„Rente verkommt zum Hungerlohn“, titelt Spiegel-Online und schlägt damit in die gleiche Kerbe wie die meisten Medien. Das Rentensystem stehe vor dem Kollaps und biete laut Berechnungen des Institutes für Altersvorsorge zukünftigen Durchschnittsrentnern nicht mehr als das heutige Hartz-IV-Niveau. Keine guten Aussichten, insbesondere für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die als Geringverdiener eingestuft werden.
Das Rentenniveau sinkt kontinuierlich. In den fünfziger Jahren lag man bei 57 Prozent, vor wenigen Jahren waren es 48 Prozent und 2040 stehen aller Voraussicht nach nur noch 40 Prozent zu Buche. Für die Generation, die in 30 Jahren in Rente geht, heißt das nichts anderes, als dass sie 20 Prozent weniger erhalten wird als Arbeitnehmer, die kürzlich in den wohlverdienten Ruhestand gewechselt sind. Dabei handele es sich nicht um eine Rentenkürzung im eigentlichen Sinne, doch genau so werde die Entwicklung empfunden. Zudem, betont Finanzwissenschaftler Bernd Raffelhüschen: „In Zukunft lässt sich mit der gesetzlichen Rente nicht mehr der aus dem Erwerbsleben gewohnte Lebensstandard sichern.“
Hoffnung, dass die Renten in den kommenden Jahren steigen, sollte man sich nicht machen. Bis 2016 würden sie nur minimal angehoben. Derzeit müsse erst noch der Rückstand aufgeholt werden, der durch die vorherigen Rentenanpassungen – die höher ausfielen als vom Gesetz vorgesehen – aufgelaufen sei. Das mache sich jetzt bemerkbar. Darüber hinaus greife die Inflation. Ein kleines Renten-Plus werde damit gleich wieder zunichte gemacht und gehe mit einem realen Kaufkraftverlust einher. Das Deutsche Institut für Altersvorsorge hat für Spiegel Online eine Tabelle erstellt, aus der zu ersehen ist, wie hoch die Rente angesichts des Bruttoeinkommens sein könnte und was man sich dafür leisten kann.
Dazu ein Beispiel: Bei einem Bruttoeinkommen von 1.500 Euro würden Arbeitnehmer Jahrgang 1955, die 2020 in Rente gehen 779 Euro nominal und 624 Euro real erhalten. Beim Geburtenjahrgang 1965 mit einem Rentenbeginn im Jahr 2032 sind es 1040 Euro (667 Euro), Jahrgang 1975 (2042) erhält 1397 Euro (732 Euro) und Jahrgang 1985 (2052) 1698 Euro (727 Euro). Ausgehend von einem Bruttoeinkommen von 3.500 Euro wären es: Geburtenjahrgang 1955/ Rentenbeginn 2020 1552 Euro nominal/1243 Euro real, 1965/2032 2118 Euro/1358 Euro, 1975/2042 2800 Euro/1467 Euro und 1985/2052 3035 Euro/1299 Euro. Berücksichtigt werden dabei eine Inflation von zwei Prozent und eine Lohnsteigerung von 2,5 Prozent. Für Einkommen von 1.500 bis 2.500 Euro gehen die Analysten von einem Beginn der Beitragszeit mit 25 Jahren, bei Beträgen darüber mit 30 Jahren aus.
Die Zahlen hätten allerdings einen Hake: Sie gingen vom Standardrentner aus, den es längst nicht mehr gebe. „Heute haben immer mehr Lebensläufe Brüche, an eine Festanstellung schließt sich mal eine freie Tätigkeit oder Teilzeitarbeit an und auch mal eine Phase der Arbeitslosigkeit“, erklärt der Spiegel. Hinzu komme, dass viele Arbeitnehmer höchstens von Lohnerhöhungen träumen dürften und weniger verdienten als durchschnittlich angenommen. Das sorge dafür, dass immer mehr Menschen im Alter auf die Grundsicherung angewiesen seien. Seit 2003 sei die Zahl der Betroffenen um fast zwei Drittel gestiegen und werde weiter steigen. Um überhaupt Hartz-IV-Niveau zu erreichen, müsse bei einem Bruttoeinkommen von 1.500 Euro aktuell 43 Jahre in die Rentenkasse gezahlt werden. Bei 2.500 Euro sind es 26 Jahre, bei 3.500 Euro 18 Jahre, bei 4.500 Euro 14 Jahre und bei 5.500 Euro zwölf Jahre.
Düstere Aussichten also – insbesondere angesichts folgender Rechnung: Würde es ein 20-Jähriger schaffen, heute das Leben des Standardrentners zu führen, erhielte er 2050 2.700 Euro Rente. Würde er die Beiträge aber anlegen und mit 3,5 Prozent verzinsen lassen, ein Wert, der durchaus realistisch ist, lägen nach 45 Jahren eine Millionen Euro auf dem Konto.
