtagung der Koalition im Schloss Meseberg werden bereits mehrere Vorschläge diskutiert, wo und wie jährlich mit zehn Milliarden Euro auf die Schuldenbremse getreten werden kann. Rentnerinnen und Rentner stehen dabei mal wieder an vorderster Front derer, bei denen gekürzt werden soll.

Dafür gibt es aus Sicht von Ökonomen, Politkern und Experten genau 80,8 Milliarden Gründe – denn so viel Geld investiert der Staat alleine in diesem Jahr in die Rentenkasse. Die Summe verspricht ein hohes Sparpotenzial. Dazu soll die Rentengarantie, die 2009 beschlossen wurde, wieder rückgängig gemacht werden. Sie sorgt dafür, dass die Rente nicht länger an die Lohnentwicklung gekoppelt ist. Aktuell hat die Garantie den deutschen Rentnern eine Kürzung ihrer Bezüge um rund 3,5 Prozent erspart, wie Jochen Pimperts vom Institut der Deutschen Wirtschaft in Köln betont.

Für Clemens Fuest, Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats im Finanzministerium steht daher fest: „Es ist unvermeidlich, die Rentner an den Kosten der Kreis zu beteiligen, indem Rentenerhöhungen in den nächsten Jahren ausfallen.“ Da die Kürzungen nachgeholt werden sollen und Rentner ein viel zu wichtiges Wählerpotenzial darstellen, ist es aus Sicht von Spiegel Online aber eher unwahrscheinlich, dass die Rentengarantie tatsächlich fällt und bei den Renten gespart wird.

Denn an Kritik an den bisherigen Sparplänen mangelt es nicht. Ulrike Mascher, Präsidentin des Sozialverbandes VdK, sagt zum Beispiel: „Es gibt keine Bevölkerungsgruppen, die bereits vor der Finanzkrise größere Einkommenseinbußen zu verkraften hatten als die Rentner und die Arbeitslosen.“ Sie bezieht sich dabei auf die Vorschläge von Industrie-Präsident Hans-Peter Keitel. Er plädiert dafür, den Rentenzuschuss zu kürzen, damit alle solidarisch zur Sanierung der Staatsfinanzen beitragen.

1,6 Millionen Renten gehen ins Ausland

Mai 20th, 2010 by Andre | No Comments | Filed in Rente, Statistik

Die Zahl der Renten, die ins Ausland überwiesen werden, hat sich laut Statistik der Deutschen Rentenversicherung Bund seit 1992 fast verdoppelt. Insgesamt 1,6 Millionen Rentnerinnen und Rentner, die in der Bundesrepublik Rentenansprüche erworben haben, erhalten ihr Geld auf ein ausländisches Konto. 60 Prozent leben in der EU, 300.000 in anderen europäischen Ländern und 300.000 außerhalb Europas. Für die Vereinigten Staaten von Amerika (USA) als Altersruhesitz haben sich mehr als 110.000 Personen entschieden.

Deutsche, die ihren Wohnsitz oder den gewöhnlichen Aufenthalt ins Ausland verlegt haben, machen nur rund 200.000 der 1,6 Millionen Rentnerinnen und Rentner aus. Ihre Zahl hat sich innerhalb der vergangenen 18 Jahre ebenfalls verdoppelt, berichtet die Augsburger Allgemeine unter Berufung auf die Deutsche Rentenversicherung Bund. In der Mehrheit sind nach wie vor ausländische Staatsangehörige, die in Deutschland Beiträge in die gesetzliche Rentenversicherung eingezahlt haben. Da sie in der Regel nicht lange in der Bundesrepublik beschäftigt waren, handelt es sich nur selten um hohe Rentenansprüche. Die genaue Summe, die an Renten ins Ausland gezahlt wird, kann die Rentenversicherung nicht beziffern.

Rendite versus Rentenpflicht

Mai 12th, 2010 by Andre | No Comments | Filed in Gesetz, Rente

Bei der Geldanlage kommt es vornehmlich auf die Rendite an. Deshalb gleich auf die Idee zu kommen, die gesetzliche Rente mit anderen, möglicherweise renditestärkeren Anlageprodukten für die private Altersvorsorge in Relation zu setzen, ist vielleicht nicht abwegig, aber gewagt. Noch einen Schritt weiter gegangen ist ein Bankangestellter. Weil ihm der Gewinn aus den Rentenbeiträgen zu niedrig schien, klagte er auf Befreiung von der Versicherungspflicht in der Sozialversicherung.

Seine Idee: Da er sich aufgrund eines Gehalts oberhalb der Jahresarbeitsentgeltsgrenze bereits privat kranken- und pflegeversichert, müsse dies eigentlich auch für die Renten- und Arbeitslosenversicherung möglich sein. Schließlich erhalte er für die Beiträge, die er zahle, keine entsprechende Gegenleistung aus der gesetzlichen Rentenversicherung. Dafür sorge insbesondere die demographische Entwicklung. Würde darüber hinaus noch das Renteneintrittsalter auf 67 Jahre angehoben, müsse er sogar mit einer Negativrendite rechnen.

Dabei übersah der Bankangestellte allerdings, dass die Versicherungsfreiheit, die bei einem entsprechenden Lohn für die Kranken- und Pflegeversicherung gilt, die Versicherungspflicht in der Renten- und Arbeitslosenversicherung in keinster Weise tangiert. Daran können auch Renditeerwägungen nichts ändern. Das bescheinigten ihm sowohl das Sozial- als auch das Landessozialgericht. Die Vorgaben verstießen weder gegen das Grundgesetz noch liefen sie der aktuellen Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts zuwider. Schließlich diene die Versicherungspflicht nicht nur dem Schutz der Betroffenen, sondern auch dem der Allgemeinheit (Landessozialgericht Hessen, Aktenzeichen: L 8 KR 304/07).

Lücken im Erwerbsleben lassen die Gefahr von Altersarmut steigen

Mai 6th, 2010 by Andre | No Comments | Filed in Rente, Statistik

Lückenlose Erwerbsbiografien haben Seltenheitswert. In den meisten Lebensläufen finden sich inzwischen mehr oder weniger lange Phasen der Arbeitslosigkeit. Diese eher „brüchigen“ Erwerbsverläufe sorgen zusammen mit den sinkenden Rentenansprüchen dafür, dass das Risiko von Altersarmut steigt. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Internationalen Instituts für Empirische Sozialökonomie (INIFES). Die Autoren resümieren: „Arbeitslosigkeit wird zur allgemeinen Erfahrung.“

Sie haben die Entwicklung in den Jahren von 1984 bis 2007 untersucht. Als besonders dramatisch umschreiben sie die Situation der Berufseinsteiger im Alter von 20 bis 30 Jahren. War zwischen 1985 und 1989 nur ein Prozent zweieinhalb Jahre oder länger ohne Job, stieg die Quote von 2003 bis 2007 auf fünf Prozent. Dauerarbeitslosigkeit ist also auch in jungen Jahren keine Seltenheit mehr. Die Auswirkungen sind fatal. Zum einen mangelt es später an Berufserfahrung. Zum anderen werden keine Rentenansprüche gesammelt. Hinzu kommt, dass gerade bei den unter 30-Jährigen die Zahl der Vollzeitbeschäftigten sinkt.

In der Kernerwerbsphase von 30 bis 50 Jahren hat sich dagegen nur wenig verändert. Neu ist, dass immer mehr Frauen arbeiten, wenngleich häufig in geringfügiger oder Teilzeit-Beschäftigung. Jede sechste Frau in Westdeutschland geht keiner bezahlten Arbeit nach. Zugenommen haben auch die sogenannten atypischen Beschäftigungsverhältnisse, in denen von 2003 bis 2007 rund 20 Prozent aller Arbeitnehmer tätig waren. Sieben Prozent hatten während dieses Zeitfensters mehr als zweieinhalb Jahre keinen Job. Im Vergleichszeitraum 1985-1989 waren es nur zwei Prozent. Von Arbeitslosigkeit betroffen sind seither zunehmend auch Akademiker.

Die dritte Phase des Erwerbslebens, vom 51. bis zum 65. Lebensjahr, ist von deutlich mehr Veränderungen geprägt. Der Keil zwischen Arbeitsende und Rentenbeginn wird immer größer, wenn man die 1980er und die 2000er Jahre miteinander vergleicht. Statt direkt vom Beruf in die Rente zu wechseln, mehren sich „schwierige Überbrückungsphasen. Zudem drohe gerade Älteren immer öfter Arbeitslosigkeit. 1985-1989 waren vier Prozent längere Zeit auf staatliche Unterstützung angewiesen, 2003-2007 schon acht Prozent. Vor allem im Osten nahm die Arbeitslosigkeit während dieser Phase deutlich zu. Für künftige Rentner heißt das, so die Autoren der Studie: „Die Gefahr der Altersarmut steigt.“

Hohe Kosten bei der privaten Altersvorsorge

April 29th, 2010 by Andre | No Comments | Filed in Altersvorsorge, Gesetz

Über den Sinn der privaten Altersvorsorge muss nicht lange lamentiert werden. Sie ist zwingend nötig, um auch im Rentenalter einigermaßen über die Runden zu kommen. Dass es vielen Haushalten relativ schwer fällt, Monat für Monat ein paar Euro beiseite zu legen, ist der Politik durchaus bewusst. Sie hat diesen Umstand bei der Riester-Rente berücksichtigt. Schon eine vergleichsweise geringe Eigenleistung reicht, um in den Genuss der Zulagen zu kommen. Umso ärgerlicher, wenn das Ersparte durch Gebühren und Abschlusskosten geschmälert wird. Dass der Verbraucherschutz gerade in diesem Punkt eher mangelhaft ist, belegen Berechnungen der Stiftung Warentest und des Verbraucherzentrale Bundesverbandes.

„Viele Riester-Produkte sind zu teuer“, heißt es auf der Seite der Stiftung Warentest. Eine Erkenntnis, die immer wieder mal aufkochte, bislang aber nie zu einer Reaktion seitens der Regierung geführt hat. Eigentlich müsste auch sie daran interessiert sein, dass Rentnerinnen und Rentner aus eigener Kraft ein auskömmliches Leben führen können, ohne auf staatliche Hilfen angewiesen zu sein. Denn genau dieses Szenario wurde schon vor längerer Zeit gemalt und jetzt wieder aufgefrischt: Altersarmut auf breiter Front. Wenn vor diesem Hintergrund private Altersvorsorge betrieben wird, sollte später auch möglichst viel von jedem Euro wieder auf dem Konto des Kunden landen.

Wie sich die Kosten und Gebühren auf einzelne Verträge und damit die Leistung auswirken, lässt sich nur schwer kalkulieren. Die Verbraucherzentralen und die Stiftung Warentest sind daher einen anderen Weg gegangen. Ausgehend von den Zulagen in Höhe von sechs Milliarden Euro, die bis einschließlich 2009 gezahlt wurden, und einer gebührenbedingten Renditeeinbuße von einem Prozent, stände schon jetzt ein Minus von 115 Millionen Euro zu Buche. Bei 2,5 Milliarden Euro Zulagen pro Jahr, wären es bis 2020 über drei Milliarden Euro und 2030 sogar elf Milliarden Euro, die nicht an die Verbraucher ausgezahlt werden.

Angesichts dieser Verluste, zu denen noch Gebühren für die Nutzung fremder Geldautomaten und zu hohe Dispositionszinsen kommen, stellt der Chefredakteur von Finanztest, Hermann-Josef Tenhagen eine klar Forderung: „Es reicht nicht allein, vernünftige Gesetze zu machen. Die Einhaltung der Gesetze muss gerade bei Finanzprodukten kontrolliert werden. Schließlich hat der Kunde kaum eine Chance, die Versprechungen der Anbieter selbst auf ihren Wahrheitsgehalt zu überprüfen.“ Auch der Vorstand der Verbraucherzentrale Bundesverbandes, Gerd Billen, sieht die Notwendigkeit, den Verbraucherschutz in der Finanzaufsicht zu verankern.

Bundeskabinett beschließt Nullrunde

April 22nd, 2010 by Andre | No Comments | Filed in News, Politik, Rente

Dass es in diesem Jahr eine Nullrunde für die 20 Millionen Rentnerinnen und Rentner geben würde, hatte sich schon lange abgezeichnet. Jetzt ist es offiziell: Das Bundeskabinett beschloss gestern, den Rentenwert auch nach dem 1. Juli auf dem bisherigen Niveau zu belassen. Dass es angesichts der Bruttolohnentwicklung um minus 0,96 Prozent in West- und plus 0,61 Prozent in Ostdeutschland sowie des Nachhaltigkeits- und Riester-Faktors nicht zu einer Kürzung kam, ist der Rentengarantie zu verdanken. Ohne diese Garantie stände im Westen ein Minus von 2,1 und im Osten von 0,54 Prozent zu Buche.

Für die zukünftige Entwicklung der Rente heißt das: Mögliche Rentenerhöhungen werden ab 2011 halbiert. Dafür sorgt der sogenannte Nachholfaktor. Genau daran scheiden sich die Geister. Der Präsident des Sozialverbandes Deutschland (SoVD), Adolf Bauer, spricht mit Blick auf die Nullrunde von einem „Alarmzeichen für die Zukunft der Rentnerinnen und Rentner“. Dieses Jahr verhindere die Rentengarantie zwar eine Minusrunde, sorge auf der anderen Seite aber dafür, dass in den kommenden Jahren die eigentlich vorgesehenen Kürzungen von den Rentenerhöhungen abgezogen werden.

Für Gunnar Winkler, Präsident des Sozialverbandes Volkssolidarität, steht daher fest: „Die Nullrunde bei der Rente in diesem Jahr bedeutet eine reale Rentenkürzung.“ Er begründet das mit den für viele Rentnerhaushalte gestiegenen Belastungen insbesondere in den Bereichen Gesundheit, Energie und Wohnkosten. Hinzu käme, dass die steuerlichen Entlastungen bei vielen Rentnern gar nicht griffen, sondern hauptsächlich für Erwerbstätige wirksam würden. „Im Ergebnis ist von einem sinkenden Realwert der Renteneinkünfte auszugehen“, so Winkler.

Wie es um die Zukunft der Rente bestellt ist, hat die Bild das Freiburger Institut FZG berechnen lassen. Demnach stehen auch in den nächsten Jahren, wenn überhaupt, nur minimale Erhöhungen an. Bis zum Jahr 2014 geht das Institut von einem Plus von rund 2,0 Prozent aus. Wer bislang also 1.000 Euro Rente bezieht, erhielte 20 Euro mehr. Allerdings nur, wenn sich die Löhne entsprechend entwickeln. Adolf Bauer plädiert daher für die Abschaffung des Nachholfaktors: „Dann können die Renten stärker steigen.“

Der Eckrentner – eher Wunsch als Realität

April 14th, 2010 by Andre | No Comments | Filed in Statistik

Die Deutschen lieben Normen. In vielen Bereichen macht das durchaus Sinn. Zum Beispiel, dass ein Blatt Papier im Format DIN A4 immer 210 Millimeter breit und 297 Millimeter hoch ist. Wenn es aber um Menschen und ihre Lebensläufe geht, gibt es keine passgenauen Schubladen und scheitern Standards bereits an dem Tag, an dem sie eingeführt werden, weil die Aussagekraft gegen Null tendiert. Das beweist keiner besser als der sogenannte Eckrentner oder auch Standardrentner. Ihn gibt es auf dem Papier. Im wahren Leben dürfte er die berühmte Nadel im Heuhaufen sein.

Es ist der Max Mustermann unter den Rentnern. Die Statistiker der Deutschen Rentenversicherung haben ein recht klares Bild von ihm entworfen. Der Mann zählt 65 Lenze und hat seit seinem 20. Lebensjahr durchgehend gearbeitet. Auf seinem Rentenkonto wurden demnach 45 Beitragsjahre verbucht. Bis zu diesem Punkt sollte es mehrere Rentner geben, die den Vorgaben entsprechen. Das ändert sich ganz schnell, wenn es um das Einkommen geht. Der Eckrentner verdiente immer exakt das Durchschnittsgehalt aller deutschen Beitragszahler. Wie wahrscheinlich es ist, dass jemand 45 Jahre lang genau in der Schnittmenge liegt, kann sich jeder selbst ausrechnen.

Die Kritik am Standardrentner setzt an diesem Punkt an. Denn als Berufsanfänger bereits so viel zu verdienen, dass es dem durchschnittlichen Niveau aller Arbeiter und Angestellten entspricht, ist selbst in gut bezahlten Jobs eher Utopie. Während der Lehrjahre werden die Beiträge deutlich niedriger ausfallen als kurz vor der Rente. Ein weiterer Makel des Eckrentners ist sein Lebenslauf. Die wenigsten können heute noch 45 ununterbrochene Beitragsjahre nachweisen. Das (Berufs)Leben hat mehr Ecken und Kanten bekommen und ist in vielen Betrieben von Frühpensionierungen geprägt. Bei Frauen kommt hinzu, dass alleine schon die Babypausen einen Strich durch die Norm machen.

Was dabei herauskommt, den Rentner zu standardisieren, belegen die Zahlen. Würde man es tatsächlich schaffen, das Leben eines Eckrentners zu führen, käme man in den alten Bundesländern auf eine Rentenauszahlung von 1.224 Euro. In den neuen Bundesländern wären es 1.085,85 Euro. Das sind ganz passable Werte, haben aber rein gar nichts mit der Wirklichkeit zu tun. Der Durchschnittsrentner aus Fleisch und Blut bezieht im Westen 651 Euro und im Osten 742 Euro. Diese Daten sind pure Statistik, die für den Standardrentner schon seit Jahren überholt.