Darüber, dass sich die Wirtschaftskrise vermutlich stärker auf die Rente auswirken wird als bislang angenommen, haben wir bereits berichtet. Das Thema ist inzwischen auch auf politischer Ebene zum Dauerbrenner geworden. Auslöser waren die Forschungsergebnisse zur Krise und ihren Folgen, die das Mannheimer Research Institute for the Economics of Aging (MEA) veröffentlicht hat.
Die Experten gehen davon aus, dass Geburtenjahrgänge ab 1960 rund sechs bis neun Prozent weniger Rente erhalten werden. Im Schnitt ergebe sich ein Minus von acht Prozent. Je später der Renteneintritt erfolge, desto höher seien die Verluste. Wer 45 Jahre in die Rentenkasse einzahle und 2015 in Rente gehe, werde rund 92 Euro weniger im Geldbeutel haben. Bei einem Durchschnittseinkommen ergebe sich eine Rente von 1263 Euro statt der bislang prognostizierten 1355 Euro. Für die jüngere Generation würden die Nachbeben der Krise noch deutlicher zu spüren sein: 110 Euro Minus bei einem Renteneintritt im Jahr 2020 und bis zu 194 Euro weniger, wenn die Rente erstmals 2040 gezahlt werde.
Die Zahlen beruhen auf der Annahme, dass die Lohnsteigerungen in den kommenden Jahren eher gering ausfallen. Ein Rentenexperte der MEA sagte gegenüber der „Welt“: „Die Arbeitnehmer und Beitragszahler werden wegen der Wirtschaftskrise Lohneinbußen hinnehmen müssen. Langfristig können die Einkommen bis zu acht Prozent niedriger liegen als vor der Krise erwartet.“ Da Lohn- und Rentenentwicklung aneinander gekoppelt seien, ergebe sich eine niedrigere Rente. Diese langfristigen Wirkungen könne auch die Rentengarantie nicht vermeiden, ergänzt MEA-Direktor Axel Börsch-Supan.
Die Reaktionen auf die Berechnungen des Forschungsinstitutes fallen recht unterschiedlich aus. Die Deutsche Rentenversicherung und das Bundesarbeitsministerium gehen ihrerseits nicht davon aus, dass das Lohnniveau dauerhaft sinkt. Der Sozialverband VdK fordert, dem Trend mit Lohnsteigerungen entgegenzutreten. Arbeitnehmer müssten mit deutlichen Lohnerhöhungen am Aufschwung beteiligt werden, damit auch die Rente wieder ins Lot komme.
