Archive for the ‘Politik’ Category

Rente mit 67 spaltet die Parteien

Januar 5th, 2012 by Andre | No Comments | Filed in News, Politik, Rente

Lange wurde darüber diskutiert. Jetzt ist der Zug Richtung Rente mit 67 in voller Fahrt. Die schrittweise Anhebung des Eintrittsalters in den Ruhestand hat am 1. Januar begonnen und wird 2029 das von der Politik markierte Ziel erreicht haben. Dann können Beschäftigte erst mit 67 in Rente, wenn sie keine Abschläge in Kauf nehmen wollen. Ob die geplante Route ohne größere Unterbrechungen oder Änderungen des Fahrplans eingehalten wird, scheint noch ungewiss. Wie schon im vergangenen Jahr wird immer wieder gegen die Rente mit 67 aufbegehrt und mit Anträgen im Parlament gedroht.

Besondere Brisanz erhält das Thema, weil nicht einmal innerhalb der Parteien Einigkeit darüber herrscht, ob die Rente mit 67 der richtige Weg ist oder nicht. Bei den Christdemokraten hat zum Beispiel Horst Seehofer, seines Zeichens Chef der CSU, für Verwirrung gesorgt. Am Wochenende erklärte er, dass die Beschäftigungsmöglichkeiten für ältere Arbeitnehmer spürbar verbessert werden müssten. Anderenfalls handele es sich bei der längeren Lebensarbeitszeit um eine faktische Rentenkürzung, die er nicht unterstütze.

Damit lief Horst Seehofer bei der Generalsekretärin der SPD, Andrea Nahles, offene Türen ein. Über die Rheinische Post forderte sie den CSU-Chef auf, sich für eine Aussetzung der Rente mit 67 auszusprechen. Sie werde einen entsprechenden Antrag einbringen. Nahles fordert, dass die Lebensarbeitszeit erst dann angehoben werden darf, wenn 50 Prozent der 60- bis 64-Jährigen einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung nachgehen. Davon ist man aktuell noch weit entfernt. Von den 64-Jährigen arbeiten derzeit nur knapp zehn Prozent, in der gesamten Altersgruppe knapp 25 Prozent.

Kaum, dass Andrea Nahles ihre Position dargelegt hatte, kam auch schon Kritik aus den eigenen Reihen. Peer Steinbrück monierte: „Die Antwort auf den mathematischen Druck der Demografie kann nicht die ersatzlose Suspendierung der Rente mit 67 sein.“ Auch bei den Grünen stößt die Idee, die Beschäftigungsquote als Maß der Dinge zu nehmen, auf Widerstand. Arbeitsmarktexpertin Brigitte Pothmer hält diese Idee für grundfalsch, weil sie die Planungssicherheit zerstöre. Horst Seehofer hält derweil an seinem Standpunkt fest: „Ich möchte nicht nur, dass wir ein erfolgreiches Land sind, sondern dass wir auch ein menschliches Land sind.“

Zuschuss-Rente gegen Altersarmut

September 8th, 2011 by Andre | No Comments | Filed in News, Politik, Rente

Die Antwort der Bundesregierung auf drohende Altersarmut lautet Zuschuss-Rente. Sie soll gewährleisten, dass nach einem arbeitsreichen Leben unter dem Strich mindestens 850 Euro Rente stehen, damit ein höheres Ruhegeld als es die Grundsicherung mit 650 bis 750 Euro vorsieht. Allerdings ist die Zuschuss-Rente an eine Reihe von Bedingungen geknüpft.

Das Ziel, so Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) gegenüber der „Zeit“: „Wer als Geringverdiener ein Leben lang gearbeitet hat, schaffe es oft nicht, eine eigene Rente zu verdienen, die über der Grundsicherung liegt. Er wird im Moment genauso behandelt wie jemand, der nie gearbeitet oder vorgesorgt hat. Das ist ungerecht, da müssen wir nachbessern.“ Die genauen Details werden im Rahmen des „Regierungsdialogs Rente“ abgesteckt, der gestern gestartet ist.

Nach aktuellen Informationen sollen jene Rentnerinnen und Rentner Anspruch auf einen Zuschuss haben, deren Alterseinkommen sich unterhalb des Grundsicherungsniveaus bewegt, sofern sie 45 Jahre im gesetzlichen Rentensystem waren, mindestens 35 Jahre Beiträge gezahlt (in der Anfangszeit übergangsweise 30 Jahre) und privat bzw. betrieblich vorgesorgt haben. Angerechnet werden die Schuljahre ab dem 17. Lebensjahr, die Ausbildung, das Studium, Krankheitszeiten sowie Zeiten der Arbeitslosigkeit und Schwangerschaft.

Für 2013 erwartet Ursula von der Leyen 15.000 bis 20.000 Berechtigte. Die Zahl steigt in den kommenden Jahren drastisch an, wird relativ schnell die Marke von 100.000 erreichen und im Jahr 2035 bei zwei Millionen liegen – zu drei Viertel Frauen, so die Prognose der Ministerin. Weitere Änderungen betreffen die Erwerbsminderungsrente, bei der die Zurechnungszeit angehoben werden soll, und den Hinzuverdienst von Rentnern.

Was die Sozialverbände und die Opposition von den Plänen halten, brachte der Chef der Grünen-Fraktion, Fritz Kuhn, gegenüber der „Rheinischen Post“ auf den Punkt: „Frau von der Leyen hat das Thema Altersarmut grandios vergeigt.“ Das Problem der Altersarmut lasse sich nicht mit einem Dialog und wenigen Reförmchen weglächeln. SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles spricht von einer Mogelpackung und Linksparteichef Klaus Ernst fordert eine echte Untergrenze gegen Altersarmut. Für den DGB ist das Ziel, Armut im Alter zu vermeiden, mit den jetzigen Bedingungen klar verfehlt.

Die Deutschen gehen später in Rente

Juli 28th, 2011 by Andre | No Comments | Filed in Politik, Rente, Statistik

„Die Rentenformen der vergangenen Jahre haben dazu geführt, dass das tatsächliche Renteneintrittsalter steigt. Die Zahlen machen deutlich, dass die Reformen Wirkung zeigen“, sagt die Deutsche Rentenversicherung. Sie präsentierte am Mittwoch aktuelle Daten, die der Rente mit 67 neuen Aufwind geben könnten und auf der anderen Seite herbe Kritik ernten.

Zu den Zahlen: Das Renteneintrittsalter von Frauen lag 2009 bei 62,9 Jahren. Dieser Wert hat sich auf 63,3 Jahre verschoben. Männer gehen im Schnitt mit 63,8 Jahren in den Ruhestand (2009: 63,5 Jahre). Differenziert man diese Zahlen nach Ost und West, zeigt sich ein nicht ganz so einheitliches Bild. Der Anstieg des Renteneintrittsalters ist in erster Linie auf die Entwicklung in den alten Bundesländern zurückzuführen. Während der Wert bei den Frauen im Osten der Republik bei 61,6 Jahren stagnierte, stieg er im Westen von 63,2 auf 63,6 Jahre. Noch deutlicher werden die Unterschiede bei den Männern: Im Osten sank das Alter, ab dem der Ruhestand genossen wird, minimal von 63,1 auf 62,9 Jahre, wohingegen Männer in den neuen Bundesländern etwas länger arbeiteten – bis 63,9 Jahre (2009: 63,6 Jahre).

Die Daten der Deutschen Rentenversicherung scheinen auf den ersten Blick bestens dazu geeignet, die Rente mit 67 zu rechtfertigen. Doch genau davor warnen sowohl die Gewerkschaften als auch die Fraktion der Linken. Klaus Wiesehügel, Chef der IG-BAU erklärte gegenüber der Welt: „Wer im Alter jahrelang arbeitslos ist, dem nützt der durchschnittlich spätere Renteneintritt nichts.“ Hinzu komme, so der Linke-Vorsitzende Klaus Ernst, dass viele den Schritt hinauszögerten, „um dauerhafte Abschläge auf ihr Ruhegeld zu vermeiden“. Die wenigsten seien noch erwerbstätig je näher sie an das Alter von 65 Jahren kommen.

Dem widersprechen die Statistiken der Bundesagentur für Arbeit (BA). „Es gibt einen Trend, dass mehr Ältere länger als früher beschäftigt sind“, betont die BA in Nürnberg. 2005 lag die Quote der erwerbstätigen 50- bis 65-Jährigen bei 62 Prozent. Bis 2009 stieg dieser Wert auf 70 Prozent. Dazu beigetragen habe unter anderem, dass viele Unternehmen angesichts des Fachkräftemangels wieder auf die Erfahrung älterer Beschäftigter setzen. Das wird auch nötig sein, um die Rente mit 67 zu realisieren. Der Startschuss für die schrittweise Anpassung fällt im kommenden Jahre. 2029 soll die Rente mit 67 dann Realität sein.

Regierungsdialog Rente wird ins Leben gerufen

Juni 9th, 2011 by Andre | No Comments | Filed in Altersvorsorge, News, Politik, Rente

Altersarmut ist ein hässliches Wort. Es impliziert eine ungewisse Zukunft und drohende finanzielle Sorgen. Gleichsam schürt es Ängste. Nachdem aufgrund von Hochrechnungen und Vermutungen immer wieder vor einem deutlichen Anstieg der Altersarmut gewarnt wird, hat sich der Ausschuss für Menschenrechte und humanitäre Hilfe näher mit den Fakten befasst. „Altersarmut ist derzeit kein verbreitetes Phänomen in Deutschland, dennoch muss die zukünftige Entwicklung sorgfältig beobachtet werden“, lautet das Ergebnis.

Bedürftige erhielten seit 2001 eine Grundsicherung. Dazu stellte ein Regierungssprecher klar: „Wer Grundsicherung bezieht, ist nicht arm.“ Die „wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Menschenrechte“ würden durch die Grundsicherung nicht gefährdet. Vielmehr gewährleiste sie eine „würdige und unabhängige Existenz“. In Anspruch genommen werde die Grundsicherung seit 2008 von rund 400.000 Menschen, darunter mehr Frauen als Männer und mehr Menschen aus den neuen als aus den alten Bundesländern. Diese Zahl habe sich seither kaum verändert.

Eine künftige Entwicklung könne allerdings nicht begründet vorhergesagt werden. Gleichwohl sehe die Regierung „durchaus das Risiko eines Anstiegs“. Hinter dieser Aussage stehen zum einen die Arbeitslosenzahlen in den neuen Bundesländern, zum anderen die unvollständige Absicherung von Selbstständigen. Um für Zukunft besser gerüstet zu sein, wird im Sommer deshalb der „Regierungsdialog Rente“ in Leben gerufen.

Begrüßt wird dieser Schritt von allen Parteien. In der Einschätzung der Situation gibt es jedoch gravierende Unterschiede. Die CDU erinnert daran, dass viele Bürger überhaupt keine Altersvorsorge betreiben. In die gleiche Kerbe schlägt die FDP. Sie rät daher, nicht am „Ende des Lebens“ anzusetzen, sondern schon vorher. „Wir dürfen die Situation nicht dramatisieren, trotzdem gibt es Bedürftigkeit im Alter“, heißt es vonseiten Bündnis 90/Die Grünen. Sie plädieren für eine Garantierente.

Eher düster ist der Ausblick, den SPD und Linke wagen. Gebrochene Erwerbsverläufe würden eine katastrophale Entwicklung der Rente ergeben, warnen die Sozialdemokraten. Untermauert wird die Prognose von der Fraktion Die Linke. 7,3 Millionen Menschen hätten 2009 einen Minijob ausgeübt und damit nur minimale oder gar keine Rentenansprüche. Das führe schon jetzt dazu, dass am Ende des Monats immer mehr ältere Frauen zur Bahnhofsmission gingen, weil sie schämten, bei den Ämtern um Hilfe zu bitten.

Neuerungen bei der Riester-Rente

Mai 5th, 2011 by Andre | No Comments | Filed in Altersvorsorge, News, Politik

Die Riester-Rente hat in den vergangenen Wochen für einigen Wirbel und negative Schlagzeilen gesorgt. Der Grund war die Kontrolle der Zulagenberechtigung. Sie führte bei vielen Sparern dazu, dass ihnen die staatlichen Zuschüsse wieder gestrichen wurden. Der Vorwurf, das Regelwerk sei zu kompliziert und für Laien nicht verständlich genug, ließ nicht lange auf sich warten. Das hat auch die Politik hellhörig werden lassen. Die Reaktion folgte prompt in Form eines Gesetzesentwurfs. Ziel: Die Riester-Rente soll einfacher werden. Damit einhergehend sind unter Umständen höhere Eigenbeiträge nötig.

Ab 2012 sollen auch nicht berufstätige, kinderlose Ehepartner, die bislang keine eigenen Beiträge zahlen mussten und dennoch die volle Zulage erhielten, den Mindesteigenbeitrag von 60 Euro (fünf Euro pro Monat) in den Riester-Vertrag einzahlen. Damit wird vor allem einem Problem vorgegriffen: Häufig wurde nach der Geburt eines Kindes übersehen, dass die Frau drei Jahre rentenversichert und damit auch in puncto Riester-Rente beitragspflichtig ist. Wurden die neuen Familienverhältnisse bzw. Lebensumstände nicht gemeldet und dementsprechend kein Beitrag gezahlt, zog die Zentrale Zulagenstelle die bereits gezahlten Zuschüsse wieder ab. Dadurch ging mehr Geld verloren, als an Beiträgen verlangt worden wäre.

Familien, die davon betroffen sind, können jetzt aufatmen. Der Gesetzentwurf sieht zwar vor, den vollen Zulagenanspruch künftig nur noch zu gewähren, wenn eigene Beiträge überwiesen werden. Heißt: Der beitragsfreie Zulagenanspruch von Ehegatten entfällt. Dafür soll es jetzt auch möglich sein, den Mindesteigenbeitrag von 60 Euro pro Jahr nachträglich zu zahlen. Diese Option, nachträglich noch aktiv zu werden, bestand bislang nicht. Das hat viele Sparer verärgert. Die neue Lösung soll, so Finanzminister Wolfgang Schäuble und Arbeitsministerin Ursula von der Leyen, vor allem Familien helfen, „die das Richtig tun und mit der Riester-Rente zusätzlich für das Alter vorsorgen“.

Bundeskabinett billigt Rentenerhöhung

April 14th, 2011 by Andre | No Comments | Filed in News, Politik, Rente

Jetzt ist es amtlich: Die Rente steigt im Juli – wie bereits im März angekündigt – um 0,99 Prozent. Das Bundeskabinett hat die Anpassung und damit die Vorlage von Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) am Mittwoch gebilligt. Grundlage für die Rentenerhöhung ist die recht erfreuliche Entwicklung bei den Gehältern und Löhnen im vergangenen Jahr. Allerdings kommt den 20 Millionen Rentnerinnen und Rentnern diese Entwicklung nicht in voller Höhe zugute. Regulär hätten sie ein Rentenplus von 1,99 Prozent erwarten dürfen, wären da nicht die Überhänge aus der Rentengarantie, die jetzt ausgeglichen werden müssen.

Die Garantie hat die Ruheständler in der Vergangenheit vor Rentenkürzungen bewahrt. Durch diesen Sicherheitsanker liegen die Zahlungen aktuell 3,81 Prozent (Westen) bzw. 1,83 Prozent (Osten) höher, als sie mit Rentenminderung gewesen wären. Deshalb wird gekappt, insbesondere um die junge Generation der Beitragszahler nicht zu überlasten, so Ursula von der Leyen. Konkret sieht das so aus, dass die rechnerisch mögliche Rentenerhöhung einfach halbiert wird. Statt der 1,99 gibt es nur 0,99 Prozent. Laut Arbeitsministerium müssen die Rentnerinnen und Rentner auch in den kommenden Jahren damit rechnen, immer nur mit 50 Prozent am Aufschwung beteiligt zu werden, bis die Überhänge abgebaut sind.

Freudensprünge über die höhere Rente sind nicht zu erwarten, schon gar nicht mit Blick auf die Inflation. Die Anpassung bewegt sich auf einem Niveau deutlich unterhalb der aktuellen Teuerungsrate von 2,1 Prozent. Letztlich geht also weiterhin Kaufkraft verloren. „Mini-Rentenerhöhung“, nennt es der Deutsche Gewerkschaftsbund und mahnt, dass Rentner aufgrund der Inflation „am Ende ein deutliches Minus im Portemonnaie zu spüren bekommen“. Ähnlich argumentiert auch Adolf Bauer, Präsident des Sozialverbandes Deutschlands. Das Plus bei den Löhnen und Gehältern sei ideal gewesen, um den „fortwährenden Kaufkraftverlust der Rente endlich zu bremsen“.

0,99 Prozent mehr Rente

März 16th, 2011 by Andre | No Comments | Filed in Politik, Rente, Statistik

Die 20,2 Millionen Ruheständler in der Bundesrepublik dürfen sich ab dem 1. Juli über ein Prozent mehr Rente freuen. Ganz genau sind es 0,99 Prozent. Bei einer Rente von aktuell 800 Euro wären das 7,92 Euro mehr im Portemonnaie und bei 1.500 Euro 14,85 Euro. Große Sprünge sind damit sicherlich nicht möglich – aber immerhin. Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) wertet die Entwicklung durchaus positiv: „Ich freue mich, dass trotz des Ausgleichs für die Rentengarantie in diesem Sommer ein spürbares Plus für die Rentnerinnen und Rentner möglich ist.“

Doch wie kommt der Wert von 0,99 Prozent zustande? Anlass, dass überhaupt eine Rentenerhöhung vorgenommen werden kann, ist der positive Trend bei den Löhnen. Im vergangenen Jahr, das Experten als „Boomjahr“ bezeichnen, stiegen die Gehälter im Osten um rund 2,55 Prozent und im Westen der Republik um 3,1 Prozent. Wären die Renten an die Löhne gekoppelt, wie inzwischen von immer mehr Seiten gefordert wird, müsste nicht großartig gerechnet werden. Nach aktueller Gesetzeslage gibt es allerdings einige Faktoren, die bei der Rentenanpassung berücksichtigt werden müssen.

Von den 2,55 respektive 3,1 Prozent werden der Nachhaltigkeitsfaktor (0,46 Prozent) und der Riester-Faktor (0,64 Prozent) abgezogen. Danach bliebe rechnerisch ein Plus von 1,41 im Osten und 1,99 Prozent im Westen. Davon gehen noch einmal 50 Prozent als Ausgleich für die Rentengarantie ab. Dank dieser Schutzklausel waren die Altersbezüge in den Jahren 2008 und 2009 trotz Krise nicht gekürzt worden. Dadurch entstand ein Überhang, der jetzt abgebaut werden muss. Unter dem Strich steht damit ein Plus von 0,99 Prozent. Für Ostdeutschland hätte der Wert eigentlich 0,71 Prozent betragen müssen, so das Ministerium. Da die Renten in den neuen Bundesländern aber im gleichen Maße steigen müssen wie in den alten Ländern, gilt bundeseinheitlich eine Rentenerhöhung um 0,99 Prozent.

Rente wieder dynamisch an Löhne koppeln

März 3rd, 2011 by Andre | No Comments | Filed in Politik, Rente, Statistik

„Wer ein Leben lang gearbeitet hat, muss im Alter mehr als die Grundsicherung haben“, sagte jüngst der Vorsitzende der Linkspartei, Klaus Ernst, im Gespräch mit dem „Tagesspiegel“. Anlass war die Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linken zum Thema Rente und Inflation. Demnach werden die Standardrenten (unter Berücksichtigung der höheren Krankenkassenbeiträge) bis 2013 lediglich um 1,8 Prozentpunkte steigen. Für den gleichen Zeitraum gehen Prognosen von einem Preisanstieg um etwa fünf Prozent aus. Heißt: Rentnerinnen und Rentner werden den Kaufkraftverlust besonders deutlich zu spüren bekommen.

Hans-Joachim Fuchtel, Parlamentarischer Staatssekretär im Sozialministerium, nennt als Gründe für das eher magere Rentenplus die Lohnentwicklung und den „Abbau des Ausgleichsbedarfs“. Insbesondere Punkt zwei stößt den Sozialverbänden und den Linken bitter auf. Die Schutzklausel, die in den Jahren 2005, 2006 und 2010 zur Anwendung kam, sorgte zwar dafür, dass die Renten nicht gekürzt wurden. Unter dem Strich hätte ein Minus von 3,81 Prozent gestanden. Rentner beziehen aktuell also mehr als ihnen eigentlich zusteht. Der positive Effekt kehrt sich aber wieder um. Rentenanpassungen nach oben werden schlichtweg halbiert, weil nach geltendem Recht ein Ausgleich geschaffen werden muss. Erforderlich sei dieser Schritt aus „Gründen der Generationengerechtigkeit“, so Fuchtel.

Als Folge dieser Taktik befürchten die Linken, dass künftig „immer mehr Rentner auf Hartz-IV-Niveau abstürzen“. Ihre Forderung lautet daher, neue Anpassungsregeln für die Rente zu schaffen. Der Rentenbezug müsse wieder an die Löhne gekoppelt werden. Damit läuft die Partei beim Sozialverband VdK offene Türen ein. Auch hier spricht man sich für eine Rückkehr zur dynamischen Rente und den Verzicht auf Kürzungsfaktoren aus. Darüber hinaus soll der sogenannte Riester-Faktor wieder abgeschafft werden. „Wir wollen, dass die Rentnerinnen und Rentner an der Wohlstandsentwicklung teilhaben, und das tun sie immer weniger“, betonte VdK-Präsidentin Ulrike Mascher gegenüber dem „Tagesspiegel“.

Streit um Zuverdienst von Rentnern

Februar 2nd, 2011 by Andre | No Comments | Filed in News, Politik, Rente

Beim Thema Rente geraten sich Regierung, Opposition und Gewerkschaften regelmäßig in die Haare. Auch der Vorschlag von CDU und FDP, die Zuverdienstgrenze für Rentnerinnen und Rentner, die vorzeitig in den Ruhestand gehen, anzuheben, stößt nicht gerade auf Gegenliebe. Dabei handelt es sich um einen Schritt, der von vielen Experten bereits seit Jahren gefordert wird.

In Focus Money erklärt der Münchener Rentenberater Harald Teschner: „Bislang dürfen Rentner unter 65 Jahren nur 400 Euro pro Monat verdienen, ohne dass ihre Altersrente gekürzt wird.“ Sollte das Zubrot höher ausfallen, wird die gesetzliche Rente entsprechend gekürzt oder ganz gestrichen. Das Problem: Die Rentenversicherungsträger melden sich nicht sofort, wenn der Rotstift angesetzt wird, sondern teils erst Jahre später. Die Rückforderungen fallen dann häufig so hoch aus, dass sie von vielen Rentnern gar nicht gezahlt werden können.

Hier möchte Schwarz-Gelb ansetzen. Die Idee ist relativ einfach: Der Verdienst inklusive Rente soll sich am letzten Bruttogehalt orientieren. Zahlte der Arbeitgeber früher 2000 Euro brutto und stehen 700 Euro Rente zu Buche, dürfen monatlich 1.300 Euro hinzuverdient werden, sofern der Renteneintritt vor dem 65. Lebensjahr erfolgt. „Die Regelung ermöglicht älteren Menschen, schrittweise aus dem Berufsleben auszusteigen“, so der stellvertretende FDP-Fraktionschef Heinrich Kolb. Zudem würden auf diese Weise die Rentenansprüche für die Zukunft aufgebessert.

Für die SPD kommt diese Regelung einer „staatlich subventionierten Lohndrückerei“ gleich und sei ganz und gar nicht zukunftsweisend. Ähnlich argumentiert der Deutsche Gewerkschaftsbund. Annelie Buntenbach spricht von „purem Zynismus“. Mit dem Hinzuverdienst sollen lediglich die Abschläge ausgeglichen werden, die durch die Rente mit 67 zu befürchten sind. Bis dahin vergeht allerdings noch viel Zeit. Rentenexperten mahnen daher, sich nicht auf die zukünftige Entwicklung zu konzentrieren, sondern die Probleme der Rentner von heute anzugehen – und dazu gehört unter anderem die Zuverdienstgrenze, die viele zum Stillsitzen verdamme.

Dänen steht Rente mit 74 bevor

Januar 27th, 2011 by Andre | No Comments | Filed in News, Politik, Rente

In der Bundesrepublik steht die Rente mit 67 an und hat schon jetzt mehr Kritiker als Befürworter. Noch drastischer sind die Schritte, die in Dänemark angekündigt wurden: Um das Überleben der Wirtschaft zu gewährleisten, soll das Renteneintrittsalter sukzessive auf 74 Jahre angehoben werden, basierend auf der Lebenserwartung und der Idee, im Schnitt nur noch etwa 15 Jahre im Ruhestand zu verbringen. Freudentaumel löste die Ankündigung Lars Løkke Rasmussen ganz sicher nicht aus. Die Opposition spricht von einem „brutalen Eingriff“.

Die Kritik bezieht sich aber in erster Linie auf die Abschaffung der Frühpension. Weniger Diskussionsbedarf gibt es bei der Anhebung des Rentenalters. Diesbezüglich sind sich die Parteien weitgehend einig. Während in Spanien, Frankreich und demnächst vermutlich auch in Großbritannien lautstark demonstriert wird und teils sogar Generalstreiks drohen, wird eine längere Lebensarbeitszeit in Dänemark durchaus akzeptiert – zumindest auf politischer Ebene. Denn die Probleme, die sich aus der demografischen Entwicklung ergeben, treten bereits jetzt zutage.

Das Land leitet unter Fachkräftemangel. Viele qualifizierte Arbeitnehmer gehen in Frühpension, die in Dänemark durchaus großzügig ausfällt und häufig schon mit dem 60. Lebensjahr in Anspruch genommen werden kann. „Völlig gesunde Menschen dafür zu bezahlen, dass sie aufhören zu arbeiten“, so Rasmussen, sei auf Dauer nicht machbar. Er wünscht sie die Rente mit 67 bereits zum Jahr 2022. Ab 2030 soll der Renteneintritt dann an die Lebenserwartung gekoppelt werden und auf bis zu 74 Jahre steigen.

Derlei Pläne liegen in Deutschland noch nicht auf dem Tisch. „Darüber jetzt zu diskutieren, ist unsinnig. Wir sollten zunächst die Rente mit 67 konsequent umsetzen“, zitiert die Süddeutsche Zeitung die Arbeitgeber. Der DGB nennt derlei Ideen „völlig absurd“ und wünscht sich stattdessen abgesicherte Übergänge zwischen Arbeitsleben und Rente. Auf Dauer, so Experten von der Bundesbank, werden aber auch die Deutschen nicht davor verschont bleiben, möglicherweise bis zum 69. Lebensjahr oder länger arbeiten zu müssen. Begründet wird die Prognose mit dem „kleinen Einmaleins des Rentenversicherungssystems“. Da es sich um ein unpopuläres Thema handelt, lässt die Politik erst einmal die Finger davon – die hat man sich schon bei der Rente mit 67 verbrannt.