Die Riester-Rente im Überblick

September 2nd, 2010 by Andre | No Comments | Filed in Altersvorsorge

Mit fast 14 Millionen Verträgen gehört die Riester-Rente zu den beliebtesten Modellen für die private Altersvorsorge. Den Schwerpunkt bilden dabei nach wie vor klassische Rentenversicherungen mit Garantieverzinsung. Doch es gibt weit mehr Optionen, angefangen beim Banksparplan über Fondssparen bis hin zum Wohn-Riester in Form eines Baudarlehens oder eines Bausparvertrages. Welcher der Riester-Verträge für wen interessant ist und worauf man achten muss, hat die Stiftung Warentest zusammengestellt.

Banksparplan: Empfohlen wird der Banksparplan für Kunden ab Mitte 40 und generell jeden, der künftig eine Immobilie kaufen möchte. Bei der Rendite müssen allerdings Abstriche in Kauf genommen werden. Sie orientiert sich an den Kapitalmarktzinsen und ist aktuell auf einem sehr niedrigen Niveau. Dafür entfallen die Kosten für den Abschluss oder einen Wechsel und ist der Ertrag von Anfang an planbar.

Fondssparen: Im Rahmen der privaten Altersvorsorge von Kursgewinnen an den Börsen zu profitieren, eignet sich aus Sicht der Stiftung Warentest vor allem für junge Sparer bis Mitte 30. Auch hier gilt eine Mindestgarantie für die eingezahlten Beiträge und die Zulagen vom Staat. Negativ fallen die Kosten auf. Hierunter fallen unter anderem die Ausgabeaufschläge für die Fonds sowie die laufenden Kosten. Hinzu kommt: Der Ertrag ist ungewiss.

Klassische Rentenversicherung: Bequeme Sparer ab Mitte 30 bis 50, die langfristig ein sicheres Einkommen haben, sollten eine klassische Riester-Rentenversicherung abschließen. Hier gibt es zusätzlich zur Mindestgarantie eine variable Überschussbeteiligung. Damit ist zumindest beim garantierten Teil der Rente eine sehr gute Planbarkeit gewährleistet. Die Kosten für Verwaltung, Abschluss und einen möglichen Wechsel werden hingegen als „weniger günstig“ eingestuft.

Fondsgebundene Rentenversicherung: Dieses Riester-Modell legen die Experten nur sehr wenigen Sparern ans Herz. „Teurer Versicherungsmantel schmälert Renditechancen“, heißt es dazu im Vergleich. Das heißt: Die Kosten sind vergleichsweise hoch, denn zu den reinen Abschluss- und Verwaltungskosten kommen noch Gebühren für die Fonds. Ein Wechsel ist aufgrund der bereits bezahlten Kosten „ungünstig“ und die Rendite ungewiss.

Bausparen: Wer auf den Wohn-Riester setzt und sich für das Bausparen entscheidet, erhält zwar nur niedrige Guthabenzinsen von 0,5 bis 1,5 Prozent, hat dafür aber die Option auf ein günstiges Darlehen und eine Zinsgarantie für die gesamte Spar- und Darlehensphase. Interessant ist diese Option nur, wenn später auch ein Immobilienkredit aufgenommen wird. Sonst wäre es lediglich ein mager verzinster Sparvertrag mit einer weitgehend ungewissen Rente.

Baudarlehen: „Sparer, die jetzt eine Immobilie kaufen wollen, die sie selbst nutzen werden.“ Dieser Zielgruppe rät die Stiftung Warentest zum Baudarlehen im Rahmen des Wohn-Riesters. Durch die schnellere Tilgung werden Zinsen gespart. Daraus ergibt sich eine sehr hohe Rendite, unter anderem Dank der Zinsgarantie. Dafür mangelt es ein wenig an Flexibilität, weil die Zinszahlung nicht ausgesetzt werden kann. Positiv bewertet wird dank der langen Zinsbindung die Planbarkeit.

Kritik an der SPD-Entscheidung zur Rente mit 67

August 26th, 2010 by Andre | No Comments | Filed in Allgemein, Politik, Rente

„Was bei der Verabschiedung der Rente mit 67 richtig war, ist auch heute noch richtig“, sagt der Präsident des Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall, Martin Kannegiesser. Er reagiert damit auf die Entscheidung des SPD-Präsidiums, die ursprünglichen Pläne zur schrittweisen Anhebung des Rentenalters zu kippen. Seiner Ansicht nach handelt die SPD – die den Beschluss zur Rente mit 67 seinerzeit zusammen mit der CDU/CSU unterschrieben hatte – „fahrlässig und populistisch“. Aus der demographischen Entwicklung gebe es kein Entrinnen.

Die Große Koalition hatte sich in einem „gewaltigen politischen Kraftakt“ (Kannegiesser) darauf verständigt, das Renteneintrittsalter ab 2012 nach und nach auf 67 Jahre anzuheben. Die SPD rudert jetzt zurück und möchte erst sicherstellen, dass mindestens 50 Prozent der 60- bis 64-Jährigen einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung nachgehen können. Sobald diese Voraussetzung erfüllt ist, soll die Verlängerung der Lebensarbeitszeit in Angriff genommen werden. Der Startschuss würde dann, so das SPD-Präsidium, frühestens 2015 fallen.

Der Arbeitgeberverband Gesamtmetall hält nichts davon, zurück zu rudern. Die Rente mit 67 komme nicht, wie von vielen angenommen, von heute auf morgen, sondern werde erst 2029 voll wirksam. Innerhalb dieses Zeitfensters werde sich der Arbeitsmarkt drastisch verändern und hätten Ältere weitaus bessere Chancen als es heute der Fall sei.

In diesem Zusammenhang sollte die jüngste Statistik der Deutschen Rentenversicherung nicht übersehen werden. Demnach ist die Zahl derer, die krankheitsbedingt in Frührente gehen, in den vergangenen Jahren deutlich angestiegen. 2009 waren 171.129, damit 10.000 mehr als im Vorjahr. Hauptgrund für eine Erwerbsminderung sind seit 2001 psychische Gründe.

Neue Konzepte zum Renteneintrittsalter

August 19th, 2010 by Andre | No Comments | Filed in Politik, Rente

Das zukünftige Renteneintrittsalter wird auch weiterhin für Zündstoff sorgen. Selbst innerhalb der Parteien sind derzeit noch keine klaren Linien zu erkennen. Dafür zeichnet sich eine wachsende Mehrheit ab, die von der Entscheidung der Großen Koalition, ab 2012 stufenweise die Rente mit 67 einzuführen, Abstand nehmen möchte. Das gilt unter anderem für die SPD-Linke und die FDP. Die Liberalen sprechen sich für eine flexiblere Lösung aus, die eher den Bedürfnissen der Bürger entgegenkommen soll.

Dass es unter der Oberfläche brodelt, insbesondere bei den Sozialdemokraten, sollte nicht überraschen. Die SPD hat die Rente mit 67 mitgetragen und müsste jetzt einen Fehler eingestehen. Einen Kompromiss soll es laut Bild-Zeitung bereits geben, wenngleich er vom Parteivorstand dementiert wird. Dem Zeitungsbericht zufolge sind Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier und Parteichef Siegmar Gabriel übereingekommen, die Einführung der Rente mit 67 auf das Jahr 2015 zu verschieben. Darüber hinaus sollen Ausnahmeregelungen für Arbeitnehmer, die körperlich besonders schwer arbeiten, formuliert werden. „Die Anhebung des Rentenalters kann erst erfolgen, wenn ältere Arbeitnehmer auch wirklich eine Chance auf dem Arbeitsmarkt haben“, so Gabriel.

Dieser neue Ansatz wird weder von der SPD-Linken noch den Juso (Jungsozialisten) begrüßt. „Der angebliche Kompromissvorschlag von Steinmeier ist keiner“, betont der Juso-Bundesvorsitzende Sascha Vogel. Er plädiert dafür, die falsche Entscheidung zu korrigieren. Diesbezüglich müsse vom Parteitag ein klares Signal ausgehen. Anderenfalls wollen sich die Jusos für einen Mitgliederentscheid stark machen.

Der Vorschlag der FDP geht entschieden weiter als der aus den Reihen der SPD. „Es ist Sache des Einzelnen zu entscheiden, wann er aufhören will zu arbeiten, nicht die Sache des Staates“, sagt FDP-Fraktionschef Heinrich Kolb. Dementsprechend soll der Renteneintritt bereits mit 60 Jahren möglich sein, allerdings nur mit Abstrichen und auch nur dann, wenn die Rentenansprüche über dem Grundsicherungsniveau liegen. Damit trägt jeder selbst die Kosten für einen vorzeitigen Ausstieg aus dem Arbeitsleben. „Die dann fälligen Abschläge, die derzeit 3,6 Prozent pro Jahr betragen, müssen versicherungsmathematisch korrekt sein, damit die Beitragszahler nicht zusätzlich belastet werden“, so Kolb. Sonst ließe sich keine Akzeptanz für die Rente mit 67 erreichen.

Rentenfonds-Idee wird heftig kritisiert

August 11th, 2010 by Andre | No Comments | Filed in News, Politik, Rente

Das Thema Rente mit 67 ist für die SPD inzwischen zur Büchse der Pandora geworden. Einmal geöffnet, nimmt das Unheil seinen Lauf und hat die SPD in dem Fall ihre Glaubwürdigkeit gekostet. Denn die Basis der Sozialdemokraten ist ganz und gar nicht damit einverstanden, das Rentenalter ab 2011 schrittweise auf 67 anzuheben. Das kümmert Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier herzlich wenig. Er gehört zu den Verfechtern der Rente mit 67. Sein Parteikollege, der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck, ist da schon eher zu Kompromissen bereit und setzt auf flexible Lösungen, die von anderer Seite aber gleich wieder im Keim erstickt werden.

„Wir müssen zuerst einen Nachweis führen, dass Leute, die länger arbeiten sollen, auch eine Chance dazu haben“, so Beck. In diesem Punkt stimmen ihm viele Politiker zu und nehmen das zum Anlass, die Rente mit 67 vorerst aussetzen zu wollen. Diese Option ist dank der im Gesetz verankerten Überprüfungsklausel gegeben. Terminiert ist die Überprüfung für den November. Darauf spielt Kurt Beck allerdings nicht an. Ihm geht es vielmehr um flexible Lösungen. Sein Vorschlag: Ein privates Rentenkonto, in das die Tarifparteien einzahlen und das vom Staat steuerlich gefördert wird. Laut des rheinland-pfälzischen Ministerpräsidenten sei durchaus denkbar, Lohnerhöhungen teilweise in diesen Fonds fließen zu lassen.

Mit dem Geld soll der Übergang in die Rente finanziert und ein möglicher Rentenabschlag kompensiert werden, der bei einem vorzeitigen Rentenbeginn fällig würde. „Wenn einer nur noch drei Tage arbeiten kann, dann könnten die zwei Tage über den Rentenfonds ausgeglichen werden“, meint Kurt Beck. Statt in Rente zu gehen, stünden ältere Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer dem Betrieb dadurch weiterhin zur Verfügung. Eingerichtet werden soll das private Rentenkonto über die Betriebsrentensysteme oder die gesetzliche Rentenversicherung.

Der Vorschlag klingt plausibel, trifft aber auf heftige Gegenwehr. Das Arbeitsministerium sieht das Konzept als Anreiz, früher in Rente zu gehen. Das eigentliche Ziel sei aber, möglichst viele Bürger bis 67 im Job zu halten. Der Deutsche Gewerkschaftsbund moniert eher den finanziellen Aspekt und lehnt einen „Verschiebebahnhof“ ab. „Es kann nicht sein, dass die Politik zuerst das Rentenalter erhöht und die geförderte Altersteilzeit abschafft und anschließend die Tarifpartner auffordert, die entsprechende Rentenlücke mit Lohnprozenten zu schließen“, so DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach. Wie es nun weitergehen soll, steht am 23. August im SPD-Präsidium zur Debatte. Favorisiert wird bislang die Aussetzung der Rente mit 67.

Die Debatte um die Rentengarantie

August 5th, 2010 by Andre | No Comments | Filed in News, Politik, Rente

Im Rahmen einer Pressekonferenz stand Vizekanzler Guido Westerwelle (FDP) in dieser Woche Rede und Antwort unter anderem zu den Themen Rente und Rentengarantie.

Angestoßen wurde die Debatte von Wirtschaftsminister Rainer Brüderle. Er hatte gefordert, die Garantie abzuschaffen, weil die Renten auf Dauer nicht stärker steigen können als die Löhne. Ähnlich argumentierte jetzt auch Unionsfraktionsvize Michael Fuchs: „Ich bin dafür, dass wir den Rentnern in der Krise geholfen haben. Aber die Krise ist jetzt vorbei.“ Die Garantie war 2009 von der großen Koalition eingeführt worden, mit dem Ziel, die Rentenzahlungen auch bei sinkenden Löhnen stabil zu halten.

Für Guido Westerwelle steht die Abschaffung der Rentengarantie im Moment nicht zur Debatte. „Praktisch stell sich die Frage zurzeit nicht“, unterstrich der Vizekanzler. Denn: Die Regierung rechne in den kommenden Jahren fest mit Einkommenszuwächsen bei den Löhnen. Außerdem, das habe auch Rainer Brüderle immer wieder betont, gebe es in der Koalition keinerlei Vereinbarungen über etwaige Änderungen.

Grundsätzlich gehe es bei diesem Thema um die Tragfähigkeit der sozialen Sicherungssysteme, insbesondere in Zeiten, „in denen sich die Altersstruktur unserer Bevölkerung verändert“. „Die Menschen werden älter. Das ist ein Thema, das auf eine Tagesordnung gehört“, so Westerwelle. Darüber zu diskutieren, sei typisch für eine Gesellschaft mit politischer Landschaft.

Diskussionsbedarf wird es auch bei der Entwicklung der Hartz-IV-Sätze geben. Sie sollen künftig nicht mehr an die Rente, sondern an die Nettolöhne respektive die Inflation gekoppelt werden. Guido Westerwelle verwies hierbei auf das Lohnabstandsgebot. Das besagt nichts anderes, als dass Menschen, die arbeiten, ein höheres Einkommen haben müssen also Empfänger von staatlichen Leistungen.

„Es muss so sein, dass sich ordentliche Arbeit auch ganz persönlich lohnt“, wiederholte der FDP-Chef seine schon mehrmals aufgestellte Forderung. Die Rente sei das Ergebnis von lebenslangem Arbeiten und stelle kein Almosen dar. „Die Rente ist die Gegenleistung für ein Leben voll harter Arbeit“, so Westerwelle. Das müsse man auch im Zusammenhang mit Hartz IV sehen.

Berufseinsteiger sollten die private Altersvorsorge nicht auf die lange Bank schieben

Juli 15th, 2010 by Andre | No Comments | Filed in Allgemein

Für viele Schulabgänger beginnt in Kürze der viel zitierte „Ernst des Lebens“. Sie beginnen eine Ausbildung, erhalten ihren ersten Lohn und sind damit auch gesetzlich rentenversichert. Das Thema Ruhestand scheint für Jugendliche zu diesem Zeitpunkt zwar noch in weiter Ferne, doch es gilt: „Heute schon an morgen denken.“ Das rät aktuell nicht nur die Bundesregierung, sondern ist beinahe schon das Credo der vergangenen Jahre. Je eher der Grundstein für die private Altersvorsorge gelegt wird, idealerweise direkt zum Berufsstart, desto besser. Empfohlen wird dazu die staatlich geförderte Riester-Rente.

Um in den Genuss der Zulage in Höhe von 154 Euro im zu kommen, müssen insgesamt vier Prozent des rentenversicherungspflichtigen Einkommens in den Vertrag eingezahlt werden – inklusive der Zulage. Bereits ab fünf Euro im Monat, also einer jährlicher Sparleistung von 60 Euro, ist man dabei. Das macht die Riester-Rente gerade für Berufseinsteiger, die noch nicht so viel verdienen, zu einem interessanten Vorsorgemodell. Zum einen buttert der Staat Jahr für Jahr eine nicht unerhebliche Summe zur privaten Altersvorsorge bei. Zum anderen orientieren sich die eigenen Sparbeiträge am Einkommen und sorgen für Flexibilität – immer vorausgesetzt, die Vier-Prozent-Marke wird eingehalten. Dafür sollte man den Vertrag Jahr für Jahr anpassen und sich bei der Versicherung oder Bank melden.

Diese Vorteile werden bei jungen Riester-Sparern um einen weiteren Bonus aufgestockt: Wer sich bis zum 25. Lebensjahr dazu entschließt, mit einem Riester geförderten Vertrag für das Alter vorzusorgen, erhält einen einmaligen Bonus von 200 Euro. „Wer früh mit dem Vorsorge-Sparen anfängt, kommt mit weniger Einsatz zu einer lukrativen Zusatzrente“, verspricht die Bundesregierung und präsentiert dazu eine Rechnung. Bei einer Vergütung von 7.200 Euro im Jahr müssen 288 Euro in den Riester-Vertrag eingezahlt werden. Abzüglich der Zulage von 154 Euro bleibt ein Eigenanteil von 134 Euro. Wer am Ball bleibt, heiratet und später auch Kinder hat, erhält für den Nachwuchs ebenfalls einen Zuschuss: 300 Euro für jedes ab 2008 geborene Kind. Jugendlichen, die sich näher mit dem Thema befassen wollen, werden die kostenlose Kurse „Altersvorsorge macht Schule“ ans Herz gelegt, die von den örtlichen Volkshochschulen angeboten werden.

EU-Grünbuch zur Sicherung der Rente

Juli 8th, 2010 by Andre | No Comments | Filed in Politik, Rente, Statistik

Dass die Menschen in Europa immer älter werden, ist kein Geheimnis. Auch die Tatsache, dass die demografische Entwicklung maßgeblich Einfluss auf die Altersvorsorge hat, ist hinlänglich bekannt. Wie darauf reagiert werden kann und welche Lösungen die EU für sinnvoll hält, zeigt das Diskussionspapier zur Sicherung der Renten- und Pensionssysteme, das am Mittwoch vorgestellt wurde. Erste Anregungen aus dem sogenannten Grünbuch waren schon vor über einem Monat bekannt worden, zum Beispiel das Rentenalter schrittweise auf 70 Jahre anzuheben.

Der Sozialkommissar der EU, Lásló Andor, nahm der Diskussion um die Rente mit 70 bei der Präsentation des Grünbuchs ein wenig die Luft aus den Segeln und erklärte, es handle sich um Gerüchte, „die jeglicher Grundlage entbehren“. Die Kommission könne und wolle den einzelnen Ländern weder das Rentenalter noch den Zuschnitt der Rentensysteme vorschreiben. Vielmehr gehe es darum, eine Debatte über die Rentensysteme anzuregen und sich darüber zu informieren, inwieweit auch die EU einen Beitrag leisten könne. Grundsätzlich gibt es aus Sicht von Andor derzeit nur drei Alternativen: Ein geringeres Einkommen im Ruhestand, höhere Beiträge zur Altersvorsorge oder länger und mehr zu arbeiten, was von ihm befürwortet werde.

Wie es um das aktuelle Durchschnittsrentenalter bestellt ist, lässt sich dem Diskussionspapier der EU entnehmen. In der Zeit von 2001 bis 2008 stieg das Renteneintrittsalter in den 27 EU-Staaten von 59,9 auf 61,4 Jahre. Rumänien liegt mit 55,5 Jahren am Ende der Skala. Am längsten müssen derzeit die Iren arbeiten. Sie kommen auf einen Schnitt von 64,1 Jahren. Einige Nationen haben bereits reagiert. So beschloss Großbritannien, das gesetzliche Rentenalter auf 68 Jahren anzuheben. In Dänemark und Deutschland geht es in den kommenden Jahren schrittweise Richtung 67. Blickt man auf die Prognosen für das Jahr 2060, sieht es alles andere als rosig aus. Derzeit kommen auf einen Bürger über 65 noch vier Personen im erwerbstätigen Alter. In 50 Jahren liegt die Quote bei 1:2.

Die Vorschläge der EU, wie sie auf die künftige Altersvorsorge Einfluss nehmen kann, betreffen unter anderem die betriebliche Vorsorge. Der Kommission spricht in diesem Zusammenhang von Rechtslücken bei Pensionsfonds, wünscht sich mehr Schutz vor einer Insolvenz der Arbeitgeber und möchte eine grenzüberschreitende Übertragbarkeit der Rentenansprüche. Damit stößt die Europäische Union in der Bundesrepublik auf wenig Gegenliebe. Bürokratische Portabilitätsrichtlinien seien zu aufwendig, so Peter Weis, rentenpolitischer Sprecher von CDU/CSU. Damit bestehe die Gefahr, dass die Unternehmen die freiwillige Leistung einstellen. Das befürchtet auch Christine Haderthauer. Die bayerische Sozialministerin sieht in dem Vorstoß eine „unzumutbare Belastung für deutsche Arbeitgeber“.

Das durchschnittliche Rentenalter liegt bei 63,2 Jahren

Juli 1st, 2010 by Andre | No Comments | Filed in Rente, Statistik

Die Bundesregierung möchte die Rente mit 67, während die EU langfristig von einem Renteneintrittsalter von 70 Jahren ausgeht. Wie weit diese Zahlen von der Realität entfernt sind, beweist ausgerechnet eine Statistik der Regierung, die jüngst von der Bild-Zeitung veröffentlicht wurde. Demnach arbeiten die meisten Bürger schon heute nicht mehr bis zum gesetzlichen Rentenalter, sondern hören wesentlich eher auf. Im Schnitt haben im Jahr 2008 nur 35,6 Prozent der Angestellten und Arbeiter den Hammer tatsächlich erst mit Beginn des 65. Lebensjahres fallen lassen.

Dass es sich bei diesem Wert lediglich um den Durchschnitt handelt, beweist ein Blick auf die einzelnen Branchen. Denn gerade in körperlich anstrengenden Berufen ist die Quote derer, die vorzeitig in Rente gehen deutlich höher. Bei den Bergleuten arbeiteten 2008 lediglich 10,5 Prozent bis 65. Die Mehrheit, 43,6 Prozent, entschied sich für die Frührente. Ähnliche Werte ergaben sich auch bei Keramikern, Hilfsarbeitern und Arbeitnehmern in Metallberufen. Erschreckend ist, dass 6,4 Prozent der Beitragszahler schon vor dem 40. Lebensjahr auf eine Erwerbsminderungsrente angewiesen sind.

Die Konsequenz: Viele müssen mit Rentenabschlägen rechnen, wenn sie vorzeitig in den Ruhestand wechseln. Von 2003 bis 2008 stieg die Zahl der Versicherten, denen die Rente entsprechend gekürzt wurde, von 33,9 auf 46,6 Prozent. Sie erhalten für jeden Monat, den sie vor dem 65. Geburtstag aufhören, 0,3 Prozent weniger Rente. Bei drei Jahren und zwei Monaten, die die Deutschen im Schnitt eher das Rentnerdasein genießen wollen, wären das rund 115 Euro, auf die man Monat für Monat verzichten muss. Steigt das gesetzliche Rentenalter auf 67, könnten die Einbußen deutlich höher ausfallen.

Zum Vergleich einige Berufe und die aktuellen Daten: Von den Ingenieuren, Chemikern, Physikern und Mathematikern gehen 6,6 Prozent in Frührente, beziehen 35,7 Prozent ihre Rente mit 65 Jahren und erhalten 55,1 Prozent eine Rente mit Abschlägen. Das durchschnittliche Rentenalter beträgt 63 Jahre. Bei den Bauberufen liegt die Quote der Frührentner bei 36,8 Prozent und gehen nur 18,3 Prozent mit 65 in Rente. Das Rentenalter liegt im Schnitt bei 62,7 Jahren, wobei 61,8 Prozent eine Rente mit Abschlägen ausgezahlt bekommen.

Rentengarantie: Nullrunde belastet Beitragszahler mit 5,1 Milliarden Euro

Juni 24th, 2010 by Andre | No Comments | Filed in News, Rente

„Der Rentenbetrag ändert sich daher nicht“, steht in 20 Millionen Rentenbriefen, die dieser Tage verschickt werden. Das ist allemal unerfreulich, aber schon seit Wochen und Monaten bekannt. Zumal: Es hätte viel schlimmer kommen können. Wäre die Rentengarantie voriges Jahr nicht beschlossen worden, hätten die deutschen Rentnerinnen und Rentner statt einer Null- eine Minusrunde hinnehmen müssen, weil die Löhne dank Wirtschaftskrise gesunken sind und die Rente nach wie vor an die Lohnentwicklung gekoppelt ist. Ganz ohne Folgen bleibt dieser Schritt allerdings nicht.

Rentenexperte Professor Bernd Raffelhüschen geht davon aus, dass die Rentengarantie die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer bis zum Jahr 2017 mit rund 5,1 Milliarden Euro belasten wird. Gegenüber der Bild-Zeitung erklärte er: „Der Spielraum für zeitweilige Beitragssenkungen ist weg.“ Der Experte moniert angesichts der Garantie eine „Verballhornung des Solidaritätsbegriffes“. Die Last werde ausschließlich von den Beschäftigten getragen. Das sehen die Sozialverbände anders. Ulrike Mascher, Chefin des VdK, spricht aufgrund der steigen Kosten und drohenden Zusatzbeiträge in der gesetzlichen Krankenversicherung schon jetzt von einer Minusrunde für Rentner. Würde an der Garantie gerüttelt, droht der VdK mit Protesten.

Die FDP möchte das Problem von einer ganz anderen Seite angehen. Sie nimmt die Nullrunde zum Anlass, die Hinzuverdienstgrenzen für Ruheständler einreißen und komplett abschaffen zu wollen. Ziel sei, das Thema noch in diesem Jahr in Angriff zu nehmen, so der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Heinrich Kolb. „Fast jeder zweite Arbeitnehmer geht vor 65 und mit Abschlägen in Rente. Oft müssen sie ihre Rente mit einem Job aufbessern. Die Ruheständler sollen dabei so viel verdienen können wie sie wollen“, betonte er. Die Hinzuverdienstgrenze für Frührentner liegt aktuell bei 400 Euro im Monat.

Ausbildungsplatzsuche wird auf die gesetzliche Rente angerechnet

Juni 17th, 2010 by Andre | No Comments | Filed in Altersvorsorge, Rente

Wer direkt von der Schule kommt, macht sich in der Regel noch keine Gedanken um die Rente. Sollte man aber, insbesondere, wenn man nach dem Schulabschluss noch keinen Ausbildungsplatz hat. Die Zeit, die in die Lehrstellensuche investiert wird, kann auf die spätere Rente angerechnet werden. Darauf weist aktuell die Deutsche Rentenversicherung hin.

Dazu müssen sich Schulabgänger im Alter von 17 bis 25 Jahren bei der Agentur für Arbeit als ausbildungssuchend melden. Selbst wenn sie keinen Anspruch auf Leistungen von der Arge haben, „kann die Zeit der Ausbildungsplatzsuche als sogenannte Anrechnungszeit in der Rentenversicherung berücksichtigt werden und spätere Rentenansprüche mit begründen“, heißt es in der Pressemitteilung. Statt den Kopf in den Sand zu stecken, gilt es also, aktiv zu werden und zumindest die Agentur für Arbeit zu informieren. Nähere Informationen dazu bietet die Deutsche Rentenversicherung auf ihrer Internetseite (www.deutsche-rentenversicherung.de) und telefonisch unter 0800-10004800.

Ist die Suche nach einem Arbeitsplatz oder einer Lehrstelle von Erfolg gekrönt, sollte man sich auch Gedanken um die private Altersvorsorge machen. Experten, ob nun vonseiten der Versicherungen oder der Verbraucherzentralen, empfehlen schon seit Jahren, so früh wie möglich ein paar Euro für das Rentenalter zu sparen. Als ideal gilt die Riester-Rente. Berufseinsteiger erhalten nicht nur jährlich 154 Euro als Zulage vom Staat, sondern zusätzlich einen einmaligen Bonus in Höhe von 200 Euro. Für die Riester-Rente spricht zudem, dass sie sich selbst mit einem vergleichsweise geringen Einkommen realisieren lässt. Später kann man sich dann um weitere Optionen für die private Altersvorsorge kümmern.