Archive for November, 2009

Die Rente steckt in der Krise

November 25th, 2009 by Andre | No Comments | Filed in Rente, Statistik

„Rente verkommt zum Hungerlohn“, titelt Spiegel-Online und schlägt damit in die gleiche Kerbe wie die meisten Medien. Das Rentensystem stehe vor dem Kollaps und biete laut Berechnungen des Institutes für Altersvorsorge zukünftigen Durchschnittsrentnern nicht mehr als das heutige Hartz-IV-Niveau. Keine guten Aussichten, insbesondere für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die als Geringverdiener eingestuft werden.

Das Rentenniveau sinkt kontinuierlich. In den fünfziger Jahren lag man bei 57 Prozent, vor wenigen Jahren waren es 48 Prozent und 2040 stehen aller Voraussicht nach nur noch 40 Prozent zu Buche. Für die Generation, die in 30 Jahren in Rente geht, heißt das nichts anderes, als dass sie 20 Prozent weniger erhalten wird als Arbeitnehmer, die kürzlich in den wohlverdienten Ruhestand gewechselt sind. Dabei handele es sich nicht um eine Rentenkürzung im eigentlichen Sinne, doch genau so werde die Entwicklung empfunden. Zudem, betont Finanzwissenschaftler Bernd Raffelhüschen: „In Zukunft lässt sich mit der gesetzlichen Rente nicht mehr der aus dem Erwerbsleben gewohnte Lebensstandard sichern.“

Hoffnung, dass die Renten in den kommenden Jahren steigen, sollte man sich nicht machen. Bis 2016 würden sie nur minimal angehoben. Derzeit müsse erst noch der Rückstand aufgeholt werden, der durch die vorherigen Rentenanpassungen – die höher ausfielen als vom Gesetz vorgesehen – aufgelaufen sei. Das mache sich jetzt bemerkbar. Darüber hinaus greife die Inflation. Ein kleines Renten-Plus werde damit gleich wieder zunichte gemacht und gehe mit einem realen Kaufkraftverlust einher. Das Deutsche Institut für Altersvorsorge hat für Spiegel Online eine Tabelle erstellt, aus der zu ersehen ist, wie hoch die Rente angesichts des Bruttoeinkommens sein könnte und was man sich dafür leisten kann.

Dazu ein Beispiel: Bei einem Bruttoeinkommen von 1.500 Euro würden Arbeitnehmer Jahrgang 1955, die 2020 in Rente gehen 779 Euro nominal und 624 Euro real erhalten. Beim Geburtenjahrgang 1965 mit einem Rentenbeginn im Jahr 2032 sind es 1040 Euro (667 Euro), Jahrgang 1975 (2042) erhält 1397 Euro (732 Euro) und Jahrgang 1985 (2052) 1698 Euro (727 Euro). Ausgehend von einem Bruttoeinkommen von 3.500 Euro wären es: Geburtenjahrgang 1955/ Rentenbeginn 2020 1552 Euro nominal/1243 Euro real, 1965/2032 2118 Euro/1358 Euro, 1975/2042 2800 Euro/1467 Euro und 1985/2052 3035 Euro/1299 Euro. Berücksichtigt werden dabei eine Inflation von zwei Prozent und eine Lohnsteigerung von 2,5 Prozent. Für Einkommen von 1.500 bis 2.500 Euro gehen die Analysten von einem Beginn der Beitragszeit mit 25 Jahren, bei Beträgen darüber mit 30 Jahren aus.

Die Zahlen hätten allerdings einen Hake: Sie gingen vom Standardrentner aus, den es längst nicht mehr gebe. „Heute haben immer mehr Lebensläufe Brüche, an eine Festanstellung schließt sich mal eine freie Tätigkeit oder Teilzeitarbeit an und auch mal eine Phase der Arbeitslosigkeit“, erklärt der Spiegel. Hinzu komme, dass viele Arbeitnehmer höchstens von Lohnerhöhungen träumen dürften und weniger verdienten als durchschnittlich angenommen. Das sorge dafür, dass immer mehr Menschen im Alter auf die Grundsicherung angewiesen seien. Seit 2003 sei die Zahl der Betroffenen um fast zwei Drittel gestiegen und werde weiter steigen. Um überhaupt Hartz-IV-Niveau zu erreichen, müsse bei einem Bruttoeinkommen von 1.500 Euro aktuell 43 Jahre in die Rentenkasse gezahlt werden. Bei 2.500 Euro sind es 26 Jahre, bei 3.500 Euro 18 Jahre, bei 4.500 Euro 14 Jahre und bei 5.500 Euro zwölf Jahre.

Düstere Aussichten also – insbesondere angesichts folgender Rechnung: Würde es ein 20-Jähriger schaffen, heute das Leben des Standardrentners zu führen, erhielte er 2050 2.700 Euro Rente. Würde er die Beiträge aber anlegen und mit 3,5 Prozent verzinsen lassen, ein Wert, der durchaus realistisch ist, lägen nach 45 Jahren eine Millionen Euro auf dem Konto.

Aus Expertensicht ist die Rente mit 67 noch nicht realisierbar

November 19th, 2009 by Andre | No Comments | Filed in Rente

2007 fiel die Entscheidung, das Rentenalter angesichts der sinkenden Geburtenzahlen und der steigenden Lebenserwartung schrittweise von 65 auf 67 Jahre anzuheben. Demnächst kommt dieser Beschluss auf den Prüfstand. Das sieht das Gesetz vor und wird auch von den Oppositionsparteien gefordert. Die Arbeitsmarktlage 2010 soll Aufschluss darüber geben, ob sich die Idee überhaupt realisieren lässt. Die Experten des Institutes für Arbeit (IAB) sagten gegenüber der „Rheinischen Post“ ganz klar: „Der Arbeitsmarkt ist darauf noch nicht vorbereitet.“

Die Jobchancen älterer Arbeitnehmer seien zu schlecht, erklärt der Vizedirektor des IAB, Ulrich Walwei. Nur ein Drittel der 55-65-Jährigen ginge derzeit einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung nach. Viele fänden schlichtweg keine Arbeit. Dabei werde die Jobsuche im Alter umso schwerer, je niedriger die Qualifikation sei. Damit die Rente mit 67 überhaupt funktioniere, müssten laut Berechnungen des Forschungsinstitutes der Bundesagentur für Arbeit (BA) 1,2 bis drei Millionen neue sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze entstehen. Nur so könne die Zahl der Erwerbstätigen dauerhaft auf einem konstanten Niveau gehalten werden.

Für die Gewerkschaften sind diese Daten und Zahlen Balsam auf die Seele. Sie lehnen die Rente mit 67 seit jeher ab und sehen sich jetzt erneut in ihrer Position bestätigt. Anneliese Buntenbach, Vorstandsmitglied des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), fasst die Argumente zusammen: „Seit Jahren schafft nur knapp jeder Fünfte den Übergang von regulärer Beschäftigung in die Altersrente. Statt die Rente mit 67 zu verordnen, muss die Koalition dafür sorgen, dass die Älteren überhaupt bis 65 in Arbeit bleiben können.“

19,9 Prozent: Beitrag zur gesetzlichen Rentenversicherung bleibt stabil

November 13th, 2009 by Andre | No Comments | Filed in Rente

Im kommenden Jahr bleibt der Beitragssatz zur gesetzlichen Rentenversicherung trotz Wirtschafts- und Finanzkrise unverändert bei 19,9 Prozent. In der knappschaftlichen Rentenversicherung stehen nach wie vor 26,4 Prozent zu Buche. “Das ist ein wichtiges Signal für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sowie für Betriebe und Unternehmen“, erklärte Bundesminister Franz-Josef Jung. Bekannt gemacht wurde die Entscheidung, den Beitragssatz stabil zu halten, am 11. November 2009 durch die Veröffentlichung im Bundesgesetzblatt.

Hintergrund: Eine Anpassung des Beitragssatzes in der allgemeinen Rentenversicherung ist nur dann vorgesehen, wenn die Nachhaltigkeitsrücklage bei einem unveränderten Beitragssatz zu sehr aus dem Lot geraten würde. Bezugspunkt ist jeweils eine Monatsausgabe der Rentenversicherung. Der Beitragssatz wird erst dann verändert, wenn die Rücklage die Ausgaben um das 1,5-fache übersteigt oder aber um das 0,2-fache unterschreitet. Mit Blick auf die Einnahmen und Ausgaben, die für das kommende Jahr prognostiziert werden, ist weder das eine noch das andere der Fall.

Nullrunden für Rentner

November 11th, 2009 by Andre | No Comments | Filed in Rente

Alexander Gunkel, Vorstandsvorsitzender der Rentenversicherung, ist nicht um seinen Job zu beneiden. Wenn es darum geht, den 20 Millionen Rentnern in der Bundesrepublik eine Hiobsbotschaft zu verkünden, muss er ran. Dass es 2010 keine Rentenerhöhung geben würde, davon war man längst ausgegangen. Doch auch für 2011 sieht es schlecht aus und steht die nächste Nullrunde ins Haus. Selbst der Ausblick bis 2016 lässt keine Freude aufkommen. Wenn überhaupt, gebe es nur Mini-Rentenerhöhungen, so Gunkel.

Dass es um die Rente nicht besonders gut bestellt ist – und damit magere Jahre auf die Rentner zukommen – belegt die Tatsache, dass vermutlich schon 2010 die Rentengarantie der Bundesregierung greifen muss. Sie sorgt dafür, dass es nicht zu Kürzungen kommt. Denn würde man sämtliche Verpflichtungen in Cent und Euro umlegen, müsste die Rentenversicherung ihre Leistungen eigentlich um ganze vier Prozent kürzen. Grund sind unter anderem acht Milliarden Euro, die Jahr für Jahr mehr ausgegeben werden als eigentlich geplant – resultierend aus Rentenanpassungen in der Vergangenheit.

Für diejenigen, die in die Rentenkasse einzahlen, bleibt vorerst alles beim Alten. Der Beitragssatz von derzeit 19,9 Prozent wird vor 2020 die 20-Prozent-Marke zu übersteigen. 2030 stehen maximal 22 Prozent zu Buche. Das sind jedenfalls die Pläne für die kommenden Jahre. Entscheidend dürfte sein, wie sich die finanzielle Ausstattung der Rentenversicherung entwickelt. In diesem Jahr fällt das voraussichtliche Defizit mit 0,1 Milliarden Euro noch moderat aus. 2010 allerdings werden schon vier Milliarden Euro Minus prognostiziert.

Bewertet wird die aktuelle Entwicklung recht unterschiedlich. Während sich Alexander Gunkel klar für Rentendämpfungen ausspricht, um die Rentenbeiträge stabil zu halten, fordert die Vize-Vorsitzende des Deutschen Gewerkschafts-Bundes, Annelie Buntenbach, ein Umdenken. „Eine auskömmliche Rente ist wichtiger als die Stabilität des Rentenbeitrags“, sagt sie. Auch der Sozialverband VdK plädiert für eine neue Regelung.

Rente mit 60 – Utopie oder Modell mit Zukunft?

November 5th, 2009 by Andre | No Comments | Filed in Rente

Rente mit 60 – das hört sich schon besser an als Rente mit 67. Wäre da nicht ein kleiner Haken: Wer tatsächlich mit 60 in Rente geht, wird mit so hohen Abzügen bestraft, dass es sich die meisten gar nicht leisten können und arbeiten müssen. Entsprechend erbost zeigen sich CDU/CSU und der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) über den Vorstoß der Liberalen. Sie meinen es sicherlich gut, übersehen aber das Wesentliche: Nicht jeder Deutsche bezieht ein so hohes Einkommen und kann so viel Geld in die private Altersvorsorge investieren, dass er sich mit 60 Jahren unbekümmert in den Ruhestand begeben kann.

Die Hoffnung der FDP ruht auf der Verlängerung der Lebensarbeitszeit. Das tatsächliche Renteneintrittsalter soll sich mit dem vom Gesetzgeber vorgegebenen Alter decken. Dabei stehe es jedem frei, mit 60 in Teil- oder Vollrente zu gehen, solange er nicht auf Sozialhilfe angewiesen sei. Aktuell wird die Altersgrenze bei 65 Jahren gezogen. Sie steigt ab 2012 schrittweise auf 67 Jahre.

Damit die Pläne der FDP überhaupt realisiert werden können, soll der Hinzuverdienst im Rentenalter keinerlei Einschränkungen mehr unterliegen. Jeder Rentner dürfte dann so viel Geld verdienen, wie er möchte und kann. Dadurch würden die Rentner ihrerseits wieder Geld in die Sozialkassen einzahlen. Unter dem Strich sehen die Liberalen eine Entlastung für das soziale System. In Skandinavien sei dieses Modell schon seit Jahren erfolgreich.

CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt hält die Idee für einen „fatalen Irrweg“, der massive Kosten und höhere Beiträge verursache. Statt auf eine unausgegorene Rentendiskussion setzt er auf Rahmenbedingungen, die älteren Menschen bessere Jobmöglichkeiten bieten. Peter Weiß, rentenpolitischer Sprecher der Unionsfraktion, stößt ins gleiche Horn: „Bei diesem Modell werden die Abschläge von der Rente so hoch sein, dass es sich kein normaler Arbeitnehmer erlauben kann.“ Die Folgen für die Kombi-Rentner, die mit Mini-Rente und Mini-Job über die Runden kommen müssen, hat die Linke schon – zugegebenermaßen überspitzt – gezeichnet: Sie sieht die Rentner mit 60 beim Tütenpacken im Discounter.