„Der Rentenbetrag ändert sich daher nicht“, steht in 20 Millionen Rentenbriefen, die dieser Tage verschickt werden. Das ist allemal unerfreulich, aber schon seit Wochen und Monaten bekannt. Zumal: Es hätte viel schlimmer kommen können. Wäre die Rentengarantie voriges Jahr nicht beschlossen worden, hätten die deutschen Rentnerinnen und Rentner statt einer Null- eine Minusrunde hinnehmen müssen, weil die Löhne dank Wirtschaftskrise gesunken sind und die Rente nach wie vor an die Lohnentwicklung gekoppelt ist. Ganz ohne Folgen bleibt dieser Schritt allerdings nicht.
Rentenexperte Professor Bernd Raffelhüschen geht davon aus, dass die Rentengarantie die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer bis zum Jahr 2017 mit rund 5,1 Milliarden Euro belasten wird. Gegenüber der Bild-Zeitung erklärte er: „Der Spielraum für zeitweilige Beitragssenkungen ist weg.“ Der Experte moniert angesichts der Garantie eine „Verballhornung des Solidaritätsbegriffes“. Die Last werde ausschließlich von den Beschäftigten getragen. Das sehen die Sozialverbände anders. Ulrike Mascher, Chefin des VdK, spricht aufgrund der steigen Kosten und drohenden Zusatzbeiträge in der gesetzlichen Krankenversicherung schon jetzt von einer Minusrunde für Rentner. Würde an der Garantie gerüttelt, droht der VdK mit Protesten.
Die FDP möchte das Problem von einer ganz anderen Seite angehen. Sie nimmt die Nullrunde zum Anlass, die Hinzuverdienstgrenzen für Ruheständler einreißen und komplett abschaffen zu wollen. Ziel sei, das Thema noch in diesem Jahr in Angriff zu nehmen, so der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Heinrich Kolb. „Fast jeder zweite Arbeitnehmer geht vor 65 und mit Abschlägen in Rente. Oft müssen sie ihre Rente mit einem Job aufbessern. Die Ruheständler sollen dabei so viel verdienen können wie sie wollen“, betonte er. Die Hinzuverdienstgrenze für Frührentner liegt aktuell bei 400 Euro im Monat.
