Die Auswirkungen der Krise auf die Rente

September 24th, 2009 by Andre | Filed under News, Politik, Rente.

Das Mannheimer Forschungsinstitut Ökonomie und Demographischer Wandel (MEA) sagt für die gesetzliche Rente massive Veränderungen aufgrund der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise voraus. Mittelfristig erwartet MEA-Direktor Axel Börsch-Supan steigende Beiträge. Langfristig hingegen müsse man sich auf deutlich niedrigere Rentenzahlungen gefasst machen. Keine guten Aussichten also, zumindest aus Sicht der Wissenschaftler. Das Arbeitsministerium widerspricht derlei Prognosen. Sie seien nur tragbar, wenn die Krise sich dauerhaft auf das derzeitige Lohnniveau auswirke. Davon sei allerdings nicht auszugehen.

Axel Börsch-Supan begründet seine kritische Sicht mit der steigenden Arbeitslosigkeit, den stagnierenden, teilweise sogar sinkenden Löhnen und der Kurzarbeit. Diese Faktoren würden die Einnahmebasis der Rentenversicherung angreifen. Innerhalb der nächsten zehn Jahre sei eine Erhöhung des Beitragssatzes um rund 0,5 Prozent daher unumgänglich. Auf der anderen Seite wirke sich die Krise auf mögliche Rentensteigerungen aus. Sie würden in den nächsten Jahren um rund einen Prozentpunkt niedriger ausfallen. Auf lange Sicht betrachtet ergäben sich daraus niedrigere Rentenzahlungen und ein geringerer Rentenwert.

Für die Generation der so genannten Babyboomer und jüngere Beitragszahler bringe das besonders tiefe Einschnitte mit sich. Abhängig von der Stärke der Krise falle die Rente eines 1964 Geborenen, der 2031 in den Ruhestand gehe, um 5,9 bis 9,4 Prozent geringer aus – bezogen auf die Zahlen, die 2008 im Rentenversicherungsbericht genannt wurden.

Gerade die langfristigen Auswirkungen der Krise könnten, so Axel Börsch-Supan, auch durch die Rentengarantie der Bundesregierung nicht aufgefangen werden. Im Gegenteil: „Das Rentenkürzungsverbot schwächt den Rentenanpassungseffekt und konterkariert damit den bislang im Rentensystem eingebauten Ausgleich zwischen den Generationen.“ Das gefährde auf Dauer das Rentensystem.

Betroffen wären in erster Linie die jüngeren Jahrgänge, die ohnehin mit einer deutlich niedrigen Rendite ihrer Rentenzahlungen leben und für die Garantie zahlen müssten. Das Forschungsinstitut spricht von einem um 0,4 bis 0,7 Prozent höheren Beitragssatz. Dass die Rentengarantie demnächst sogar greifen muss, ist nicht sehr unwahrscheinlich. Die Bruttomonatslöhne sind um 1,0 Prozent gesunken. Die Kurzarbeit nimmt zu und Sonderzahlungen sowie Schichtzulagen sackten um 9,2 Prozent ab. Rutschen die Nominallöhne, auf das gesamte Jahr betrachtet, ins Minus, ist die Garantie gefragt.

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