Jobbende Rentner
August 25th, 2011 by Andre | No Comments | Filed in Rente, StatistikStatt es sich gutgehen zu lassen und den Ruhestand zu genießen, arbeiten immer mehr Rentnerinnen und Rentner nebenbei. Laut Saarbrücker Zeitung, die sich auf Zahlen des Arbeitsministeriums beruft, gingen im vergangenen Jahr 660.000 Bundesbürger im Alter von 65 bis 74 Jahren einer geringfügigen Beschäftigung nach. Das sind im Vergleich zum Jahr 2000 (416.000) fast 60 Prozent mehr. Gleichzeitig stieg die Zahl der Ruheständler, die auf Grundsicherung angewiesen sind von 258.000 in 2003 auf 400.000 in 2009.
Die Zahlen lassen sich völlig unterschiedlich interpretieren. Sieht man sie „nackt“ vor sich, ohne jede weitere Hintergrundinformation, deuten sie durchaus auf drohende Altersarmut hin. In diese Richtung tendiert auch die Links-Partei. Deren Abgeordneter Matthias Birkwald hatte bereits eine kleine Anfrage zum Thema Armut im Alter an die Bundesregierung gestellt. Angesichts der Daten erklärte er jetzt: „Ruhestand war gestern, malochen bis zum Tode heißt heute das Schicksal von immer mehr Rentnerinnen und Rentnern.“ Seine Forderung: Die Pläne zur Rente mit 67 müssen zurückgenommen und die Rentenkürzungsfaktoren abgeschafft werden. Auf den Punkt bringt es der Chef der Linkspartei, Klaus Ernst. Er plädiert für eine Mindestrente. „Wer sein Leben in die Rente eingezahlt hat, darf im Alter nicht mit Sozialhilfe abgespeist werden“, betont er.
Davon auszugehen, dass jeder Rentner mit Nebenjob automatisch arm ist, sei falsch, sagt das Bundesarbeitsministerium. „Es ist einfach so, dass mehr Menschen über 65 noch arbeiten wollen“, erklärte eine Sprecherin. Hinzu kommt – der entscheidende Faktor –, dass die Zahl der über 65-Jährigen von 2000 bis 2010 um knapp drei Millionen angewachsen ist. Der Anteil der Minijobber in dieser Altersklasse sei dementsprechend nur von 3,0 auf 3,9 Prozent gestiegen. Auch bei der Grundsicherung gebe es keinen eklatanten Veränderungen. Seit 2007 seien es im Schnitt immer rund 400.000 Personen gewesen, die zusätzlich zur Rente Geld vom Staat benötigten. Ähnlich sehen es das Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) und das Institut der deutschen Wirtschaft (IW). Die Zahl der Minijobs sei kein Nachweis für soziale Not. Viele Senioren wollen ganz einfach aktiv bleiben, so das IW.
