Die Bundesregierung möchte die Rente mit 67, während die EU langfristig von einem Renteneintrittsalter von 70 Jahren ausgeht. Wie weit diese Zahlen von der Realität entfernt sind, beweist ausgerechnet eine Statistik der Regierung, die jüngst von der Bild-Zeitung veröffentlicht wurde. Demnach arbeiten die meisten Bürger schon heute nicht mehr bis zum gesetzlichen Rentenalter, sondern hören wesentlich eher auf. Im Schnitt haben im Jahr 2008 nur 35,6 Prozent der Angestellten und Arbeiter den Hammer tatsächlich erst mit Beginn des 65. Lebensjahres fallen lassen.
Dass es sich bei diesem Wert lediglich um den Durchschnitt handelt, beweist ein Blick auf die einzelnen Branchen. Denn gerade in körperlich anstrengenden Berufen ist die Quote derer, die vorzeitig in Rente gehen deutlich höher. Bei den Bergleuten arbeiteten 2008 lediglich 10,5 Prozent bis 65. Die Mehrheit, 43,6 Prozent, entschied sich für die Frührente. Ähnliche Werte ergaben sich auch bei Keramikern, Hilfsarbeitern und Arbeitnehmern in Metallberufen. Erschreckend ist, dass 6,4 Prozent der Beitragszahler schon vor dem 40. Lebensjahr auf eine Erwerbsminderungsrente angewiesen sind.
Die Konsequenz: Viele müssen mit Rentenabschlägen rechnen, wenn sie vorzeitig in den Ruhestand wechseln. Von 2003 bis 2008 stieg die Zahl der Versicherten, denen die Rente entsprechend gekürzt wurde, von 33,9 auf 46,6 Prozent. Sie erhalten für jeden Monat, den sie vor dem 65. Geburtstag aufhören, 0,3 Prozent weniger Rente. Bei drei Jahren und zwei Monaten, die die Deutschen im Schnitt eher das Rentnerdasein genießen wollen, wären das rund 115 Euro, auf die man Monat für Monat verzichten muss. Steigt das gesetzliche Rentenalter auf 67, könnten die Einbußen deutlich höher ausfallen.
Zum Vergleich einige Berufe und die aktuellen Daten: Von den Ingenieuren, Chemikern, Physikern und Mathematikern gehen 6,6 Prozent in Frührente, beziehen 35,7 Prozent ihre Rente mit 65 Jahren und erhalten 55,1 Prozent eine Rente mit Abschlägen. Das durchschnittliche Rentenalter beträgt 63 Jahre. Bei den Bauberufen liegt die Quote der Frührentner bei 36,8 Prozent und gehen nur 18,3 Prozent mit 65 in Rente. Das Rentenalter liegt im Schnitt bei 62,7 Jahren, wobei 61,8 Prozent eine Rente mit Abschlägen ausgezahlt bekommen.
