Hohe Kosten bei der privaten Altersvorsorge
April 29th, 2010 by Andre | No Comments | Filed in Altersvorsorge, GesetzÜber den Sinn der privaten Altersvorsorge muss nicht lange lamentiert werden. Sie ist zwingend nötig, um auch im Rentenalter einigermaßen über die Runden zu kommen. Dass es vielen Haushalten relativ schwer fällt, Monat für Monat ein paar Euro beiseite zu legen, ist der Politik durchaus bewusst. Sie hat diesen Umstand bei der Riester-Rente berücksichtigt. Schon eine vergleichsweise geringe Eigenleistung reicht, um in den Genuss der Zulagen zu kommen. Umso ärgerlicher, wenn das Ersparte durch Gebühren und Abschlusskosten geschmälert wird. Dass der Verbraucherschutz gerade in diesem Punkt eher mangelhaft ist, belegen Berechnungen der Stiftung Warentest und des Verbraucherzentrale Bundesverbandes.
„Viele Riester-Produkte sind zu teuer“, heißt es auf der Seite der Stiftung Warentest. Eine Erkenntnis, die immer wieder mal aufkochte, bislang aber nie zu einer Reaktion seitens der Regierung geführt hat. Eigentlich müsste auch sie daran interessiert sein, dass Rentnerinnen und Rentner aus eigener Kraft ein auskömmliches Leben führen können, ohne auf staatliche Hilfen angewiesen zu sein. Denn genau dieses Szenario wurde schon vor längerer Zeit gemalt und jetzt wieder aufgefrischt: Altersarmut auf breiter Front. Wenn vor diesem Hintergrund private Altersvorsorge betrieben wird, sollte später auch möglichst viel von jedem Euro wieder auf dem Konto des Kunden landen.
Wie sich die Kosten und Gebühren auf einzelne Verträge und damit die Leistung auswirken, lässt sich nur schwer kalkulieren. Die Verbraucherzentralen und die Stiftung Warentest sind daher einen anderen Weg gegangen. Ausgehend von den Zulagen in Höhe von sechs Milliarden Euro, die bis einschließlich 2009 gezahlt wurden, und einer gebührenbedingten Renditeeinbuße von einem Prozent, stände schon jetzt ein Minus von 115 Millionen Euro zu Buche. Bei 2,5 Milliarden Euro Zulagen pro Jahr, wären es bis 2020 über drei Milliarden Euro und 2030 sogar elf Milliarden Euro, die nicht an die Verbraucher ausgezahlt werden.
Angesichts dieser Verluste, zu denen noch Gebühren für die Nutzung fremder Geldautomaten und zu hohe Dispositionszinsen kommen, stellt der Chefredakteur von Finanztest, Hermann-Josef Tenhagen eine klar Forderung: „Es reicht nicht allein, vernünftige Gesetze zu machen. Die Einhaltung der Gesetze muss gerade bei Finanzprodukten kontrolliert werden. Schließlich hat der Kunde kaum eine Chance, die Versprechungen der Anbieter selbst auf ihren Wahrheitsgehalt zu überprüfen.“ Auch der Vorstand der Verbraucherzentrale Bundesverbandes, Gerd Billen, sieht die Notwendigkeit, den Verbraucherschutz in der Finanzaufsicht zu verankern.
