Archive for the ‘Statistik’ Category

Die Psyche treibt immer mehr Menschen in den vorzeitigen Ruhestand

Oktober 20th, 2011 by Andre | No Comments | Filed in News, Rente, Statistik

Psychische Erkrankungen sorgen in der Bundesrepublik immer öfter dafür, dass Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer vorzeitig in den Ruhestand gehen. Die Daten der Deutschen Rentenversicherung, die der „Süddeutschen Zeitung“ vorliegen, sprechen diesbezüglich Bände. Im vergangenen Jahr waren 71.000 Männer und Frauen betroffen. Sie mussten ihren Job aufgrund seelischer Störungen noch vor dem 65. Lebensjahr an den Nagel hängen. Zum Vergleich: 2009 waren es „nur“ 64.500 Personen, die wegen einer Erkrankung der Psyche – zum Beispiel Depressionen oder Angststörungen – eine Erwerbsminderungsrente beantragt hatten.

In den vergangenen zehn Jahren sind psychische Krankheiten damit zur Hauptursache dafür geworden, dass unfreiwillig vorzeitig Rente bezogen wird. Von den 181.000 Fällen verminderter Erwerbsfähigkeit, die 2010 verbucht wurden, beruhten immerhin 39,3 Prozent auf Problemen der Seele. Erst dann kommen Schäden an Skelett und Muskeln sowie Herz- und Kreislauferkrankungen. Aus Sicht der Deutschen Rentenversicherung besonders erschreckend ist die Tatsache, dass der Fall der Fälle inzwischen immer früher eintritt.

Erwerbs- und berufsunfähige Neurentner waren 1980 im Schnitt 56 Jahre alt. Aktuell liegt der Durchschnittswert knapp über 50 Jahre, wobei Betroffene mit psychischen Krankheiten mit 48,3 Jahren deutlich jünger sind. Hinzu kommt, dass die Anträge auf eine Erwerbsminderungsrente in 43 Prozent der Fälle abgelehnt werden mussten, weil die Voraussetzungen nicht erfüllt waren.

Umso wichtiger wird es, gerade für junge Menschen, rechtzeitig privat Vorsorge zu betreiben. Die Berufsunfähigkeitsversicherung gilt schon seit Jahren als eine der wichtigsten Policen, wird aber nach wie vor nur von wenigen abgeschlossen. Experten raten, den Vertrag direkt zu Beginn des Berufslebens unter Dach und Fach zu bringen, weil der Beitrag in jungen Jahren noch relativ niedrig ist und die Leistungen bei den meisten Tarifen problemlos angepasst werden können. Liegen erst einmal Erkrankungen vor, wird es umso schwerer, eine Berufsunfähigkeitsversicherung zu erhalten.

Interesse an Riester-Rente lässt nach

Oktober 13th, 2011 by Andre | No Comments | Filed in Altersvorsorge, News, Statistik

Zu kompliziert, zu bürokratisch: Der Deutsche Sparkassen- und Giroverband (DSGV) fordert angesichts der stagnierenden Abschlusszahlen und des nachlassenden Interesses gerade junger Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer eine Überarbeitung der Riester-Rente.

„Die Riester-Rente muss einfacher und verständlicher werden. Das gilt sowohl für Neuabschlüsse als auch während der Vertragslaufzeit“, mahnt DSGV-Präsident Heinrich Haasis. Förderung und Abwicklung der Verträge seien sowohl für Sparer als auch die Anbieter zu bürokratisch und oftmals nicht nachvollziehbar. Darüber hinaus wäre es wünschenswert und sinnvoll, wenn alle Bürgerinnen und Bürgern in den Kreis der Förderberechtigten einbezogen würden. Gleichwohl sieht der Deutsche Sparkassen- und Giroverband auch positive Entwicklungen, zum Beispiel die Möglichkeit, Eigenbeträge nachzuzahlen, und den Sockelbetrag von 60 Euro.

Die Forderungen des DSGV basieren auf einer Studie, die eher unerfreuliche Fakten zutage förderte. Die Riester-Rente, bislang Zugpferd bei der privaten Altersvorsorge, stagniert. „Der Anteil aller Riester-Berechtigten, die bereits einen Vertrag abgeschlossen haben, liegt mit 45 Prozent exakt auf dem Niveau des Vorjahrs“, heißt es in der Pressemitteilung des DSGV. Die eigentliche Zielgruppe der staatlich geförderten privaten Vorsorge, Geringerverdiener, kommt lediglich auf eine Quote von 36 Prozent. Einfachere Richtlinien könnten hier für neue Impulse sorgen, meint der Sparkassen und Giroverband. Das gilt auch für jüngere Kunden. Aktuell sind nur 33 Prozent der unter 30-Jährigen bereit, eine Riester-Rente abzuschließen. Vor einem Jahr lag dieser Wert noch bei 58 Prozent.

Viele Renten liegen unterhalb des Sozialhilfe-Niveaus

Oktober 6th, 2011 by Andre | No Comments | Filed in News, Rente, Statistik

Die Anfrage der Fraktion „Die Linke“ zum Thema Altersarmut, deren Ergebnisse n-tv gestern veröffentlichte, wirft dunkle Schatten auf die aktuelle Rentensituation. Demnach liegt jede fünfte gesetzliche Rente unter dem Existenzminimum. Betrachtet man ausschließlich die Ruhestandsbezüge von Frauen, kommt nur jede dritte Rentnerin auf einen Betrag oberhalb des Grenzwertes. Damit hat sich die Zahl der Rentner, deren Bezüge unter dem Sozialhilfe-Niveau liegen, von 1994 bis 2009 verdreifacht. Bei den Rentnerinnen ist der Wert weitgehend auf dem gleichen, hohen Niveau geblieben.

Für die Linke Grund genug, die Forderung nach einer Mindestrente zu wiederholen. Klaus Ernst, Chef der Partei, erklärte gegenüber dem Nachrichtensender: „Die Renten sind im Sinkflug. Immer mehr Rentnern droht der Gang zum Sozialamt.“ Er befürchtet, dass auf die Bundesrepublik über kurz oder lang eine Welle der Altersarmut zurollt. Um das zu vermeiden, müsse eine verbindliche Grenze gegen Altersarmut gesetzt werden. Ziel, so Klaus Ernst: „Niemand darf im Alter weniger als 850 Euro haben.“ Dazu müssten unter anderem die Rentenkürzungen aus den vergangenen Jahren wieder rückgängig gemacht werden.

Bei den Zahlen, die vom Arbeitsministerium zur Verfügung gestellt wurden, muss allerdings beachtet werden, dass sie ausschließlich die gesetzliche Rente umfassen. Private Vorsorgemaßnahmen wie Rentenversicherungen und andere Einnahmequelle seien nicht berücksichtigt worden. Laut Ministerium liege das Nettogesamteinkommen von Rentnerhaushalten deutlich über der reinen Rentenzahlung. Die Linke sieht dennoch Handlungsbedarf und steht mit ihrer Forderung nicht alleine auf weiter Flur.

Unterstützung kommt von ungewohnter Seite. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) wertet die sinkende gesetzliche Rente als relevanten Faktor für Altersarmut, zumal sie das wichtigste Standbein für die Alterssicherung darstelle. „Wenn diese Säule immer weiter verliert, steigt das Risiko der Altersarmut“, sagte Markus Grabka vom DIW gegenüber n-tv. Für einen umfassenden Schutz gegen Armut im Rentenalter müsse das System umgestellt werden. Die Bundesregierung kennt das Problem und hat im September den „Rentendialog“ begonnen, um Lösungen zu finden. Eine Option ist die Zusatzrente, die aus Sicht des DIW jedoch keine echte Lösung darstellt.

Rentner nehmen Abschläge in Kauf

September 29th, 2011 by Andre | No Comments | Filed in News, Rente, Statistik

Immer mehr Rentnerinnen und Rentner nehmen Abschläge in Kauf, weil sie eher in den Ruhestand gehen, als offiziell vorgesehen. Das berichtet die Bild-Zeitung unter Berufung auf die Rentenzugangsstatistik der Deutschen Rentenversicherung. Von den insgesamt 856.000 Neu-Rentnern im Jahr 2010 verzichten demnach 496.000 auf einen Teil der Bezüge. Das entspricht einer Quote von 58 Prozent. Vor zehn Jahren lag der Anteil der Neurentner, bei denen Abzüge vorgenommen wurden, noch bei 11,7 Prozent.

Die Gründe, weshalb Menschen nicht bis zum gesetzlichen Renteneintrittsalter warten, sind vielfältiger Natur: Angefangen bei dem Wunsch, einen längeren arbeitsfreien Lebensabend genießen zu können, über die Option, gemeinsam mit der Partnerin oder dem Partner in Rente zu gehen, bis hin zu den mangelnden Beschäftigungsmöglichkeiten für ältere Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Rentenversicherung und Bundessozialministerium sehen den Auslöser für die aktuelle Entwicklung vor allem in der Verschiebung der Altersgrenze nach oben. Tatsächlich gehen die Bundesbürger sogar immer später in Rente. 2010 betrug das Durchschnittsalter 63,5 Jahren. Im Jahr 2000 waren es 62,3 Jahre.

Gemindert wird die Rente im Schnitt um 100 Euro monatlich. Das entspreche rund 36,8 Abschlagsmonaten, so die Deutsche Rentenversicherung. Für jeden Monat, den man eher in Rente geht, wird ein Abschlag in Höhe von 0,3 Prozent vorgenommen. Arbeitet man hingegen über die Regelaltersgrenze hinaus, gibt es einen Zuschlag von 0,5 Prozent pro Monat. Bei der Erwerbsminderungsrente ist der Abschlag auf 10,8 Prozentpunkte begrenzt – ausgehend von 0,3 Prozent je Monat.

Riester-Rente: durchwachsene Bilanz

September 15th, 2011 by Andre | No Comments | Filed in Altersvorsorge, Statistik

Zum zehnten Geburtstag der Riester-Rente überreichte das Deutsche Institut für Altersvorsorge (DIA) keine Torte mit Kerzen, sondern eine Bilanz, die es in sich hat. Die Ergebnisse der auf den Zahlen von 2007 basierenden Untersuchung belegen, dass die staatlich geförderte private Altersvorsorge die hochgesteckten Erwartungen bislang nicht erfüllen konnte. Mehr noch: Die Zuschüsse und Steuervorteile sorgen für eine Mitnahme-Mentalität bei Besserverdienenden, wohingegen Niedrig- und Normalverdiener die Riester-Rente noch nicht konsequent nutzen. Die Zeitung „Die Welt“ spricht angesichts der Studie von einer „teuren Fehlkalkulation“.

Bislang riestern vor allem Familien mit Kindern unter 16 Jahren. Ihr Anteil liegt bei knapp 30 Prozent. Damit kann das nach Walter Riester benannte Rentenmodell zumindest einen Erfolg für sich verbuchen. „Das Ziel der Familienförderung wird erreicht“, sagt Studienautor Rainer Braun. Bei den Alleinerziehenden haben 20 Prozent einen Riester-Vertrag abgeschlossen, Singles und kinderlose Paare verzichten hingegen weitgehend auf die staatlich geförderte Privatrente. Sie kommen auf eine Quote von lediglich 15 Prozent. Erfreulich aus Sicht des DIA ist, dass sich zunehmend jüngere Menschen für die Riester-Rente entscheiden. Von den 18- bis 29-Jährigen nutzen 26 Prozent die Zulagen. Im Bundesdurchschnitt hat nur jeder fünfte Förderberechtigte einen Vertrag unterschrieben.

Anlass, sich um eine Riester-Rente zu kümmern, sind aus Sicht des DIA vor allem Schlüsselereignisse. Dazu zählen der erste Arbeitsvertrag, die Hochzeit, der gemeinsame Haushalt mit einem Partner oder die Geburt eines Kindes. Allerdings zeigen sich deutliche Unterschiede, wenn nach Schulbildung differenziert wird. Verbraucher mit Hauptschulabschluss sorgen eher selten mit einer Riester-Rente vor (16 Prozent). Das Deutsche Institut für Altersvorsorge schließt daraus, dass der Bildungsstand mitverantwortlich dafür ist, wenn nicht mit einer Riester-Rente vorgesorgt wird. Hinzu kommen Sprachbarrieren. Fazit: Unwissenheit und auch Angst würden viele Menschen davon abhalten, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen. Die Experten raten daher, mehr Geld in die Information zu investieren, statt hohe Zulagen zu zahlen.

Jobbende Rentner

August 25th, 2011 by Andre | No Comments | Filed in Rente, Statistik

Statt es sich gutgehen zu lassen und den Ruhestand zu genießen, arbeiten immer mehr Rentnerinnen und Rentner nebenbei. Laut Saarbrücker Zeitung, die sich auf Zahlen des Arbeitsministeriums beruft, gingen im vergangenen Jahr 660.000 Bundesbürger im Alter von 65 bis 74 Jahren einer geringfügigen Beschäftigung nach. Das sind im Vergleich zum Jahr 2000 (416.000) fast 60 Prozent mehr. Gleichzeitig stieg die Zahl der Ruheständler, die auf Grundsicherung angewiesen sind von 258.000 in 2003 auf 400.000 in 2009.

Die Zahlen lassen sich völlig unterschiedlich interpretieren. Sieht man sie „nackt“ vor sich, ohne jede weitere Hintergrundinformation, deuten sie durchaus auf drohende Altersarmut hin. In diese Richtung tendiert auch die Links-Partei. Deren Abgeordneter Matthias Birkwald hatte bereits eine kleine Anfrage zum Thema Armut im Alter an die Bundesregierung gestellt. Angesichts der Daten erklärte er jetzt: „Ruhestand war gestern, malochen bis zum Tode heißt heute das Schicksal von immer mehr Rentnerinnen und Rentnern.“ Seine Forderung: Die Pläne zur Rente mit 67 müssen zurückgenommen und die Rentenkürzungsfaktoren abgeschafft werden. Auf den Punkt bringt es der Chef der Linkspartei, Klaus Ernst. Er plädiert für eine Mindestrente. „Wer sein Leben in die Rente eingezahlt hat, darf im Alter nicht mit Sozialhilfe abgespeist werden“, betont er.

Davon auszugehen, dass jeder Rentner mit Nebenjob automatisch arm ist, sei falsch, sagt das Bundesarbeitsministerium. „Es ist einfach so, dass mehr Menschen über 65 noch arbeiten wollen“, erklärte eine Sprecherin. Hinzu kommt – der entscheidende Faktor –, dass die Zahl der über 65-Jährigen von 2000 bis 2010 um knapp drei Millionen angewachsen ist. Der Anteil der Minijobber in dieser Altersklasse sei dementsprechend nur von 3,0 auf 3,9 Prozent gestiegen. Auch bei der Grundsicherung gebe es keinen eklatanten Veränderungen. Seit 2007 seien es im Schnitt immer rund 400.000 Personen gewesen, die zusätzlich zur Rente Geld vom Staat benötigten. Ähnlich sehen es das Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) und das Institut der deutschen Wirtschaft (IW). Die Zahl der Minijobs sei kein Nachweis für soziale Not. Viele Senioren wollen ganz einfach aktiv bleiben, so das IW.

Rente: Beitragssatzsenkung oder größerer Puffer

August 18th, 2011 by Andre | No Comments | Filed in News, Rente, Statistik

Die gute Konjunktur und die niedrige Arbeitslosigkeit würden es möglich machen: Der Beitragssatz zur gesetzlichen Rentenversicherung könnte 2012 von aktuell 19,9 auf 19,6 Prozent und im Jahr darauf weiter auf 19,1 Prozent gesenkt werden. Die Bundesvereinigung der Arbeitgeberverbände (BDA) pocht nun darauf, dass die Bundesregierung auch tatsächlich aktiv wird. Schließlich geht es um rund acht Milliarden Euro, von denen Arbeitnehmer und Arbeitgeber je zur Hälfte profitieren würden. Bei einem durchschnittlichen Gehalt von 2.500 Euro hätten Verbraucher dann jeden Monat knapp zehn Euro mehr im Portemonnaie.

Dass die Rentenbeiträge gesenkt werden können, um 0,3 Prozentpunkte und damit etwas mehr als noch im Frühjahr erwartet, hatte kürzlich schon Rentenpräsident Herbert Rische angekündigt. Grund ist das solide Polster in der Rentenkasse. Das Gesetz sieht diesbezüglich einen Automatismus vor: Die Beiträge zur Rentenversicherung müssen angepasst werden, sobald die Rücklagen der Rentenkasse das 1,5-fache der Monatsausgaben überschreiten. Das entspricht einem Betrag von rund 26 Milliarden Euro. Der BDA fordert nun, sich an diese Vorgaben zu halten: „Die seit langem überfällige Beitragssatzsenkung darf nicht erneut vom Gesetzgeber verhindert werden.“ Aktuell würden die Beitragszahler aufgrund der Rentengarantie und außerplanmäßiger Rentensteigerungen mit 13 Milliarden Euro zusätzlich belastet.

Der Wunsch des BDA ist durchaus verständlich und wird bei vielen Arbeitnehmern sicher auf Gegenliebe stoßen. Doch es gibt auch mahnende Stimmen. Die SPD ist gegen eine Senkung des Beitragssatzes. Stattdessen wäre es besser, einen größeren Puffer für die Zukunft zu schaffen und bereits jetzt für die 2020er Jahre Vorsorge zu treffen, sagt SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles. Die Gewerkschaften und der Sozialverband Deutschland sehen es ähnlich und setzen sich für bessere Leistungen bei einem höheren Beitragssatz ein. Sinn würde es machen, die Rücklagen nicht gleich wieder aufzuzehren. Denn die durchschnittliche Rentenbezugszeit bewegt sich aktuell auf einem historischen Höchststand. Männer erhalten im Schnitt 16,2 und Frauen 20,9 Jahre lang Rente.

Immer mehr Rentner leben unter der Armutsgrenze

August 3rd, 2011 by Andre | No Comments | Filed in News, Rente, Statistik

Die Altersarmut in Deutschland nimmt drastisch zu. Betroffen waren im Jahr 2009 11,5 Prozent aller Rentnerinnen und Rentner. Sie bezogen ein Ruhegeld unterhalb der Armutsgrenze von seinerzeit 870 Euro monatlich. 1995 lag die Quote, so das Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH), bei lediglich 9,4 Prozent. Kein Wunder, dass immer mehr Rentner mit ihrem Haushaltseinkommen unzufrieden sind. Dabei machten die Experten noch einen weiteren Trend aus: Zwischen Reich und Arm klafft auch bei den Ruheständlern eine immer größere Lücke.

In Westdeutschland bezogen 20 Prozent der reichsten Rentnerhaushalte ein doppelt so hohes Einkommen wie die ärmsten 20 Prozent. Im Osten verfügten gut situierte Rentner über immerhin 54 Prozent höhere Bezüge als diejenigen, die dem unter Fünftel zugeordnet werden. Schlüsselt man die Studie weiter auf, leben in den alten Bundesländern wesentlich mehr Ruheständler unter der Armutsgrenze als in den neuen Bundesländern. Im Westen sind es 12,2 Prozent (1995: 9,7 Prozent), in Ostdeutschland 8,6 Prozent (7,8 Prozent). Ursächlich für diesen Unterschied sind, erklären die Experten des IWH, die „kontinuierlicheren Erwerbsbiografien sowie die höhere Erwerbstätigkeit von Frauen zu DDR-Zeiten“. Grundsätzlich sind Frauen allerdings eher von Altersarmut betroffen: 13 Prozent (Westen) und 9,5 Prozent (Osten).

Wie zufrieden die Rentnerinnen und Rentner mit ihren Bezügen sind, richtet sich naturgemäß danach, wie gut man über die Runden kommt. In den Haushalten, die nicht von Altersarmut betroffen und auch nicht gefährdet sind, zeigen sich 59 Prozent der Ruheständler mit ihrer Rente zufrieden. Dieser Wert lässt rapide nach, sobald die Armutsgrenze unterschritten wird. In dem Fall sind nur noch 23,1 Prozent mit ihrem Haushaltseinkommen zufrieden. Geprägt werden die Altersbezüge nach wie vor von der gesetzlichen Rente, die 92,2 Prozent aller Rentner erhalten (1995: 86,5 Prozent). Die private Altersvorsorge spielt bei der aktuellen Rentnergeneration mit drei Prozent kaum eine Rolle. Die Ergebnisse des IWH beruhen übrigens auf den Daten einer der umfangreichsten Verbraucherumfragen, dem sozio-oekonomischen Panel (SOEP).

Die Deutschen gehen später in Rente

Juli 28th, 2011 by Andre | No Comments | Filed in Politik, Rente, Statistik

„Die Rentenformen der vergangenen Jahre haben dazu geführt, dass das tatsächliche Renteneintrittsalter steigt. Die Zahlen machen deutlich, dass die Reformen Wirkung zeigen“, sagt die Deutsche Rentenversicherung. Sie präsentierte am Mittwoch aktuelle Daten, die der Rente mit 67 neuen Aufwind geben könnten und auf der anderen Seite herbe Kritik ernten.

Zu den Zahlen: Das Renteneintrittsalter von Frauen lag 2009 bei 62,9 Jahren. Dieser Wert hat sich auf 63,3 Jahre verschoben. Männer gehen im Schnitt mit 63,8 Jahren in den Ruhestand (2009: 63,5 Jahre). Differenziert man diese Zahlen nach Ost und West, zeigt sich ein nicht ganz so einheitliches Bild. Der Anstieg des Renteneintrittsalters ist in erster Linie auf die Entwicklung in den alten Bundesländern zurückzuführen. Während der Wert bei den Frauen im Osten der Republik bei 61,6 Jahren stagnierte, stieg er im Westen von 63,2 auf 63,6 Jahre. Noch deutlicher werden die Unterschiede bei den Männern: Im Osten sank das Alter, ab dem der Ruhestand genossen wird, minimal von 63,1 auf 62,9 Jahre, wohingegen Männer in den neuen Bundesländern etwas länger arbeiteten – bis 63,9 Jahre (2009: 63,6 Jahre).

Die Daten der Deutschen Rentenversicherung scheinen auf den ersten Blick bestens dazu geeignet, die Rente mit 67 zu rechtfertigen. Doch genau davor warnen sowohl die Gewerkschaften als auch die Fraktion der Linken. Klaus Wiesehügel, Chef der IG-BAU erklärte gegenüber der Welt: „Wer im Alter jahrelang arbeitslos ist, dem nützt der durchschnittlich spätere Renteneintritt nichts.“ Hinzu komme, so der Linke-Vorsitzende Klaus Ernst, dass viele den Schritt hinauszögerten, „um dauerhafte Abschläge auf ihr Ruhegeld zu vermeiden“. Die wenigsten seien noch erwerbstätig je näher sie an das Alter von 65 Jahren kommen.

Dem widersprechen die Statistiken der Bundesagentur für Arbeit (BA). „Es gibt einen Trend, dass mehr Ältere länger als früher beschäftigt sind“, betont die BA in Nürnberg. 2005 lag die Quote der erwerbstätigen 50- bis 65-Jährigen bei 62 Prozent. Bis 2009 stieg dieser Wert auf 70 Prozent. Dazu beigetragen habe unter anderem, dass viele Unternehmen angesichts des Fachkräftemangels wieder auf die Erfahrung älterer Beschäftigter setzen. Das wird auch nötig sein, um die Rente mit 67 zu realisieren. Der Startschuss für die schrittweise Anpassung fällt im kommenden Jahre. 2029 soll die Rente mit 67 dann Realität sein.

Die Teuerungsrate macht Rentnern zu schaffen

Juli 7th, 2011 by Andre | No Comments | Filed in News, Rente, Statistik

0,99 Prozent mehr Rente seit dem 1. Juli und trotzdem weniger Geld im Portemonnaie. Das Problem: Die Rente hält nicht Schritt mit den Lebenshaltungskosten. Berücksichtigt man die höheren Ausgaben für Lebensmittel und Energie, steht für die 20 Millionen Rentnerinnen und Rentner seit 2001 ein Minus von satten sieben Prozent unter dem Strich. Die Linkspartei, die eine entsprechende Anfrage an die Bundesregierung gestellt hatte, mahnt daher: „Auf Deutschland rollt eine Welle der Altersarmut zu.“

Um das Dilemma zu konkretisieren: Unberücksichtigt aller weiteren Faktoren steht bei der Rente ein jährliches Plus von rund 0,82 Prozent zu Buche. Zieht man davon die Kranken- und Pflegeversicherung ab, bleiben immerhin noch 0,56 Prozent. Dieser Wert rutscht ganz schnell in die roten Zahlen, wenn die Teuerungsrate von 1,36 Prozent pro Jahr eingerechnet wird. Für den Chef der Linken, Klaus Ernst, steht daher fest: „Wenn die Renten weiter in dem Tempo sinken, dann liegt die Durchschnittsrente in zehn Jahren unter der Grundsicherung.“ Seine Partei fordert daher einer Mindestrente und eine neue Rentenformel mit Schutz vor Inflationsverlusten.

Dazu müssten die bisherigen Regeln aufgebrochen und neu formuliert werden. Die Rente ist per Gesetz an die Lohnentwicklung gekoppelt. Darauf macht die Bundesregierung aufmerksam und erklärt, dass es auch beim Lohn keinen Sicherheitsmechanismus gegen die Folgen der Inflation gebe. Das bekommen die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer durchaus zu spüren. In den vergangenen Jahren waren sie gleich mehrfach von Reallohnverlusten betroffen. Ein weiteres Argument, mit dem die Regierung auf die Kritik reagiert, ist die Rentengarantie: „Die Renten sind momentan höher, als sie es ohne Schutzklausel wären.“

Zufriedenstellend ist diese Antwort nicht, zumal sie keinerlei Lösungen umfasst. Der Deutsche Gewerkschaftsbund nennt sie daher „zynisch“. Der Sozialverband geht noch einen Schritt weiter und präsentiert eigene Zahlen, wonach Rentner seit 2004 einen Kaufkraftverlust von bis zu zehn Prozent hinnehmen mussten. Für dieses Jahr liegt der Wert bei 1,3 Prozent. Ganz so untätig wie es scheint ist die Regierung jedoch nicht. Sie wird – wie berichtet – nach der Sommerpause den „Regierungsdialog Rente“ starten. Ziel ist ein Gesetz zur Vermeidung von Altersarmut, das unter der Leitung von Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) auf den Weg gebracht werden soll. Die SPD arbeitet derweil an einem Gesamtkonzept samt Sockelrente.