Archive for Juni, 2010

Rentengarantie: Nullrunde belastet Beitragszahler mit 5,1 Milliarden Euro

Juni 24th, 2010 by Andre | No Comments | Filed in News, Rente

„Der Rentenbetrag ändert sich daher nicht“, steht in 20 Millionen Rentenbriefen, die dieser Tage verschickt werden. Das ist allemal unerfreulich, aber schon seit Wochen und Monaten bekannt. Zumal: Es hätte viel schlimmer kommen können. Wäre die Rentengarantie voriges Jahr nicht beschlossen worden, hätten die deutschen Rentnerinnen und Rentner statt einer Null- eine Minusrunde hinnehmen müssen, weil die Löhne dank Wirtschaftskrise gesunken sind und die Rente nach wie vor an die Lohnentwicklung gekoppelt ist. Ganz ohne Folgen bleibt dieser Schritt allerdings nicht.

Rentenexperte Professor Bernd Raffelhüschen geht davon aus, dass die Rentengarantie die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer bis zum Jahr 2017 mit rund 5,1 Milliarden Euro belasten wird. Gegenüber der Bild-Zeitung erklärte er: „Der Spielraum für zeitweilige Beitragssenkungen ist weg.“ Der Experte moniert angesichts der Garantie eine „Verballhornung des Solidaritätsbegriffes“. Die Last werde ausschließlich von den Beschäftigten getragen. Das sehen die Sozialverbände anders. Ulrike Mascher, Chefin des VdK, spricht aufgrund der steigen Kosten und drohenden Zusatzbeiträge in der gesetzlichen Krankenversicherung schon jetzt von einer Minusrunde für Rentner. Würde an der Garantie gerüttelt, droht der VdK mit Protesten.

Die FDP möchte das Problem von einer ganz anderen Seite angehen. Sie nimmt die Nullrunde zum Anlass, die Hinzuverdienstgrenzen für Ruheständler einreißen und komplett abschaffen zu wollen. Ziel sei, das Thema noch in diesem Jahr in Angriff zu nehmen, so der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Heinrich Kolb. „Fast jeder zweite Arbeitnehmer geht vor 65 und mit Abschlägen in Rente. Oft müssen sie ihre Rente mit einem Job aufbessern. Die Ruheständler sollen dabei so viel verdienen können wie sie wollen“, betonte er. Die Hinzuverdienstgrenze für Frührentner liegt aktuell bei 400 Euro im Monat.

Ausbildungsplatzsuche wird auf die gesetzliche Rente angerechnet

Juni 17th, 2010 by Andre | No Comments | Filed in Altersvorsorge, Rente

Wer direkt von der Schule kommt, macht sich in der Regel noch keine Gedanken um die Rente. Sollte man aber, insbesondere, wenn man nach dem Schulabschluss noch keinen Ausbildungsplatz hat. Die Zeit, die in die Lehrstellensuche investiert wird, kann auf die spätere Rente angerechnet werden. Darauf weist aktuell die Deutsche Rentenversicherung hin.

Dazu müssen sich Schulabgänger im Alter von 17 bis 25 Jahren bei der Agentur für Arbeit als ausbildungssuchend melden. Selbst wenn sie keinen Anspruch auf Leistungen von der Arge haben, „kann die Zeit der Ausbildungsplatzsuche als sogenannte Anrechnungszeit in der Rentenversicherung berücksichtigt werden und spätere Rentenansprüche mit begründen“, heißt es in der Pressemitteilung. Statt den Kopf in den Sand zu stecken, gilt es also, aktiv zu werden und zumindest die Agentur für Arbeit zu informieren. Nähere Informationen dazu bietet die Deutsche Rentenversicherung auf ihrer Internetseite (www.deutsche-rentenversicherung.de) und telefonisch unter 0800-10004800.

Ist die Suche nach einem Arbeitsplatz oder einer Lehrstelle von Erfolg gekrönt, sollte man sich auch Gedanken um die private Altersvorsorge machen. Experten, ob nun vonseiten der Versicherungen oder der Verbraucherzentralen, empfehlen schon seit Jahren, so früh wie möglich ein paar Euro für das Rentenalter zu sparen. Als ideal gilt die Riester-Rente. Berufseinsteiger erhalten nicht nur jährlich 154 Euro als Zulage vom Staat, sondern zusätzlich einen einmaligen Bonus in Höhe von 200 Euro. Für die Riester-Rente spricht zudem, dass sie sich selbst mit einem vergleichsweise geringen Einkommen realisieren lässt. Später kann man sich dann um weitere Optionen für die private Altersvorsorge kümmern.

Die Rentenlücke wird immer größer

Juni 10th, 2010 by Andre | No Comments | Filed in Altersvorsorge, Rente, Statistik

Wer im Alter über die Runden kommen möchte, muss schon früh damit anfangen, ein paar Euro in die private Altersvorsorge zu investieren. Wie viel, darüber gibt es völlig unterschiedliche Ansichten. Das von der Deutschen Bank getragene „Deutsche Institut für Altersvorsorge“ (DIA) hat jetzt einen neuen Wert in die Diskussion eingebracht: 8,4 Prozent des Bruttoeinkommens sollen die Bundesbürger Monat für Monat in die Riester-Rente und andere Vorsorge-Optionen investieren.

Die Deutsche Rentenversicherung Bund hält die düstere Prognose des DIA für übertrieben und wundert sich eher über die Empfehlung. Als die Riester-Rente eingeführt wurde, sei noch von rund vier Prozent die Rede gewesen, inzwischen sollen es acht Prozent für Hauseigentümer und neun Prozent für Mieter sein. Die Rentenversicherung vermutet dahinter Zweifel an der eigenen Leistungsfähigkeit der privaten Versicherer.

Ein solcher Disput bringt herzlich wenig. Dass privat vorgesorgt werden muss, weil der Lebensstandard mit der gesetzlichen Rente auf Dauer nicht gehalten werden kann, wird schon seit Jahren propagiert. Sich jetzt gegenseitig die Zahlen um die Ohren zu hauen, sorgt höchstens für Verunsicherung – und die ist in diesen Zeiten wahrlich fehl am Platz.

Völlig von der Hand zu weisen, sind die Hinweise des DIA nicht. Die Studie besagt: „Ein 60- bis 64-jähriges Rentnerpaar verfügt heute im Schnitt über 1.700 Euro netto. 2030 werden es nur noch 1.400 Euro sein.“ Dabei sei die Inflation nicht mit eingerechnet. Die Ursachen, weshalb Rentnern auf Dauer weniger Geld zur Verfügung steht bzw. ihre Rente immer weniger wert ist, hat die Berliner Zeitung aufgelistet.

Einer der wichtigsten Faktoren ist der demographische Wandel, durch den die Zahl der Beitragszahler abnimmt. Dadurch sinkt auch das Rentenniveau von 45 auf unter 40 Prozent. Hinzu kommen Steuern und Abgaben, das höhere Renteneintrittsalter samt Abschlägen bei einem früheren Austritt, die Teuerung bei Waren und Dienstleistungen für Rentner und letztlich die Inflation.

Summa summarum führen diese Aspekte im schlimmsten Fall dazu, dass Rentner im Jahr 2030 knapp 500 Euro weniger im Geldbeutel haben. Um diese Lücke zu schließen, müssten aus Sicht der beiden Autoren der Studie, Reiner Braun und Ulrich Pfeiffer, zwischen fünf und acht Prozent des Bruttoeinkommens gespart werden. Selbst diese Zahlen schweben ein wenig im Raum. Denn sie setzen voraus, dass sowohl bei den Renten- als auch den Lebensversicherungen die Renditen auf dem heute üblichen Niveau verharren. Sicher ist daher nur eins: Ohne private Altersvorsorge geht es nicht mehr.

EU empfiehlt Rente mit 70

Juni 2nd, 2010 by Andre | No Comments | Filed in Politik, Rente

In einem Grünbuch – einer Vorlage für Richtlinien und Gesetze – empfiehlt die EU-Kommission, das Renteneintrittsalter regelmäßig anzuheben. Konkret lautet der Vorschlag, dass der Ruhestand nicht mehr als ein Drittel des Erwachsenenlebens ausmachen soll. Die Konsequenz daraus wäre die Rente mit 70 im Jahr 2060.

Bundesarbeitsminister Rainer Brüderle (FDP) lehnt diese Forderung nach einer Verlängerung der Lebensarbeitszeit ab und verweist auf die Pläne, in der Bundesrepublik die Rente mit 67 einzuführen. Er wertet die Empfehlung der EU-Kommission laut „Hamburger Abendblatt“ als „Aufforderung an die Länder, die diese Maßnahme noch nicht ergriffen haben“. Für den Sozialverband Deutschland ist der Vorstoß der EU ebenso wie die Rente mit 67 lediglich der Versuch, „die Altersbezüge durch die Hintertür zu kürzen“, sagt Verbandspräsident Adolf Bauer.

Zu den Befürwortern gehört Klaus Zimmermann. Der Präsident des Deutschen Institutes für Wirtschaftsforschung erachtet die von der EU empfohlene Rente mit 70 schon deshalb für gerechtfertigt, weil die Lebenszeit sich ständig erhöht. Hinzu komme, dass die Kosten auf Dauer so stark steigen würden, dass die sozialen Sicherungssysteme sie nicht mehr tragen könnten. Seiner Ansicht nach ist eine längere Lebensarbeitszeit „schlicht die bittere Wahrheit“ und betont: „Das wird viel früher kommen.“