Mit Sparplan in die vorzeitige Pensionierung
Februar 28th, 2009 by Wolfgang | No Comments | Filed in Gesundheit, RenteDoch kein Grund, früh pensionierte und kranke Lehrer zu beneiden
Xundheit, Xaver, Xangverein – kennt der Lehrer als Wörter mit X. Doch mit der Gesundheit hat er es selbst oft nicht. Jeder vierte Pädagoge geht vorzeitig in den Ruhestand. Sozialer Stress aus der Interaktion Lehrer-Schüler oder Konflikte mit Eltern sind nur einige der Ursachen.
Ob das Repertoire an Beleidigungen durch Schüler alle Lehrer gleichermaßen trifft, muss verneint werden. Zwischen Grundschule und Oberstufe und der Schul- bzw. demographischen Region bestehen große Unterschiede. Doch ob böse gemeint oder nur gedankenlos dahergesagt, immer öfter lassen sich Lehrer von “Verbal-Injurien” schwer treffen. Lehrer zu beschimpfen, raubt denen die Nerven, behauptet eine aktuelle Freiburger Studie. Verbale Attacken durch Schüler werden für viele Lehrern zur gesundheitlichen Belastung.
Die Studie zum “Lange Lehren”-Projekt der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin an 523 Hauptschul- und 426 Gymnasiallehrern dreier Schulbezirke; im Schnitt 49 Jahre alt bei 64 Prozent Frauen, hatte zum Hintergrund, dass Lehrer überdurchschnittlich oft in den vorzeitigen Ruhestand wechseln. Im Vergleich zu den 90er-Jahren, als noch jeder zweite Lehrer frühzeitig ausschied, ist dies heute nur noch jeder vierte, doch damit liegt die Quote deutlich über der des öffentlichen Dienstes (17 Prozent). Sind weiterhin Beschwerden von der Elternschaft das belastende Moment für Lehrer, wirkt sich positives Schüler- und Eltern-Feedback positiv auf den Lehrerstatus aus.
Emotionale Erschöpfung
Männliche Lehrer gelten insgesamt als fitter als die weiblichen, obwohl Störfaktoren bei Männern stärker wirken als bei Frauen. Lehrerinnen über 54 sind allerdings widerstandsfähiger als gleichaltrigen Kollegen, die zudem mehr Wert auf Rückhalt durch die Schulleitung legen, während Lehrerinnen eher auf Unterstützung durchs Kollegium vertrauen. Vor emotionaler Erschöpfung eher geschützt sind Lehrer, die selbst Eltern sind, was allerdings erst ab 45+ erkennbar wird. Gestörte Beziehungen zu Schülern und Eltern gelten ein bislang unterschätzter Stressfaktor im Lehrerberuf, betont die Studie, denn der Lehrerberuf ist ein Beziehungsberuf. Gestörte menschliche Beziehungen zu Schülern und Eltern beeinflussen den Gesundheitszustand der Lehrer. Da diese Tatsache des Schülerverhaltens in allen westlichen Ländern die gesellschaftliche Lage widerspiegelt und kurzfristig kam zu ändern ist, sollten Lehrer mit psychologisch kompetenter sein.
“Kompetenztraining” für Lehramtsstudenten und “Beziehungspsychologie in der Schule” sowie “Körpersprache im Unterricht” und “Die Stimme des Lehrers als Arbeitsinstrument” gelten als probate Ausbildungsinhalte für künftige Studienräte. Doch auch die Klagewut mancher Eltern, die ihr normal begabtes Kinder für ein Genie halten und die erzieherische Apathie innerhalb eines großen Teils der Elternschaft sind dann aber weitere pathogenen Faktoren.
Andere Studien zeigten zudem, dass viele Lehrer schlicht den falschen Beruf gewählt haben und über 60 Prozent schon im Studium überfordert und wenig engagiert waren. Bereits nach den ersten vier Berufsjahren fühlt sich jeder zehnte Lehrer überfordert, stellt eine Langzeitstudie der Uni Frankfurt an 1000 Personen fest. Engagierte Studenten sind dagegen weitaus weniger betroffen.
Die jedoch denken noch nicht an ihre Pensionierung, die monetär dann zu reduzierten Bezügen führt, wenn man als Lehrer vorzeitig ausscheidet. Und das macht pro Jahr vor dem 64. jeweils 3,6 Prozent vom monatlichen Versorgungsbezug. Über den Daumen für den Oberstudienrat gerechnet:
* 70 % Pensionsanspruch aus 3900 mal 3,6 % = 100 Euro.
Von der Bruttopension nach Steuer ist dann die private Kranken- und Pflegeversicherung, inklusive Ehepartner, mit mindestens 400 Euro zu leisten. Kein Grund, den früh pensionierten und kranken Lehrer zu beneiden.
