Der Eckrentner – eher Wunsch als Realität

April 14th, 2010 by Andre | Filed under Statistik.

Die Deutschen lieben Normen. In vielen Bereichen macht das durchaus Sinn. Zum Beispiel, dass ein Blatt Papier im Format DIN A4 immer 210 Millimeter breit und 297 Millimeter hoch ist. Wenn es aber um Menschen und ihre Lebensläufe geht, gibt es keine passgenauen Schubladen und scheitern Standards bereits an dem Tag, an dem sie eingeführt werden, weil die Aussagekraft gegen Null tendiert. Das beweist keiner besser als der sogenannte Eckrentner oder auch Standardrentner. Ihn gibt es auf dem Papier. Im wahren Leben dürfte er die berühmte Nadel im Heuhaufen sein.

Es ist der Max Mustermann unter den Rentnern. Die Statistiker der Deutschen Rentenversicherung haben ein recht klares Bild von ihm entworfen. Der Mann zählt 65 Lenze und hat seit seinem 20. Lebensjahr durchgehend gearbeitet. Auf seinem Rentenkonto wurden demnach 45 Beitragsjahre verbucht. Bis zu diesem Punkt sollte es mehrere Rentner geben, die den Vorgaben entsprechen. Das ändert sich ganz schnell, wenn es um das Einkommen geht. Der Eckrentner verdiente immer exakt das Durchschnittsgehalt aller deutschen Beitragszahler. Wie wahrscheinlich es ist, dass jemand 45 Jahre lang genau in der Schnittmenge liegt, kann sich jeder selbst ausrechnen.

Die Kritik am Standardrentner setzt an diesem Punkt an. Denn als Berufsanfänger bereits so viel zu verdienen, dass es dem durchschnittlichen Niveau aller Arbeiter und Angestellten entspricht, ist selbst in gut bezahlten Jobs eher Utopie. Während der Lehrjahre werden die Beiträge deutlich niedriger ausfallen als kurz vor der Rente. Ein weiterer Makel des Eckrentners ist sein Lebenslauf. Die wenigsten können heute noch 45 ununterbrochene Beitragsjahre nachweisen. Das (Berufs)Leben hat mehr Ecken und Kanten bekommen und ist in vielen Betrieben von Frühpensionierungen geprägt. Bei Frauen kommt hinzu, dass alleine schon die Babypausen einen Strich durch die Norm machen.

Was dabei herauskommt, den Rentner zu standardisieren, belegen die Zahlen. Würde man es tatsächlich schaffen, das Leben eines Eckrentners zu führen, käme man in den alten Bundesländern auf eine Rentenauszahlung von 1.224 Euro. In den neuen Bundesländern wären es 1.085,85 Euro. Das sind ganz passable Werte, haben aber rein gar nichts mit der Wirklichkeit zu tun. Der Durchschnittsrentner aus Fleisch und Blut bezieht im Westen 651 Euro und im Osten 742 Euro. Diese Daten sind pure Statistik, die für den Standardrentner schon seit Jahren überholt.

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