Archive for Juli, 2010

Berufseinsteiger sollten die private Altersvorsorge nicht auf die lange Bank schieben

Juli 15th, 2010 by Andre | No Comments | Filed in Allgemein

Für viele Schulabgänger beginnt in Kürze der viel zitierte „Ernst des Lebens“. Sie beginnen eine Ausbildung, erhalten ihren ersten Lohn und sind damit auch gesetzlich rentenversichert. Das Thema Ruhestand scheint für Jugendliche zu diesem Zeitpunkt zwar noch in weiter Ferne, doch es gilt: „Heute schon an morgen denken.“ Das rät aktuell nicht nur die Bundesregierung, sondern ist beinahe schon das Credo der vergangenen Jahre. Je eher der Grundstein für die private Altersvorsorge gelegt wird, idealerweise direkt zum Berufsstart, desto besser. Empfohlen wird dazu die staatlich geförderte Riester-Rente.

Um in den Genuss der Zulage in Höhe von 154 Euro im zu kommen, müssen insgesamt vier Prozent des rentenversicherungspflichtigen Einkommens in den Vertrag eingezahlt werden – inklusive der Zulage. Bereits ab fünf Euro im Monat, also einer jährlicher Sparleistung von 60 Euro, ist man dabei. Das macht die Riester-Rente gerade für Berufseinsteiger, die noch nicht so viel verdienen, zu einem interessanten Vorsorgemodell. Zum einen buttert der Staat Jahr für Jahr eine nicht unerhebliche Summe zur privaten Altersvorsorge bei. Zum anderen orientieren sich die eigenen Sparbeiträge am Einkommen und sorgen für Flexibilität – immer vorausgesetzt, die Vier-Prozent-Marke wird eingehalten. Dafür sollte man den Vertrag Jahr für Jahr anpassen und sich bei der Versicherung oder Bank melden.

Diese Vorteile werden bei jungen Riester-Sparern um einen weiteren Bonus aufgestockt: Wer sich bis zum 25. Lebensjahr dazu entschließt, mit einem Riester geförderten Vertrag für das Alter vorzusorgen, erhält einen einmaligen Bonus von 200 Euro. „Wer früh mit dem Vorsorge-Sparen anfängt, kommt mit weniger Einsatz zu einer lukrativen Zusatzrente“, verspricht die Bundesregierung und präsentiert dazu eine Rechnung. Bei einer Vergütung von 7.200 Euro im Jahr müssen 288 Euro in den Riester-Vertrag eingezahlt werden. Abzüglich der Zulage von 154 Euro bleibt ein Eigenanteil von 134 Euro. Wer am Ball bleibt, heiratet und später auch Kinder hat, erhält für den Nachwuchs ebenfalls einen Zuschuss: 300 Euro für jedes ab 2008 geborene Kind. Jugendlichen, die sich näher mit dem Thema befassen wollen, werden die kostenlose Kurse „Altersvorsorge macht Schule“ ans Herz gelegt, die von den örtlichen Volkshochschulen angeboten werden.

EU-Grünbuch zur Sicherung der Rente

Juli 8th, 2010 by Andre | No Comments | Filed in Politik, Rente, Statistik

Dass die Menschen in Europa immer älter werden, ist kein Geheimnis. Auch die Tatsache, dass die demografische Entwicklung maßgeblich Einfluss auf die Altersvorsorge hat, ist hinlänglich bekannt. Wie darauf reagiert werden kann und welche Lösungen die EU für sinnvoll hält, zeigt das Diskussionspapier zur Sicherung der Renten- und Pensionssysteme, das am Mittwoch vorgestellt wurde. Erste Anregungen aus dem sogenannten Grünbuch waren schon vor über einem Monat bekannt worden, zum Beispiel das Rentenalter schrittweise auf 70 Jahre anzuheben.

Der Sozialkommissar der EU, Lásló Andor, nahm der Diskussion um die Rente mit 70 bei der Präsentation des Grünbuchs ein wenig die Luft aus den Segeln und erklärte, es handle sich um Gerüchte, „die jeglicher Grundlage entbehren“. Die Kommission könne und wolle den einzelnen Ländern weder das Rentenalter noch den Zuschnitt der Rentensysteme vorschreiben. Vielmehr gehe es darum, eine Debatte über die Rentensysteme anzuregen und sich darüber zu informieren, inwieweit auch die EU einen Beitrag leisten könne. Grundsätzlich gibt es aus Sicht von Andor derzeit nur drei Alternativen: Ein geringeres Einkommen im Ruhestand, höhere Beiträge zur Altersvorsorge oder länger und mehr zu arbeiten, was von ihm befürwortet werde.

Wie es um das aktuelle Durchschnittsrentenalter bestellt ist, lässt sich dem Diskussionspapier der EU entnehmen. In der Zeit von 2001 bis 2008 stieg das Renteneintrittsalter in den 27 EU-Staaten von 59,9 auf 61,4 Jahre. Rumänien liegt mit 55,5 Jahren am Ende der Skala. Am längsten müssen derzeit die Iren arbeiten. Sie kommen auf einen Schnitt von 64,1 Jahren. Einige Nationen haben bereits reagiert. So beschloss Großbritannien, das gesetzliche Rentenalter auf 68 Jahren anzuheben. In Dänemark und Deutschland geht es in den kommenden Jahren schrittweise Richtung 67. Blickt man auf die Prognosen für das Jahr 2060, sieht es alles andere als rosig aus. Derzeit kommen auf einen Bürger über 65 noch vier Personen im erwerbstätigen Alter. In 50 Jahren liegt die Quote bei 1:2.

Die Vorschläge der EU, wie sie auf die künftige Altersvorsorge Einfluss nehmen kann, betreffen unter anderem die betriebliche Vorsorge. Der Kommission spricht in diesem Zusammenhang von Rechtslücken bei Pensionsfonds, wünscht sich mehr Schutz vor einer Insolvenz der Arbeitgeber und möchte eine grenzüberschreitende Übertragbarkeit der Rentenansprüche. Damit stößt die Europäische Union in der Bundesrepublik auf wenig Gegenliebe. Bürokratische Portabilitätsrichtlinien seien zu aufwendig, so Peter Weis, rentenpolitischer Sprecher von CDU/CSU. Damit bestehe die Gefahr, dass die Unternehmen die freiwillige Leistung einstellen. Das befürchtet auch Christine Haderthauer. Die bayerische Sozialministerin sieht in dem Vorstoß eine „unzumutbare Belastung für deutsche Arbeitgeber“.

Das durchschnittliche Rentenalter liegt bei 63,2 Jahren

Juli 1st, 2010 by Andre | No Comments | Filed in Rente, Statistik

Die Bundesregierung möchte die Rente mit 67, während die EU langfristig von einem Renteneintrittsalter von 70 Jahren ausgeht. Wie weit diese Zahlen von der Realität entfernt sind, beweist ausgerechnet eine Statistik der Regierung, die jüngst von der Bild-Zeitung veröffentlicht wurde. Demnach arbeiten die meisten Bürger schon heute nicht mehr bis zum gesetzlichen Rentenalter, sondern hören wesentlich eher auf. Im Schnitt haben im Jahr 2008 nur 35,6 Prozent der Angestellten und Arbeiter den Hammer tatsächlich erst mit Beginn des 65. Lebensjahres fallen lassen.

Dass es sich bei diesem Wert lediglich um den Durchschnitt handelt, beweist ein Blick auf die einzelnen Branchen. Denn gerade in körperlich anstrengenden Berufen ist die Quote derer, die vorzeitig in Rente gehen deutlich höher. Bei den Bergleuten arbeiteten 2008 lediglich 10,5 Prozent bis 65. Die Mehrheit, 43,6 Prozent, entschied sich für die Frührente. Ähnliche Werte ergaben sich auch bei Keramikern, Hilfsarbeitern und Arbeitnehmern in Metallberufen. Erschreckend ist, dass 6,4 Prozent der Beitragszahler schon vor dem 40. Lebensjahr auf eine Erwerbsminderungsrente angewiesen sind.

Die Konsequenz: Viele müssen mit Rentenabschlägen rechnen, wenn sie vorzeitig in den Ruhestand wechseln. Von 2003 bis 2008 stieg die Zahl der Versicherten, denen die Rente entsprechend gekürzt wurde, von 33,9 auf 46,6 Prozent. Sie erhalten für jeden Monat, den sie vor dem 65. Geburtstag aufhören, 0,3 Prozent weniger Rente. Bei drei Jahren und zwei Monaten, die die Deutschen im Schnitt eher das Rentnerdasein genießen wollen, wären das rund 115 Euro, auf die man Monat für Monat verzichten muss. Steigt das gesetzliche Rentenalter auf 67, könnten die Einbußen deutlich höher ausfallen.

Zum Vergleich einige Berufe und die aktuellen Daten: Von den Ingenieuren, Chemikern, Physikern und Mathematikern gehen 6,6 Prozent in Frührente, beziehen 35,7 Prozent ihre Rente mit 65 Jahren und erhalten 55,1 Prozent eine Rente mit Abschlägen. Das durchschnittliche Rentenalter beträgt 63 Jahre. Bei den Bauberufen liegt die Quote der Frührentner bei 36,8 Prozent und gehen nur 18,3 Prozent mit 65 in Rente. Das Rentenalter liegt im Schnitt bei 62,7 Jahren, wobei 61,8 Prozent eine Rente mit Abschlägen ausgezahlt bekommen.